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Lexikon: Gegenstempel

Helmut Kahnt
vor 18 Minuten
2 Min. Lesezeit

Auch: Kontermarke, Schlagmarke: einer Münze in verschiedenartigster Form eingeschlagene Markierung, meist als Wappen, Zahlen oder Buchstaben. Der Gegenstempel wird vorzugsweise auf der Vorderseite der Münze angebracht, wobei auf der Rückseite eine Abplattung entsteht. Bei einer Zangengegenstempelung wird beidseitig ein Gegenstempel aufgeprägt. Gegenstempelungen können wegen einer Auf- oder Abwertung (Vellon) bzw. der Anerkennung des Werts, einer Umlaufbestätigung oder aus Werbe- und Propagandazwecken erfolgt sein.



Gegenstempel Kopf König Georgs III. von Großbritannien (1760–1820) im Achteck auf einem spanisch-amerikanischen 8-Reales-Stück 1794 aus der Münzstätte Mexiko. Mit diesem britischen Gegenstempel von 1804/05 wurde die spanische Münze in Großbritannien offiziell im Wert von 4 Shillings 9 Pence für den Umlauf zugelassen.


In der Antike wurde der Gegenstempel zum Einschlagen neuer Werte auf Münzen bzw. als Garantiezeichen für die Gültigkeit in einem bestimmten Territorium benutzt. Vor allem im Spätmittelalter und in der Neuzeit wurden durch Gegenstempel fremde Geldsorten anerkannt oder ihr Umlaufwert

festgelegt. Später wurden auch schlechtere einheimische Sorten mit G. auf eine neuen, verringerten Wert gesetzt. Zahlreich treten G. auf den Groschen-Münzen auf (z. B. auf Prager, Meißner oder hessischen Groschen), da diese in ihrem Silbergehalt und damit im Wert schwankten. In Norddeutschland wurden während der Kipperzeit 1619 bis 1622 die Doppelschillinge im großen Umfang gegengestempelt. In der zweiten Kipperzeit im 17. Jahrhundert waren es vor allem die Zweidritteltalerstücke, die im Wert durch Gegenstempel tarifiert wurden.


Gegenstempel Löwenschild im Oval auf

einem Burgundischen Reichstaler 1568 aus

der Münzstätte Antwerpen. Dieser 1573 von

der Provinz Holland eingeschlagene Gegen-

stempel stellt eine direkte Kapitalsteuer dar.

Die Münze wurde durch den Gegenstempel

um 15% aufgewertet, und der Ertrag aus

dieser Maßnahme diente der Finanzierung

des Unabhängigkeitskampfes gegen

Spanien.







Bevor in Rußland die regelmäßige Rubel-Prägung einsetzte, half man sich damit, west- und mitteleuropäische Taler-Münzen unterschiedlichster Herkunft in großen Mengen durch kleine Kopeken-Stempel und Stempel mit der Jahreszahl „1655“ umlauffähig zu machen. Im Orient und Fernen Osten, vor

allem in China, war die Gegenstempelung (Punzierung) von Großsilbermünzen durch private Händler oder Banken noch im ersten Viertel des 20. Jh. üblich.


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