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Leserpost: Sind Medaillen wertlos?

Hallo, den Herren,


als Kunstsammlerin bin ich zufällig auf Ihre Seite gestoßen. Ein von mir geschätzter Bildhauer gestaltet gelegentlich auch Medaillen als Auftragswerk. Als ich im Internet nach einem Katalog für Medaillen suchte, stieß ich fast nur auf Münzkataloge. Eine Zeitschrift für Freunde der Medaille? Fehlanzeige! Warum gibt es eigentlich so wenige Sammler von Medaillen?


Elvira K. (München)


Medaille (Silberhochzeit, 1907, Silber, 45,8 Gramm, 50 mm) von Paul Sturm

Bildquelle: CGB Numismatique


5 Mark (Preußen, 1913, 900er Silber, 27,8 Gramm, 38 mm) von Paul Sturm

Bildquelle: Heidelberger Münzhandlung Herbert Grün


Liebe Frau K.,


dieselbe Frage habe ich vor einigen Jahren mal einem namhaften Numismatiker gestellt. Er antwortete mir, dass ich mir die Gemeinde der Sammler doch einmal genauer anschauen möge. Es handele sich überwiegend um Männer im fortgeschrittenen Alter. Die interessierten sich nicht für Kunst, sondern für Geld. Die Antwort spukte mir wochenlang im Kopf herum. Das, was mir mein Gesprächspartner seinerzeit sagte, ist nicht ganz aus der Luft gegriffen: Sobald einem medaillenartiges Objekt einen Nennwert aufgeprägt wird, kann es in Kataloge aufgenommen werden, bekommt einen Sammlerwert zugeordnet. Vor einigen Tagen gab es im Berliner Münzkabinett eine Veranstaltung mit Diskussion über deutsche Sondermünzen mit Gedenkcharakter. Ein Teilnehmer sagte, als Zahlungsmittel könne man die bisher emittierten 20-Euro-Stücke nicht einsetzen, die neuen zu 35 Euro erst recht nicht. Für ihn seien sie "Medaillen mit Wertangabe". Dennoch werden sie eifrig gesammelt! Moderne Prägungen ohne eine Wertangabe sind in den letzten Jahrzehnten durch Vertriebsfirmen in Verruf geraten, die sie in den Medien als wertvolle Raritäten anpreisen. Kunden, die auf die vollmundige Werbung hereinfallen, so schreibt Prof. Bernhard Weisser in der aktuellen Ausgabe von Politik & Kultur, seien zu bemitleiden: "Denn diese erzielen bei Wiederverkauf ihrer Medaillen meist nur maximal den viel geringeren Metallwert." Dass die einst hoch geschätzte Medaillen nicht nur infolge dieser Entwicklung inzwischen ein solches Schattendasein führen, ist bedauerlich. Sie haben eine große Geschichte! Als Personenmedaillen gab es sie schon in der Antike. Während der Renaissance kam die Gattung zu hohem Ansehen. Während beim Münzentwurf meist der Zwang besteht, den Münzherren und das Hoheitszeichen seines Staates wiederzugeben, sind dem Gestalter einer Medaille große künstlerische Freiheiten eingeräumt. Daraus erwächst mitunter ein hoher künstlerischen Wert. Das ist schon an dem oben abgebildeten Stück ablesbar, das der preußische Staatsmedailleur Paul Sturm im Jugendstil gestaltete. Auf den Münzen, die er für den Staat Preußen schuf, ist die bestimmende Kunstrichtung seiner Zeit eigentlich nur im Schriftbild erkennbar. In gewisser Weise hatte mein Gesprächspartner vor einigen Jahren also doch recht. Der Wert einer Prägung kann unter künstlerischen Gesichtspunkten hoch sein. Gesammelt wird aber vielfach vor pekuniärem Hintergrund!


Dietmar Kreutzer

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