top of page

Leserpost: Silbermünzen im Ersten Weltkrieg?

Werter Dr. Kreutzer,


im aktuellen Gewinnspiel gibt es ein preußisches Drei-Mark-Stück aus dem Jahr 1912 zu gewinnen. Diese Münzsorte wurde in der Standardausgabe mit dem Porträt des Kaisers in Kürassieruniform im Kriegsjahr 1914 letztmalig geprägt. Dasselbe trifft für das preußische Fünf-Mark-Stück zu, das ebenfalls im Jahr 1914 letztmalig aufgelegt wurde. Warum sind die Silbermünzen zu einer halben Mark und die Markstücke im Krieg weitergeprägt worden, die halbe Mark aus Silber mit dem alten Wappen sogar bis 1919? Erst dann ist sie durch das Fünfzig-Pfennig-Stück der Weimarer Republik aus Aluminium abgelöst worden. Eine schlüssige Antwort dafür lässt sich im Internet nicht finden.


Gruß Detlev Bürger

Nürnberg


1/2 Mark (Deutsches Reich, 1919, 900er Silber, 2,77 Gramm, 20 mm)

Bildquelle: MA-Shops, Münzhandlung Krogoll


50 Pfennig (Deutsches Reich, 1919, Aluminium, 1,65 Gramm, 23 mm)

Bildquelle: ebay, Teriaca


Lieber Herr Bürger,


Wenn es um währungstechnische Zusammenhänge geht, stelle ich immer wieder fest, dass gedruckte Fachliteratur unentbehrlich ist. Ich habe in Deutsche Geldgeschichte seit 1914 von Herbert Rittmann (München 1986) nachgesehen. In seinem Kapitel über den Münzumlauf im Ersten Weltkrieg gibt es umfangreiche Ausführungen über das Ende der Goldwährung. Einige Informationen zum Schicksal der Silbermünzen sind dort aber auch zu finden. Zu Beginn des Krieges kam es zu einem Mangel an Scheidemünzen, der unter anderem mit der Ausgabe von Darlehenskassenscheinen zu einer und zwei Mark bewältigt wurde. Damit war das silberne Markstück entbehrlich, dessen Prägung im Jahr 1916 eingestellt wurde. Dasselbe galt für das Zwei-Mark-Stück aus Silber, auf dessen Emission schon früher verzichtet wurde. Der Umlauf der verbleibenden Silbermünzen vollzog sich in den ersten Kriegsjahren unbeeinträchtigt: "Das Silber war nicht so kriegswichtig, und so beließ man es im Umlauf. Da es aber an Stücken zu 1/2 Mark besonders fehlte, begann man die Zwei-Mark-Stücke aus dem Verkehr zu ziehen und in Stücke zu 50 Pfennig umzuprägen; ihre Herstellung hielt bis 1919 an." Im weiteren Verlauf des Krieges kam es aber wegen eines Mangels an Zahlungsmitteln schrittweise zur Ausgabe von Notgeld. Die halben Markstücke wurden jedoch unverdrossen weitergeprägt: "Der Silberpreis war gestiegen, so dass die Silberscheidemünzen im Wert ihres Metallgehalts über den Nennwert stiegen und gehortet wurden; die Reichsbank meinte, der Mangel an Facharbeitern in den Münzstätten beeinträchtige die Herstellung der Kleinmünzen, hauptsächlich der Fünfzig-Pfennig-Stücke, die weitergeprägt wurden, aber im Verkehr kaum mehr zu sehen waren." Ab 1916 wurden erhebliche Mengen des Silbers aus den eingeschmolzenen Münzen zu zwei, drei und fünf Mark für die Herstellung der halben Markstücke verwendet: "Kriegsende und Ausrufung der Republik änderten daran nichts; die halbe Mark wurde bis 1919 mit unverändertem Münzbild - mit dem gekrönten Adlerwappen im Eichenkranz auf der Rückseite - in erheblichen Stückzahlen geprägt." Erst mit dem massiven Anstieg des Silberpreises und dem gleichzeitigen Wertverfall der Mark wurden die Prägungen im Jahr 1919 eingestellt. An die Stelle der Silbermünzen trat das Fünfzig-Pfennig-Stück aus Aluminium mit einer Ährengarbe auf der Rückseite und dem mittig auf ihr angeordneten Schriftband "Sich regen bringt Segen".


Dietmar Kreutzer

Kommentare


www.muenzen-online.com | Regenstauf

© 2025 Battenberg Bayerland Verlag GmbH

bottom of page