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Leserpost: Einfache Goldanlage?

Autorenbild: Dietmar Kreutzer
Dietmar Kreutzer
vor 1 Stunde
3 Min. Lesezeit

Sehr geehrter Herr Redakteur,

vor drei Wochen hatten Sie mir schon einmal so freundlich auf meine Frage zu neuen deutschen Goldmünzen geantwortet. Ich glaube nun, es ist keine gute Idee, mitten in der Serie zur Literatur mit dem Sammeln zu beginnen. Außerdem ist mir der Kauf mit Bestellfristen, die ich einhalten soll, zu kompliziert. Können Sie mir stattdessen eine einfache Goldanlage empfehlen?

Mit freundlichen Grüßen

Günther K. (Bremerhaven)

Krügerrand vs. Kaiserreich

Bildquellen: Wikimedia, Gold Avenue


Hallo Herr K.,

aus Ihren Worten entnehme ich, dass Ihr Ziel nun nicht vordergründig das Sammeln ist, sondern die Wertanlage bzw. Krisenvorsorge. Dafür kommen Barren und Anlagemünzen in Frage. Ein Investment in sogenanntes Papiergold, also in Gold investierte Aktien oder Fonds, klammere ich hier aus, denn dabei handelt es sich nicht um eine "einfache Goldanlage". Barren in großen Stückelungen, beispielsweise als Kilobarren, sind pro Gramm preiswerter als Münzen. Sie haben jedoch den Nachteil, dass sie oft nur am Stück verkauft werden, also weniger in kleinen Einheiten. Daher haben sich in den zurückliegenden Jahrzehnten gut handelbare Anlagemünzen zu einer Unze durchgesetzt. Der Klassiker unter den Anlagemünzen ist der südafrikanische Krügerrand, der seit 1967 den Markt für Anlageprodukte mit einem ungewöhnlich guten Preis-Leistungs-Verhältnis eroberte. Seit der Erstausgabe sind etwa 1.800 Tonnen Gold zu "Krügerrands" verprägt worden. Bis heute ist er die meistgehandelte Gold-Anlagemünze der Welt. Der Erfolg führte dazu, dass der Krügerrand schnell internationale Konkurrenz bekam, in Europa beispielsweise seit 1989 den Wiener Philharmoniker. In den 25 Jahren seit dessen Erstauflage hat die Münze Österreich etwa 500 Tonnen Gold zu "Philharmonikern" verprägt. Für diese Münze spricht nicht nur das vergleichbar niedrige Aufgeld, sondern auch ein höherer Feingoldanteil als beim Krügerrand sowie eine hohe Prägequalität, die das Fälschen schwer macht. Wegen des hohen Goldpreises werden heute bei Anlagemünzen auch kleinere Stückelungen bevorzugt, insbesondere halbe Unzen. Im Preiskampf um Marktanteile ganz vorn mischen auch der kanadische Maple Leaf, der American Eagle, die Britannia und der australische Känguru mit. Sie müssen ihr Faible für Münzen mit besonderen Motiven aber unbedingt nicht aufgeben. Es gibt auch historische Münzen, die sehr nah am Goldpreis gehandelt werden. Der britische Sovereign ist mit über 1,5 Milliarden Exemplaren die meistgeprägte Goldmünze der Welt. Die Goldmünzen des deutschen Kaiserreiches eignen sich ebenfalls als Anlagemünzen. Von den 225 Millionen Stücken zu 20 Mark, die einst geprägt wurden, ist ein erheblicher Teil noch erhalten. Zur Anlage geeignet sind insbesondere die preußischen Stücke, die mit 196 Millionen Stück den Löwenanteil der Prägungen ausmachen. Hier liegt der Vorteil in der kleinen Stückelung. Beide Münzen haben einen Goldanteil von etwas über sieben Gramm und sind damit aktuell ab 850 Euro erhältlich. Selbst die neuen deutschen Goldmünzen mit einer halben Unze Feingold eignen sich zu Anlagezwecken. Es gibt inzwischen so viele davon, dass sie auf dem Zweitmarkt preislich mit Anlagemünzen zu einer halben Unze konkurrieren können. Bei einigen Anbietern von solchen Münzen, die dicht über dem Materialpreis angeboten werden, können Sie sogar das Motiv auswählen. Achten Sie darauf, dass Sie die Münzen möglichst im Erhaltungsgrad "Stempelglanz" bekommen. Im Lauf der Zeit lässt sich so eine Sammlung mit Sammlermünzen zum Preis von Anlagemünzen zusammenstellen. Womit sich dann erneut die Frage stellt, ob Sammlermünzen interessanter sind! Eine Frage, die Sie selbst beantworten müssen, ist der Zeitpunkt des Einstiegs. In den letzten Tagen ist der Goldpreis erheblich gefallen. Erwischen Sie die Talsole der aktuellen Preisentwicklung oder steigen Sie zum falschen Zeitpunkt ein? Selbst Prognosen von "Experten" erweisen sich oft als falsch.

Dietmar Kreutzer

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