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Leitfaden Münzensammeln: Münzenkauf im Internet


Auf der Grundlage des von Wolfgang J. Mehlhausen verfassten Buches „Handbuch Münzensammeln“ möchten wir in mehreren Teilen einen Leitfaden für das Münzensammeln veröffentlichen – für bereits Aktive und die, die es werden wollen, denn Nachwuchs ist wie überall, wichtig!


Auf die Möglichkeit sich bei Auktionen auch „online“ zu beteiligen, wurde bereits kurz hingewiesen. Viele Münzhändlerinnen und Münzhändler haben ihre eigene Internetadresse und einen „E-Shop“, wo man Münzen, Medaillen und Banknoten ansehen und gegebenenfalls auch gleich kaufen kann. Die Berufsverbände sind im Internet vertreten, ebenso wie viele Händlerinnen und Händler des In- und Auslands. Wer beispielsweise ausländische Münzen sammelt, sollte gezielt in Landessprache im Internet suchen. Gibt man „munt“ und Sprache: niederländisch ein, so findet man viele Adressen zu Münzen aus den Niederlanden und Belgien. Versucht man es mit „monety“ und „polnisch“, werden Adressen polnischer Händler offeriert.


Screenshot der Startseite einer Suchmaschine, hier Google.

Die meisten Auktionshäuser haben ihre Kataloge schon im Internet, man kann dort das Angebot ansehen und auch Bilder betrachten und teilweise auch erheblich vergrößern. Ältere Sammlerinnen und Sammler werden einen gedruckten Auktionskatalog bevorzugen. Doch wer nur ein ganz spezielles Gebiet sammelt, wird begeistert sein von der Möglichkeit, Suchbegriffe einzugeben und in Sekunden zu erfahren, ob unter bis zu 5000 Losen etwas für sein Gebiet dabei ist. Kaum ein Sammler kann heute schon aus Zeitgründen alle deutschen Auktionskataloge, die im Jahr herausgegeben werden, durchsehen. Und in der Regel wird für die aufwendig gestalteten und teuren Kataloge auch eine Schutzgebühr verlangt, weil allein Herstellung und Versand viel Geld kostet. Doch ein Besuch auf der Internetseite der Auktionsfirma macht es möglich, den Katalog mit Bildern anzusehen und dies praktisch zum Nulltarif.

Unterdessen gibt es auch reine Internet-Auktionen, wo auch Münzen gehandelt werden, dazu gleich mehr. Konservative Sammler behaupten, dass das erforderliche Vertrauensverhältnis zwischen Händler und Sammler bei Internet-Auktionen nicht mehr besteht. Dies ist nur bedingt wahr. Denn die führenden Auktionsfirmen stellen die gleichen Fotos, die sie auch für den gedruckten Katalog verwenden, ins Netz. Doch vielfach kann man die elektronischen Fotos vergrößern und das Stück noch viel besser beurteilen als bei ei- nem Druck. Wer ganz sicher sein will, ob das Objekt 100 %ig seinen Anforderungen entspricht, muss sie persönlich im Auktionslokal besichtigen.

Auktion und Festpreiskauf im Internet

Neben den Fachhandelsangeboten (Münzauktionen, Lagerlisten, Onlineshops) gibt es auch „virtuelle Warenhäuser“ und „allgemeine Versteigerungen“. Ein bekanntes Unternehmen ist ebay. Diese amerikanische Firma wurde 1995 gegründet und betätigte sich als „Auktionshaus“ für so gut wie alles, was man kaufen und verkaufen kann und hat auch Münzen im Angebot.


In Deutschland wurde lange Zeit mit dem Slogan: „Eins, zwei drei... meins“ geworben. Es scheint, dass die Geschäftsphilosophie überdacht wird. ebay hat seine Strategie verändert und möchte vor allem professionelle Händler gewinnen, die ihre gute Markenware zu Festpreisen anbieten. Dieses Geschäft scheint einträglicher als das mit den Privatleuten, die mehr oder minder gut gebrauchte oder neue Gegenstände zur Versteigerung anbieten, die sie loswerden wollen.

Private Anbieter und Händler können ihre „Schätze“ meistbietend zum Verkauf anbieten, also in einer Auktion versteigern oder Dinge zu Festpreisen verkaufen. Dies sind zwei Verkaufsformen: die klassische Auktion mit Steigerungsstufen und den Sofortkauf.

Wie bei anderen Auktionshäusern auch gibt man bei der Auktion einen Höchstbetrag ein und erhält dann den Zuschlag, wenn man nicht überboten wird. Was die Firmen an Service bie- ten, ist nicht schlecht. Man erhält eine E-mail mit Hinweis, dass man überboten wurde und neu bieten muss, wenn man „dranbleiben“ will. Auch bei der Abwicklung gibt es ein gut durchdachtes System, das man sich genau ansehen muss. Beim Festpreiskauf ist die Sache einfacher: Hier klickt man einfach nur an und hat den Kauf getätigt. Unter Umständen kann man auch „feilschen“ und einen Preisvorschlag unterbreiten.

Das Regelwerk ist gut ausgeklügelt und wird von Verkäufern wie Käufern schnell verstanden. ebay gibt es in vielen Ländern der Welt. Psychologisch geht man sehr klug vor und spricht von einer „Gemeinschaft“, die die Kauf- und Verkaufsregeln einhalten soll. Bei einem erfolgten „Zuschlag“ spricht man davon, dass der Käufer den Artikel „gewonnen“ hat, wie bei einer Lotterie, obwohl nichts verschenkt wird. Man strebt nach „Sternen“ und guten Bewertungen und wird ausgeschlossen, wenn man gegen das Regelwerk verstößt. Viele Sammlerinnen und Sammler sind mit diesen Regeln vertraut und kaufen selbst dort nicht nur Münzen, sondern auch andere Dinge.

Münzensammler, die z. B. ebay seit langem nutzen, werden sicher auch festgestellt haben, dass immer mehr „Kram“ von Laien eingestellt wird, der seitenweise mit 1 Euro angeboten und nicht verkauft wird. Kein Mensch kontrolliert die Offerten, so wimmelt es oft von Recht- schreib- und Beschreibungsfehlern. Ungarn wandert ins Baltikum und Währungsnamen werden erfunden. Über einige Angebote kann man herzhaft lachen, über andere nicht. Nicht selten werden auch dreiste Fälschungen mit Hinweis auf den „Laienstatus“ des Verkäufers angeboten, dazu der Hinweis, dass keine Rücknahme erfolgt, da „Privatverkauf“.

ebay hat die Preise für Privatverkäufer erhöht, aber die überwiegende Zahl der Nutzer sind noch immer private Anbieter. Fachhändlerinnen und Fachhändler haben sich teilweise zurückgezogen, weil sie ihre „Produkte“ eben nicht mit Ramsch zusammen angeboten wissen wollten und auch die hohen Einstellungskosten, die zusätzlich zu den Verkaufsgebühren berechnet werden, scheuen. Viele „Shops“ wurden geschlossen, als ebay die Übernahme der firmeneigenen Bezahlform PAY PAL erzwingen wollte.

Es gibt einige universelle Anbieter und Auktionen und es wird noch mehr davon geben, denn der Trend zum Online-Handel ist ungebrochen. In der Presse gibt es gelegentlich Prozessbe- richte oder Meldungen zu Urteilen, wenn Käuferinnen und Käufer bei Käufen im Internet „gelinkt“ wurden. Auf entsprechende Gefahren bezüglich Echtheit wurde bereits mehrfach hingewiesen und es kann nur wiederholt werden: der Fachhandel ist eine der besten, aber nicht billigsten Quellen für Sammlernachschub.