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„Der Staat bin ich“: Münz- und Medaillenprägung unter Frankreichs Sonnenkönig Ludwig XIV.

Er hatte mehrere Ehrennamen – Gottesgeschenk, Allerchristlichster König und Louis le Grand, doch in Erinnerung ist Ludwig XIV. von Frankreich vor allem als Sonnenkönig geblieben. Als er am 1. September 1715 im Schloss von Versailles starb, sank eine Ära hinab, ein Jahrhundert barocken Glanzes und schrecklicher Eroberungskriege. 1643 nach dem Tod seines Vaters Ludwig XIII. mit fünf Jahren auf den Thron gelangt und daher minderjährig, konnte Ludwig XIV. zunächst nur unter Vormundschaft regieren. Nach dem Tod des in seinem Auftrag tätigen Kardinals Jules Mazarin im Jahr 1661 ließ der inzwischen zweiundzwanzigjährige Herrscher seine Verwandten, Minister, das ganze Land und den Rest der Welt wissen, dass er allein zu regieren entschlossen sei. Von nun an gab es keinen Erlass, der nicht vom König genehmigt wurde. Ludwig XIV. absolvierte eine Herkulesarbeit, um Frankreich mit Waffengewalt und Diplomatie, mit Feuer, List und Tücke und durch Zahlung von Bestechungsgeldern an andere Fürsten an die Spitze Europas zu bringen. Zahlreiche Medaillen feiern ihn als glänzenden Sieger und als Vater des Vaterlandes. Wie die Planeten um die Sonne kreisen, so bewegte sich von nun an alles um den Sonnenkönig. Er war der Mittelpunkt eines großen Landes, das mit 18 Millionen Einwohnern andere Mächte der damaligen Zeit weit übertraf.


In Frankreich drehte sich wie die Planeten um die Sonne alles um „Louis le Grand“. Die von ihm initiierte „Histoire métallique“ enthält zahllose Medaillen aus Silber und Kupfer, die sein Bildnis in Frankreich und Europa bekannt machten und Vorbilder für ähnliche Gedenkprägungen waren.


Der abgeschieden von seinen Untertanen und überaus prunkvoll in Versailles bei Paris residierende Sonnenkönig ließ sich von niemandem etwas vorschreiben. Ein Zeitgenosse beschrieb seine überragende Stellung so: „Der ganze Staat ist im König, der Wille des ganzen Volkes ist in dem seinen eingeschlossen. Wie in Gott alle Vollkommenheit und alle Tugend vereinigt ist, so ist alle Macht der einzelnen vereinigt in der Person des Königs“. Ludwig XIV. überzog sein Land mit einem Heer von Polizisten und Spitzeln, um jedwede Form von Opposition im Keim zu ersticken. Überall hatte er seine Leute, alles wollte er wissen. Zwar verfügte er nicht über die technischen Mittel heutiger Geheimdienste und Spionageapparate. Aber wenn ihm und seinen Polizisten so etwas wie Widerstand bekannt wurde, konnte er grausam und unerbittlich zurückschlagen.


Dabei schreckte der allerchristlichste König, wie er sich auch nannte, nicht davor zurück, gegen die Opposition vorzugehen, die sich seinen Allmachtsansprüchen nicht beugen wollte. Um seine herausragende Position abzusichern, holte er Personen von Rang und Stand samt Familien nach Versailles an seinen Hof, stattete sie mit einträglichen, freilich vielfach unnützen Posten sowie militärischen Kommandostellen aus. Mit einem ausgeklügelten System von Gnade und Ungnade hielt er seine vor allem mit Intrigen und Liebesaffären, aber auch kostspieligen Glücksspielen sowie höfischen Lustbarkeiten und der Jagd beschäftigten Höflinge bei der Stange und machte sie von sich abhängig.


Die zur Prägung von Münzen und Medaillen verwendete Spindelpresse wird, verbunden mit barocken Allegorien, auf französischen Medaillen aus dem 18. Jahrhundert gefeiert.


Durch keine Schranken und kein Gesetz gehemmt, schlug der Sonnenkönig alles nieder, was sich ihm entgegen stellte. Als junger Mann hatte er mit Aufständen gegen seine Steuer- und Kriegspolitik zu tun. Während das Volk, bis hinein in begüterte Schichten, von skrupellosen Eintreibern ausgesaugt wurden, behielten Adel und Kirche, die beiden ersten Stände, ihre Privilegien und mussten sich nicht an den enormen Staatsausgaben für Kriege, Prunkbauten und das kostspielige Leben am Hof beteiligen, sondern profitierten von ihrer Nähe zum Herrscher. Dieses zum Himmel schreiende Oben und Unten steigerte die Volkswut und spielte der gegen den König gerichteten Opposition in die Hände. Einhundert Jahre später brachen sich die sich auftürmenden Probleme in der Revolution von 1789 Bahn, weil sich seit Ludwig XIV. an den Verhältnissen prinzipiell nicht verändert hatte.


Auf dem Weg zu einer europäischen Großmacht benötigte Frankreich gewaltige Mengen an Geld. Die Regierung des Sonnenkönigs kurbelte die Münzprägung massiv an und setzte dafür auch das Edelmetall eingezogener einheimischer und fremder Münzen sowie königliches Tafelsilber und andere Ressourcen ein. Die Geldfabriken im Lande wurden massiv personell und technisch aufgerüstet. Bei den Kriegen und Raubzügem, die Ludwig XIV. führte, fielen den marodierenden Sodaten gewaltige Mengen an Silber- und Goldmünzen in die Hände, die sogleich umgeprägt und mit dem Kopf und Lilienwappen des Herrschers versehen wurden. Da man es eilig hatte, wurden manche Münzen überprägt, was an Spuren älterer Ausgaben zu erkennen ist. Zur Freude der Sammler blieben aus dieser Zeit zahlreiche Geldstücke erhalten und werden zu meist mäßigen Preisen vom Münzhandel angeboten. Erwähnt sei, dann nach dem Tod des Monarchen (1715) Frankreich in einen Staatsbankrott stürzte und sich aus diesem durch massenhafte Ausgabe von wertlosem Papiergeld zu retten versuchte.

Nicht immer gelang die makellose Herstellung von Geldstücken, manche hat man überprägt, und so sind noch Spuren älterer Ausgaben zu sehen.


Ludwig XIV. ließ alle und jeden und selbst die eigenen Verwandtschaft beobachten und ausspionieren. Briefe wurden heimlich geöffnet, gelesen und wieder geschlossen und Listen von angeblichen Landesverrätern angelegt. Die Gefängnisse füllten sich, die Henker des Königs hatten alle Hände voll zu tun. Wer sich in seinem Reich nicht zur katholischen Kirche bekannt, wurde terrorisiert und des Landes verwiesen. Kurbrandenburg und andere protestantische Länder haben die Hugenotten mit Kusshand aufgenommen. Der Exodus hatte für Frankreich erhebliche wirtschaftliche und kulturelle Folgen, hingegen war er für die Aufnahmeländer ein Segen. Als Ludwig XIV. im Jahr 1715 starb, war Frankreich bankrott. Um die wirtschaftliche Not zu lindern, wurde massenhaft wertloses Papiergeld ausgegeben, das von den Bewohnern aber abgelehnt wurde.


Eine Medaille von 1970 anlässlich einer Ausstellung in Paris über die Medaillenkunst unter Ludwig XIV. zeigt Porträts des Sonnenkönigs in unterschiedlichen Altersstufen vereint.


Selbstverständlich mussten die Bewohner des Schlosses von Versailles und der anderen Paläste nicht wie der große Rest des Landes hungern. Ihr Leben im Schatten des Sonnenkönigs und immer auf der Hut vor seinen Häschern, Spitzeln und gedungenen Mördern dürfte aber alles andere als friedlich und freudvoll gewesen sein. Wie es im goldenen Käfig zu Versailles und in anderen Schlössern zuging, hat die Schwägerin des Königs, Elisabeth Charlotte (Liselotte) von der Pfalz, in über 3.000 Briefen scharf beobachtend, humorvoll und mit spitzer Feder beschrieben. Der Historiker Leopold von Ranke, einer der frühen Herausgeber ihrer Briefe, urteilte über die Schreiben, sei seien zuweilen flüchtig hingeworfen worden, „unter ihnen sind aber auch viele, die, durch den Gegenstand geadelt, drastisch und treffend, auch im Ausdruck zu den besten gehören, die in deutscher Sprache geschrieben sind. Subjektiv ist Elisabeth Charlotte immer wahrhaft, denn in ihr ist kein Falsch.“


Eine originale Spindelpresse aus der Zeit des Sonnenkönigs wird im Musée de la Monnaie am Quai Conti in Paris gezeigt.


Da Ludwig XIV. die ihm gehörenden Territorien und Titel nicht ausreichten, blickte er sich in Europa und Übersee nach weiteren Gebieten um. Auf fragwürdige Erbansprüche pochend, überzog er deutsche Nachbarstaaten mit Krieg und eignete sich alles an, was ihm in die Hand fiel. Die Folge waren zahlreiche Kriege, die von schrecklichen Mordbrennereien und Verwüstungen begleitet waren. Dabei riss der König von Frankreich ausgedehnte Territorien an sich, die Zerstrittenheit seiner Gegner, aber auch deren militärisches Engagement etwa in den Türkenkriegen nutzend.

Zahlreiche Künstler hoben den Sonnenkönig in den numismatischen Himmel, und dieser sorgte dafür, dass seine „Histoire métallique“ überall bekannt wurde. Sie war das Vorbild ähnlicher Medaillensammlungen.


Der Sturm auf die Bastille, das Staatsgefängnis in Paris, am 14. Juli 1789 war der Anfang vom Ende der unseligen Königs- und Adelsherrschaft. Ludwig XVI. verlor im Januar 1793 unter der Guillotine seinen Kopf, und mit ihm starben unzählige Feinde und Freunde der Republik, die sich dem Grundsatz „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ verschrieben hatte.


Bis zum Ende des Königtums in der Revolution von 1789 ging von der durch Vergünstigungen aller Art und einträgliche Ämter klein gehaltenen Opposition keine wirkliche Gefahr aus. Als Ludwig XIV. in Versailles am 1. September 1715 starb, hatte Frankreich seinen Höhepunkt überschritten. Krisen, Kriege und Katastrophen und ein durch Misswirtschaft und höfischen Luxus herbeigeführter Staatsbankrott überschatteten die folgenden Jahrzehnte und führten nach dem Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 zum gewaltsamen Ende der Monarchie. Das vom Sonnenkönig geschaffene absolutistische Regime hatte für seinen Untergang gesorgt, denn es war zur Selbsterneuerung und durchgreifenden Reformen nicht fähig und brach nach ebenso hastigen wie untauglichen Rettungsversuchen im Verlauf des 18. Jahrhunderts wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Die Folgen für Frankreich die Welt waren gravierend. Der Weg in die Moderne war frei, aber es war ein langer, steiniger und mit hohen Opfern an Blut und Gut verbundener Prozess.


Text und Fotos: Helmut Caspar

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