Krone, Lilien und Randmuster: Münzreform und Ertüchtigung der französischen Geldfabriken
- Helmut Caspar

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Das französische Münzwesen lag zu Beginn des 17. Jahrhunderts am Boden. Große Mengen minderwertiges, an den Rändern beschnittenes, also im Gewicht reduziertes Hartgeld fügten dem Land schweren wirtschaftlichen Schaden zu. Um Handel und Wandel zu verbessern und die Staatsfinanzen in Ordnung zu bringen, veranlasste Ludwig XIII., der Vater des Sonnenkönigs, 1641 eine Münzreform und die Prägung neuer Gold- und Silbermünzen sowie die technische Ertüchtigung der französischen Prägeanstalten. Indem man ihnen die damals noch neuen Randmarkierungen verpasste und ihnen ein aus Kopf und Wappen bestehendes Design gab, fiel es Betrügern schwer, sich durch Beschneiden der Geldstücke zu bereichern und den Staat zu schädigen.

Gegenüber der altertümlichen Hammerprägung bedeutete der Einsatz von Spindelpressen einen großen Fortschritt und erleichterte die Arbeit der Münzpräger erheblich.


Die Buchstaben L und A auf den Ecus König Ludwigs XV. von 1725 und 1773 deuten auf die Münzstätten un Bayonne und Paris.
Dem König standen neben der in Paris auch weitere Münzanstalten zur Verfügung. Die Herstellung erfolgte nun kosten- und kraftsparend auf Spindelpressen, während in anderen Ländern noch die mittelalterlich anmutende manuelle Prägeweise üblich war. Sammler können die Prägeanstalten nach Buchstaben und Zeichen gut unterscheiden. Die Herkunft nach einem einheitlichen Schema zu kennzeichnen, war wichtig, um Münzstätten und ihre Angestellten zu sanktionieren, wenn sie nicht nach den gesetzlichen Vorschriften arbeiteten und in die eigene Tasche wirtschafteten. Lange bevor Friedrich der Große 1750 in Preußen ein feststehendes Alphabet für seine Geldfabriken einführte und Berlin den Buchstaben A verpasste, gab es diese Kennung schon in Frankreich. Das französische Alphabet beginnt mit A für Paris und endet mit Z für Grenoble. Im Einzelnen seien hier genannt: A Paris, AA Metz, B Rouen, BB Strasbourg, C Caen und Saint Lo, D Lyon, E Tours, F Angers, G Poitiers, H La Rochelle, I Limoges, K Bordeaux, L Bayonne, LL Lille, M Toulouse, Morlaas, Metz, MA Marseille, N Montpellier, O Riom, P Dijon, Q Narbonne, Perpignan, R Orleans, S Reims, Troies, T Nantes, W Lille, X Amiens, Y Bourges und Z Grenoble. Darüber hinaus stehen die Zahl 9 für Rennes und das Zeichen & für Aix en Provence.
Warum sich das Reich Ludwigs XIV. sowie seiner Vorgänger und Nachfolger mehr als 30 Münzanstalten leistete, die ja viel Geld kosteten und Ressourcen verschlangen, ist schwer zu begreifen. Dies umso mehr, als sich ja sonst alles nach Paris orientierte und der König und seine Beamten dort am besten die Produktion von Münzen überwachen konnten. Der von 1575 bis 1641 geprägte Franc mit dem Kopf des jeweiligen Königs und seinem Monogramm im Blumenkreuz wog 14,14 Gramm und entsprach damit etwa einem halben deutschen Taler. Dieser auch in verschiedenen Unterteilungen ausgebrachte Silberfranc bildete die Vorstufe für den unter Ludwig XIV. und seinen Nachfolgern geprägten „Écu“, lateinisch benannt nach „scudatus“ (Schild).

Der von 1575 bis 1641 geprägte Franc mit dem Kopf des jeweiligen Königs und seinem Monogramm im Blumenkreuz wog 14,14 Gramm und entsprach da mit etwa einem halben deutschen Taler.
Das Nominal Franc reicht ins Mittelalter zurück. Der erste „Franc à cheval“ wurde 1360 mit dem reitenden König auf der Vorderseite und einem Blumenkreuz im Vierpass auf der Rückseite geprägt. Diese hochwertige Goldmünze diente zur Zahlung von Lösegeld für den in englische Gefangenschaft geratenen König Jean II. le Bon. Da der Goldfranc wegen seines besonderen Standards sehr beliebt war, haben ihn andere Potentaten mit veränderten Bildern und Inschriften nachgeahmt. König Charles V. von Frankreich ließ neben den Goldstücken mit reitendem Herrscher auch den „Franc à pied“ prägen, der den Herrscher stehend in einem gotischen Gehäuse dargestellt.

Der geflügelte Genius der Freiheit schreibt auf eine Tafel das Wort CONSTITUTION und unterstreicht damit, dass an die Stelle des absolut regierenden Königs eine verfassungsmäßige Ordnung getreten ist, in der alle Macht vom Volk ausgeht, wenigstens auf dem Papier.
Schaut man sich französische Münzen der Revolutionszeit an, die mit dem Sturm auf das Staatsgefängnis in Paris, der Bastille, am 14. Juli 1789 begann, wird man einige auffällige Veränderungen feststellen können. Zwar wurde das königliche Porträt bis 1792 beibehalten, denn Ludwig XVI. war formal noch Staatsoberhaupt. Verändert hat man aber die Titulatur. Hieß es früher „Ludwig XVI. von Gottes Gnaden König von Frankreich und Navarra“, so betonte „König der Franzosen“ Volksnähe und veränderte Herrschaftsverhältnisse. Dass während der Revolution die schlimmsten Verbrechen und Willkürakte gegen ihre Feinde und Freunde begangen wurden, steht auf einem anderen Blatt. Weitere Zeichen der radikalen politischen Wende sind die aus der römischen Antike übernommenen Rutenbündel (Fasces), die phrygische Mütze und der gallische Hahn als Symbole der neu erworbenen Freiheit. Blutig war das Ende des französischen Königs Ludwig XVI. und seiner aus Österreich stammenden Gemahlin Marie Antoinette. Nach einem vergeblichen Fluchtversuch, der Gefangennahme und einem spektakulären Prozess wurde 1793 das entmachtete Paar mit der Guillotine geköpft, der König am 21. Januar und die Königin am 16. Oktober. Das Volk brach in Jubel aus, als man ihm die abgeschlagenen Köpfe präsentierte. Viele, die da begeistert schrien, ereilte schon bald das gleiche Schicksal, denn die Revolution fraß, um einen heutigen Ausdruck zu verwenden, ihre Kinder.

Die Doppelzählung nach christlichem und Revolutionskalender – hier eine Kupfermünze von 1792 als Jahr 4 der Freiheit ausgegeben – erwies sich als unpraktisch. Unter Kaiser Napoleon I., der die Kirche zu seinem Machterhalt benötigte, kehrte das neue Empire français zum christlichen Kalender zurück.
Gewöhnungsbedürftig ist die doppelte Datierung der französischen Münzen aus dieser Zeit. Im Zusammenhang mit dem Kampf gegen die Kirche, neben dem Adel die wichtigste Stütze des Ancien régimes, hatte der Konvent als neue Volksvertretung der Franzosen den christlichen Kalender durch den sogenannten Revolutionskalender ersetzt. Auf den letzten Goldmünzen mit dem Königsbild zu einem Louis d’or oder anders gerechnet zu 24 Livres, tritt vorderseitig zur traditionellen Jahreszahl 1792 rückseitig die neue Zeitangabe L’ AN 4 DE LA LIBERTÉ. Damit ist das vierte Jahr der Freiheit gemeint ist, gerechnet ab jenem Sturm auf die Bastille im Sommer 1789.

Das von Augustin Dupré entworfene Münzbild mit dem Herkules und seinen Begleiterinnen wurde bis ins 20. Jahrhundert auf französischen Münzen verwendet.
In der Revolutionszeit nahm Frankreich nicht nur Abschied von Königsköpfen, Lilienwappen und überkommenen Jahreszahlen, sondern auch vom bisherigen Münzsystem. An die Stelle des alten Livre und der Duodezimalrechnung aus der Zeit der Monarchie trat die neue und bequemer handhabbare Dezimalwährung, nach der ein Franc den Wert von hundert Centimes hat. Auf der Fünf-Francs-Münze von 1796, dem fünften Jahr der Republik, symbolisieren Herkules und seine Begleiterinnen die Kraft und Geschlossenheit des Landes.
Text und Fotos/Repros: Caspar




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