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Leitfaden Münzensammeln: Gekennzeichnete Nachprägungen, Verfälschungen und Frechheiten, Teil V



Auf der Grundlage des von Wolfgang J. Mehlhausen verfassten Buches „Handbuch Münzensammeln“ möchten wir in mehreren Teilen einen Leitfaden für das Münzensammeln veröffentlichen – für bereits Aktive und die, die es werden wollen, denn Nachwuchs ist wie überall, wichtig!


Eine mit der Jahreszahl 1978 gekennzeichnete Replik des 3-Mark-Stücks 1917 „Friedrich der Weise“.

Gekennzeichnete Nachprägungen

Wie wir wissen, ist heute die Herstellung von Münznachprägungen ohne Kennzeichnung bei uns verboten. Die Mitglieder der deutschen Händlerverbände verpflichten sich, keine Nachahmungen oder Kopien jeglicher Art zu handeln. Es gibt jedoch eine Reihe von Münzen, die offiziell in großer Zahl nachgeprägt werden. Bis heute wird der Maria-Theresia-Taler von der Münze Österreich in großen Mengen ohne besondere Kennzeichnung geprägt. Auch verschiedene Goldmünzen des Landes werden bis heute als so genannte Anlagemünzen nachgeprägt. Die Kennzeichnung erfolgt hier u. a. mit der Jahreszahl 1915. Sie haben eigentlich nur Materialwert und werden auch gern als Souvenirs gekauft.


Bei den deutschen Reichsmünzen gibt es einige Silberstücke, die kaum ein normaler Sammler je erwerben kann, hier sei nur das sächsische 3-Mark- Stück 1917 „Friedrich der Weise“ genannt. Diese Jaeger-Nr. 141 wurde seinerzeit in 100 Exemplaren geprägt und kostet heute gut 60.000 – 80.000 Euro. Dies ist die seltenste deutsche Reichssilbermünze ab 1871. Dieses Stück wurde, wie auch einige andere rare Münzen der Kaiserzeit, immer wieder nachgeprägt, allerdings mit entsprechender Kennzeichnung. Die meisten Numismatiker lehnen derartige Produkte rundweg ab, die Hersteller und Verkäufer hingegen argumentieren dahingehend, dass sie auch einem Durchschnittssammler ermöglichen wollen, sich an der Schönheit dieser Prägungen zu erfreuen. Doch ganz uneigennützig fertigen sie diese Produkte zweifelsfrei nicht, sie kosten meist um 50 Euro und mehr, eine Summe für die man lieber eine „richtige“ Münze kaufen sollte. Doch man soll nicht glauben, dass nur solche Raritäten nachgeprägt werden. Es gibt selbst Nachprägungen von einfachen Reichsmünzen, die gekennzeichnet sind. Doch sie zu kaufen, ist Unfug.


Verfälschungen von Sammlerstücken

Bei vielen Münzen gibt es verschiedene Jahrgänge und Münzzeichen, so beispielsweise bei den deutschen Reichsmünzen ab 1871, die gern nach „Buchstaben“ (die Kennbuchstaben der Münzstätten) und Jahreszahlen gesammelt werden. Und hier gibt es wahrlich extreme Preisunterschiede bei einem Münztyp. Einige Jahrgänge sind „Massenware“ und kosten wenige Cent, doch mit einem anderen Jahr oder Münzzeichen wird für eine Top-Rarität ein vierstelliger Betrag gezahlt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass gewiefte Fälscher hier Jahreszahlen manipulieren oder aus einem „E“ ein „F“ fabrizieren. Besonders bei solchen Jahrgangs- und Buchstabenraritäten ist höchste Vorsicht geboten. Oft hilft hier eine scharfe Lupe, um irgendwelche Manipulationen zu erkennen. Doch bei den ganz teuren Stücken gilt: Kauf nur im Fachhandel oder von privaten Sammlern, wenn diese ein Gutachten beibringen können oder mit der Erstellung eines solchen vor Zahlung des Kaufpreises einverstanden sind. Ein Musterbeispiel ist das deutsche 1⁄2- Mark-Stück 1908 F, das oft aus einem Exemplar 1908 E „hergestellt“ wird.


Solche verfälschten Münzen sind teilweise sehr schwierig zu erkennen, denn sie sind ja keine Totalfälschungen, sondern „größtenteils“ echt. Und die Fälscher sind oft wahre Meister ihres Fachs. So gibt es Nachahmungen, die aus zwei verschiedenen echten Münzen „zusammengebaut“ werden. Es gibt viele Münzen, die häufig und billig sind, aber in Kombination der Vorder- und Rückseiten gesuchte Raritäten darstellen. Manchmal werden solche Machwerke einfach auf die Hälfte ihrer Stärke abgeschliffen und mit Metallkleber zusammengefügt. Es empfiehlt sich daher, immer den Rand einer besonders genauen Untersuchung zu unterziehen.


Eine besonders gefährliche Fälschung einer sehr teuren 20-Mark-Goldmünze wurde noch raffinierter ausgeführt. Hier hatten die Fälscher die eine Münze nicht abgeschliffen, sondern ganzflächig ausgehöhlt und bis auf wenige Zehntel Millimeter den Rand stehen lassen. Und die andere Münze wurde auf die richtige Höhe dieser „Höhle“ abgeschliffen, der Rand etwas entfernt und alles in die Hülse eingepasst. Mehrere Fachleute waren sich bezüglich der Echtheit nicht sicher, erst ein Vergleich mit einem Original-Stück des Bundesbankmuseums brachte diese raffinierte Fälschung an das Tageslicht. Ganz neu war dieses Verfahren allerdings nicht, eine rare tschechische 5- Heller-Münze von 1924 wurde ähnlich zusammengebastelt.


Wie wir erfahren haben, werden nicht nur teure und seltene Münzen gefälscht. Manchmal lohnt sich sogar das Fälschen von dem, was Münzhändler „Massenware“ nennen.

Vor Jahren gab es größere Mengen von Danziger Pfennigen der Zwischenkriegszeit, die als gut gelungene Prägefälschungen auf den Markt kamen. Sie sind für wenige Euro im Handel zu bekommen, doch selbst bei dem damaligen Ankaufspreis des Handels von 1 bis 2 DM pro Stück muss sich das Geschäft gelohnt haben. Weil die Fälscher genau wissen, dass sehr teure Stücke nicht „blind“ gegen bar auf einer Börse gekauft werden, fertigen sie auch interessante Stücke der Mittelware und gar unterer Preisklassen an, weil diese sich besser unbemerkt verkaufen lassen. Sicher liegen diese Nachprägungen heute in vielen Sammlungen, aber niemand wird sich die Mühe machen, diese aufzuspüren, weil sie in durchschnittlicher Erhaltung nur ein paar Euro kosten.


Getto Litzmannstadt, 20 Mark 1943.

Nun, es gibt immer noch mehr echte als falsche Münzen, dies zum Trost für Anfänger. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel. Sehr gesucht sind die Münzen des Gettos Litzmannstadt. Hier gibt es so viele Fälschungen, dass man für diese gar einen Typenkatalog erarbeiten könnte.


Ein angesehener Fachmann bestätigte, dass er nur sehr wenige Male in seinem Leben ein echtes 20-Mark-Stück gesehen hat, während ihm Nachahmungen in Mengen zur Begutachtung vorgelegt wurden. Bei dieser Münze kann man mit Fug und Recht behaupten, dass die Masse der in den Sammlungen liegenden Stücke schlicht falsch ist. Für diese Gettomünzen gibt es einen großen Markt. Sie wurden schon in den 60er Jahren und mehrfach später gefälscht. In Ermangelung echter Vorlagen für die 20-Mark-Stücke wurden Kopien von Kopien hergestellt und einige Fachleute können sogar die Fälschungen nach Zeitperioden bestimmen.


Immer wieder gibt es auch moderne Fantasieprodukte, so beispielsweise 20-Pfennig-Stücke der DDR, die nicht messinggelb, sondern silberfarben aussehen. Ihr Gewicht entspricht in etwa den normalen Stücken. Wer etwas von Chemie versteht, kann problemlos eine Kupfer- oder Messingmünze versilbern, vernickeln oder verchromen. Doch schlimmer wird die Sache, wenn es den gleichen Jahrgang und Münztyp in zwei Metallen gibt. Es hilft hier nur eine physikalische Dichtebestimmung, es sei denn, man feilt das Stück am Rande an. Diese ungeeignete Methode würde zwar helfen, die Fälschung als solche zu enttarnen, aber bei einem echten Stück zu einem enormen Wertverlust führen und muss deshalb unterbleiben.


Frechheit siegt – nicht immer

Noch ein Beispiel, wie dreist und mit welch recht einfachen Methoden manchmal Fälscher das schnelle Geld machen wollen: In der DDR wurden 1985 10-Mark-Münzen in Kupfernickel zum 40. Jahrestag der Befreiung in großer Menge ausgegeben (Jaeger-Nr. 1603). Zugleich stellte man für ausgewählte Funktionäre insgesamt 266 Goldabschläge dieser Münze her. Doch dieses Stück war mit einem erhabenen „P“ rechts neben dem Staatswappen versehen. Dieser Goldabschlag wog wegen der niedrigen Goldlegierung (0,333 Au) nur 15,1 g, also nur geringfügig mehr als das Normalstück mit 12 g.


Einzige Goldmünze aus DDR-Zeiten – Fälschungen sind bekannt.

Eine solche Münze wurde vor Jahren von einer jungen Frau bei mehreren Berliner Händlern angeboten, dessen Opa angeblich dieses Stück erhalten hatte. Warum auch nicht? Die „Goldmünze“ war in einem mit Bleiplombe versiegelten Plastiketui eingebettet, so wie die DDR verschiedene PP-Münzen an Sammler auslieferte. Das Gewicht konnte nicht exakt geprüft werden, da dazu das Stück aus der verplombten Verpackung hätte entnommen werden müssen. Ein Vergleichsexemplar stand bei nur 266 Stück Auflage verständlicherweise nicht sofort zur Verfügung. Doch bei genauerem Betrachten fiel dem Händler auf, dass das „P“ neben der Jahreszahl vertieft eingeschlagen war. Da er schon einmal ein Original-Stück in der Hand hatte, ließ er sich nicht täuschen. Als er schließlich Zweifel äußerte und eine stärkere Lupe holen ging, war die junge Dame bereits aus seinem Laden verschwunden. In den Fachzeitschriften erschien daraufhin eine Warnmeldung, doch vielleicht liegt auch dieses Produkt schon längst, sehr teuer bezahlt, in einer Sammlung.


Als die Pläne der Deutschen Bundesbank bekannt wurden, eine „Abschiedsmark“ in Gold zu prägen, liefen die Händler- und Sammlerverbände Sturm gegen dieses Projekt, weil der Nominalwert von 1 DM in keinem realistischen Verhältnis zum Goldgewicht von 12 g steht. Hinzu kam, nur am Rande bemerkt, dass die Bundesbank nicht autorisiert war, überhaupt Münzen zu prägen. Doch alle Versuche, die für die Ausgabe dieser Münze notwendigen Gesetzesänderungen zu verhindern, schlugen fehl. Die Münze erschien – und war sehr schnell ausverkauft, die Preise stiegen und liegen heute bei 450 Euro und mehr. Zugleich waren windige Firmen auf dem Markt, die eine Deutsche Mark, eine ganz einfache DM-Münze „echt vergoldet“ zu einem hohen Preis anboten, natürlich mit professioneller Werbung. Und nicht wenige Leute werden solche Stücke in der Hoffnung auf Wertsteigerung erworben haben. Schade um das schöne Geld. Ein vergoldetes Markstück ist völlig wertlos und wird nicht einmal mehr in Euro umgetauscht.