Gallia mit Freiheitsmütze: Modische Kopfbedeckungen und antike Freiheitssymbole
- Helmut Caspar
- vor 6 Stunden
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Wenn sich antike Herrscher Kränze, Binden und Schleifen ins Haar steckten, unterstrichen sie damit Gottähnlichkeit und Führerqualitäten. Geldstücke Alexanders des Großen etwa zeigen den Kopf des kultisch verehrten Herakles (Herkules), zu erkennen am Löwenmaul, aus dem ein Gesicht schaut. Nach der Tradition war der listige, mit sagenhaften Kräften ausgestattete Held einer der mythischen Stammväter der makedonischen Könige. Auf athenischem Geld erscheint die Göttin Athena im Schmuck eines reich mit Reliefs oder Blättern verzierten Helms, und auf Münzen von Korinth und anderen altgriechischen Städten erkennt man ebenfalls Erzeugnisse florierender Helm- und Waffenschmieden.

In der Revolution von 1789 entlud sich die Wut der Franzosen gegen die Herrschaft der Ausbeuter aus dem Ersten (Geistlichkeit) und Zweiten (Adel) Stand. Wer die phygische Mütze aus roter Wolle trug, gab sich als Jacobiner zu erkennen.
So kann man die Münzgeschichte von der Antike bis zur Gegenwart durchgehen und wird einen ständigen Wandel bei der Kleidung, der Haar- und Bartmode und den Accessoires bemerken. Der Aufbau einer diesem Thema gewidmeten Sammlung ist ausgesprochen reizvoll und lohnenswert. Das Thema „Mode auf Münzen“ bietet viel Stoff für historische Entdeckungsreisen. Was der sprichwörtliche „kleine Mann“ und seine Frau trugen und womit sie sich vor Kälte, Nässe und Hitze schützten, wird man auf geprägtem Metall nicht finden. Dazu muss man alte Gemälde, Grafiken und Skulpturen befragen, in die Museen gehen und die Chroniken studieren.

Nach der Revolution von 1789 hat man die mit der Freiheitsmütze geschmückte Gallia auch auf Münzen dargestellt, hier beispielsweise auf einem Fünf-Centimes-Stück aus Kupfer.
Wie in der Gegenwart, so unterlag auch in früheren Zeiten bei Männern das Tragen von Haaren und Bärten modischen und sozialen Einflüssen. Reicher Kopf- und Kinnbesatz galt in der Antike als Zeichen freier Geburt. In der Barockzeit trugen Männer, die auf sich hielten und es sich auch leisten konnten, über dem eigenen Haupthaar eine auf Schulter und Rücken fallende Perücke. Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurden, wie zeitgenössische Münzen und Medaillen zeigen, Locken zu Zöpfen gedreht oder in Beuteln versteckt. Gelockt oder streifig, lang gewachsen oder kurz geschnitten - auf Münzen ist nahezu alles vertreten, was bei Bärten möglich war. Nach langer Abwesenheit im 17. und 18. Jahrhundert, als dünne Oberlippen- und Kinnbärte en vogue waren, wurden im 19. Jahrhundert üppig gewachsene Vollbärte wieder schick. Auch sie kann man auf zahlreichen Münzen und Medaillen sehen.

Zahlreiche Staaten, die im 19. und 20. Jahrhundert ihre Souveränität erwerben konnten, zeigen über oder im Wappen die phrygische Mütze. Der Silberpeso von 1858 stammt aus Ecuador und zeigt die Symbolfigur der Freiheit mit einer solchen Kopfbedeckung.
Nach der Revolution von 1789 haben sich die Franzosen bewusst von den Hofgewändern, Seidenstrümpfen und Frisuren der abgehalfterten Adelsklasse abgehoben und neue Kleider- und Haarmoden eingeführt, die auch auf Münzen und Medaillen dokumentiert sind. Aus der Antike übernommen, avancierte die Freiheits- oder phrygische Mütze zum allgemeinen Erkennungs- und Bekenntniszeichen. Die von den Jacobinern bevorzugte Kopfbedeckung aus roter Wolle oder Leder wurde ursprünglich von den Phrygern getragen, die zur Zeit des Trojanischen Kriegs in Kleinasien lebten und als besonders freiheitsliebend galten.

Der Peso von 1939 aus Kuba mit dem Motto „Vaterland und Freiheit“ zeigt das von einer phrygischen Mütze bekrönte Landeswappen.
Im 17. Jahrhundert gab es Aufstände in der Bretagne und anderen Landesteilen gegen neue Steuern, die Sonnenkönig Ludwig XIV. erlassen hatte. Revoltierende Bauern und Bürger zogen sich rote Mützen über den Kopf und griffen Schlösser und Steuerbehörden an. Die Staatsmacht ging erbarmungslos gegen die Rotmützen vor und ließ ihre Anführer hinrichten. Zur allgemeinen Abschreckung hat man die Leichen öffentlich so lange ausgestellt, bis die von Raubtieren und Vögeln zerfleischten Gebeine zu Boden fielen. Das ist lange her, aber unzufriedene Franzosen gehen mit roten Kopfbedeckungen auf die Straße, wenn sie gegen unpopuläre Maßnahmen der Regierung protestieren, und färben damit Straßen und Plätze rot. Gallia, die Symbolfigur Frankreichs, trägt häufig auf Münzen und Medaillen die Jacobinermütze, und zahlreiche Wappen sind in Frankreich und weltweit mit ihr als Ausdruck von Freiheitsliebe und Souveränität geschmückt.

Ob verdient oder nicht - Kaiser, Könige und andere Fürstlichkeiten ließen sich auf Münzen und Medaillen nach antiker Manier mit dem Siegeslorbeer auf dem Kopf feiern. Hier ist es Preußens König Friedrich II., genannt der Große, auf einem für den Handel mit der Levante bestimmten Handelstaler von 1767.
Napoleon Bonaparte, der neue starke Mann in Frankreich und ab 1804 Kaiser, ließ sich auf geprägtem Metall in der Pose und Kleidung antiker Herrscher darstellen. Statt der bourbonischen Lilien verwandte er Adler und Bienen als neue Herrschaftssymbole. Mit dem Aufkommen von Uniformen verschwand das Fürstenporträt unter einem steifen Kragen, doch im Laufe des 19. Jahrhunderts hat man auf Münzen und Medaillen nur noch die am Hals abgeschnittenen Köpfe abgebildet.
Text und Fotos: Caspar
