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Finanzpolitische Diskussion: Wann wird der Dollar als Leitwährung abgelöst?

Globale Leitwährungen sind das Geld, das international als Zahlungsmittel akzeptiert wird und Vertrauen in seine Wertbeständigkeit genießt. Wenn die Währung eines wirtschaftlich bedeutenden Landes diese Funktionen erfüllt, kann sie zur globalen Leitwährung werden. Lange Zeit entsprach der US-Dollar diesen Kriterien. Wirtschaftsexperten gehen davon aus, dass der US-Dollar seine unangefochtene Vormachtstellung schrittweise verliert, aber noch mehrere Jahrzehnte die globale Leit- und Reservewährung bleiben wird.


Survival of the Fittest: Karikatur zur Einfhrung des Goldstandards in den USA (1900)

Bildquelle: Wikimedia, Scewing


Als sich im 19. Jahrhundert allen für die Weltwirtschaft wichtigen Länder ein einheitliches Währungssystem herausbildete und im Gefolge vielerorts Zentralbanken nach britischem Vorbild errichtet wurden, kam noch dem Edelmetall die unbestrittene Funktion der Geldware zu. Bis zum Ende des Jahrhunderts war klar, dass sich der Goldstandard durchgesetzt hatte. Im vollumfänglichen Goldstandard hatte jeder Inhaber von Papiergeld das Recht, seine Noten jederzeit bei der Zentralbank zum festgelegten Kurs in Edelmetall einzulösen. Zur Sicherung dieser Verpflichtung musste die Notenbank in ihren Kellern den Gegenwert eines bestimmten Teils des umlaufenden Papiergeldes tatsächlich als physisches Edelmetall zur Verfügung halten. Die Einführung eines nur durch Gold gedeckten Zahlungsmittels hatte den Vorteil, dass ein aufwändiger Versand von Gold entbehrlich wurde. An seiner Stelle kamen Wertversprechen zum Einsatz, beispielsweise in Form von Banknoten. Solange der Staat an der Golddeckung festhielt, war er in seinem wirtschaftlichen Expansionskurs jedoch dazu verurteilt, eine wachsende Masse von physischem Edelmetall anzuschaffen und unproduktiv für Währungszwecke zu reservieren. Das wurde vielfach zum Problem.


20 Dollars (Double Eagle, USA, 1907, 900er Gold, 33,4 Gramm, 34 mm)

Bildquelle: Wikimedia, Heritage Auctions


Während des Ersten Weltkrieges war das System des Goldstandards lediglich ausgesetzt worden. Grundsätzlich in Frage gestellt wurde es während der Weltwirtschaftskrise, die im Herbst 1929 von den Vereinigten Staaten ausging. Während sich die meisten bedeutenden Staaten von dem System abwandten, begnügten sich die USA mit einer wesentlichen Modifikation. Der Umtauschkurs des Dollars in Gold, der mehr als 100 Jahre bei 20,67 Dollar pro Unze gelegen hatte, kletterte in mehreren Schritten auf 35 Dollar. Darüber hinaus wurde privater Goldbesitz verboten. Die US-Bürger hatten ihren Goldbesitz an die Federal Reserve zu verkaufen. In ihrem Besitz durften nur noch Schmuck und Goldmünzen im Wert von 100 Dollar verbleiben. Die Konvertibilität des Dollars in Gold galt damit nur noch für den Außenwert der Währung. Dieses System wurde nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Abkommen von Bretton Woods (1944) zur Basis der weltweiten Finanzbeziehungen. Die US-Währung übernahm die Rolle einer offiziellen Leitwährung, indem die übrigen Währungen zu einem festen Kurs an den Dollar gebunden wurden, der seinerseits in Gold notiert war. Im internationalen Geldverkehr konnten Zentralbanken sich beispielsweise ihre Außenhandelsüberschüsse in amerikanischem Währungsgold auszahlen lassen. Die Expansion des internationalen Handels und Kapitalverkehrs führte jedoch dazu, dass die Diskrepanz zwischen Waren und Goldreserven größer wurde.


Der spätere US-Präsident Richard Nixon im Wahlkampf des Jahres 1968

Bildquelle: Rawpixel


Bedingt durch sich wiederholende Wirtschaftskrisen, zuletzt induziert durch den Vietnamkrieg, kam es in den 1960er Jahren zu einer Dollarschwemme mit inflationären Folgen. Dem waren die Goldreserven der USA nicht mehr gewachsen. Der Gold-Dollar-Standard kollidierte zudem mit der Notwendigkeit, eine wachsende Weltwirtschaft im nötigen Umfang mit Geld zu versorgen, das nicht an die begrenzten Vorräte einer Zentralbank wie der Federal Reserve gebunden war. Im Sommer 1971 zog die Regierung von Richard Nixon die Konsquenzen und hob die Konvertibilität des Dollars in Gold auf. Das System der Festkurse brach innerhalb kurzer Zeit zusammen und wurde von einem System der freien Wechselkurse ersetzt. Damit war der Übergang zu einem reinen Kreditgeld vollzogen. Als wichtigste Leit- und Reservewährung prägt der Dollar aber bis heute den globalen Handel und die Finanzmärkte. Etwa 60 Prozent der weltweiten Währungsreserven werden in Dollar gehalten und der Großteil der internationalen Transaktionen wird in Dollar abgewickelt. Diese Rolle bringt den Vereinigten Staaten erhebliche wirtschaftliche und politische Vorteile, insbesondere durch günstige Bedingungen zu ihrer Refinanzierung und eine weltweite Nachfrage nach US-Finanzwerten.


US-Präsident Donald Trump während einer Veranstaltung am 22. Juli 2026

Bildquelle: Wikimedia, The White House


Diese Stellung wird jedoch seit einiger Zeit in Frage gestellt. China ist einer der größten Gläubiger der USA. Die Chinesen arbeiten daran, sich vom US-Dollar zu lösen. In den letzten fünf Jahren hat China seine Bestände an US-Staatsanleihen stark reduziert. Die Diversifizierung erfolgte beispielsweise über eine Aufstockung der Goldreserven. Auch der Anteil der grenzüberschreitenden Zahlungen in Dollar ist deutlich geringer. China entwickelt seit 2015 das Zahlungssystem CIPS als Alternative zu SWIFT, um unabhängiger von Sanktionen zu werden. Allerdings ist die Loslösung vom Dollar problematisch, da China und die USA gegenseitig stark voneinander abhängig sind. Eine kurzfristigen Auflösung der Reserven könnte zu enormen Kursschwankungen führen. Zahlreiche Schwellenländer versuchen, den Dollar durch alternative Zahlungssysteme abzulösen. Japan und der Euroraum versuchen zugleich, die internationale Rolle ihrer Währungen zu stärken. Doch weder Euro, Renminbi noch Yen sind geeignete Nachfolger des Dollars als Weltwährung, da sie jeweils spezifische Nachteile haben. Fazit: Der Dollar dürfte trotz einer Tendenz zum Rückzug aus vielerlei Gründen mittelfristig die dominierende Leitwährung bleiben. Angesichts politischer Risiken, aber auch der gigantischen Verschuldung der USA, wird seine Rolle aber zunehmend in Frage gestellt. In mereren Regionen der Welt wird an alternativen Reserve- und Leitwährungsmodellen gearbeit, insbesondere digitalen Alternativen.


Dietmar Kreutzer

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