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Die Wiege des Levantetalers – wie Günzburg eine Weltmünze prägte

Aktualisiert: 3. März

Eine der produktivsten Münzstätten der Habsburger bestand von 1764 bis 1805 in Günzburg. Hier in der österreichischen Markgrafschaft Burgau wurden in großen Mengen die berühmten Maria-Theresien-Taler mit der Jahreszahl 1780 geprägt. Diese Aufgabe wird bis heute von der Münze Österreich in Wien wahrgenommen, wobei die blitzblank aus der Presse fließenden Taler mit der Signatur F. S. fast so aussehen wie die von 1780, dem Sterbejahr der römisch-deutschen Kaiserin. In der Leu Web Auktion 41 kommen knapp 100 Theresien-Taler unter den Hammer. Darunter befinden sich neben zahlreichen Stücke aus Lebzeiten der Kaiserin auch unzählige Varianten der frühen Nachprägungen und über 30 Münzen aus Günzburg.

Bevor das berühmte Bildnis Maria Theresias mit Witwenschleier auf den Taler erschien, wurden in Günzburg Stücke mit jugendlichem Bildnis geprägt. Leu Web Auktion 41, 17. März 2026, 3183.


Die  Einstellung des so erfolgreichen Prägebetriebs 1805 in Günzburg hängt mit Veränderungen auf der europäischen Landkarte infolge der französischen Revolution und der napoleonischen Kriege zusammen. Napoleon stand als Protektor dem Rheinbund vor und übte damit Einfluss auf seine Mitgliedsstaaten aus. Die Konföderation von zumeist südwestdeutschen Fürstentümern mit zusammen 13,3 Millionen Einwohnern war als Gegengewicht zur Habsburger-Monarchie gedacht und hatte solange Bestand, wie der Kaiser der Franzosen an der Macht war.


Neben den Porträtmünzen prägte Günzburg auch diese Wappentaler im Namen Maria Theresias.

Leu Web Auktion 41, 17. März 2026, 3183.


Die Münzstätte Günzburg war 1764 auf Befehl der um das Münz- und Geldwesen ihres Vielvölkerstaates bemühten Kaiserin Maria Theresia eingerichtet worden, um mit hochwertige Geldstücken dem in Süddeutschland grassierenden Münzchaos beizukommen. Nach neuestem technischem Standard im alten Schloss zu Günzburg eingerichtet und von tüchtigen Beamten geleitet, hatte die Münzstätte überdies die Aufgabe, Silbergeld für den Orient bereitzustellen.


Die Allegorie mit Putten um einer Spindelpresse schmückt die Decke eines Saals im Günzburger Schloss, das zeitweilige österreichische Münzstätte war. Foto: Caspar.


Die im Günzburger Schloss eingerichtete Prägeanstalt war ein Musterbetrieb, der in der Monarchie der Habsburger seinesgleichen suchte. Erhalten ist im ehemaligen Kassenraum eine barocke Deckenmalerei, auf der man neben allerlei Puttenprunk auch eine Spindelpresse erkennt. Sie war bis ins 19. Jahrhundert hinein das wichtigste Prägegerät vor allem für große Münzen und Medaillen und war laut Inventarlisten auch in der Günzburger Münze reichlich in Gebrauch.


Noch heute ist unklar, ob diese frühe Nachprägung von circa 1790 in Günzburg oder Florenz entstand (Hafner 30c). Eine Problematik, die oft bei den unzähligen Varianten der Nachprägungen des 1780er Talers auftritt. Leu Web Auktion 41, 17. März 2026, 3183.


Wie Franz Reißenauer in seinem Buch von 1982 „Münzstätte Günzburg 1764-1805. Geschichte, Prägungen, Katalog" (Verlag Volksbank Günzburg e.G.) schreibt, fanden die hier geprägten Taler im deutschen Südwesten und in Österreich eine ausgezeichnete Aufnahme. Allerdings verschwanden sie schon bald von der Bildfläche, denn sie liefen im Ausland, speziell im Vorderen Orient als begehrtes Zahlungsmittel um, und so wurde der ursprüngliche Zweck verfehlt, sie im Lande zu halten.


Nach dem Tod der Kaiserin 1780 aber blühte die Günzburger Prägeanstalt wieder auf. Denn jetzt wurde massenhaft für den Orient und die Levante geprägt, was ihnen den Namen Levantetaler verschaffte.


Diese Variante ohne Münzmeister-Initialen entstand zwischen 1792 und 1805 in Günzburg (Hafner 32a). Leu Web Auktion 41, 17. März 2026, 3214.


Gegen starke Konkurrenz konnten sich die Maria-Theresien-Taler als Handelsmünze für den Orient, vertrieben unter anderem durch Augsburger Kaufleute, in der Beliebtheitsskala ganz oben behaupten. Versehen mit der lateinischen Randschrift „Justitia et Clementia” (Gerechtigkeit und Milde) war die mit der Jahreszahl 1780, dem Sterbejahr der Kaiserin, versehene Münze bis 1858 in Österreich offizielles Zahlungsmittel, klingelte aber auch lange danach in den Kassen des Vielvölkerstaates. Insgesamt dürfte sich die Masse der Silberstücke auf über 400 Millionen Exemplare belaufen. Allein für Wien wurde eine Gesamtauflage von 250 Millionen Stück errechnet.


In Günzburg ist nach der sang- und klanglosen Aufhebung der gut 40 Jahre tätigen Prägefabrik die Erinnerung an sie lebendig. Bei einem Besuch im alten Schloss – hier das Kaiserwappen - wird ausführlich auf die Geschichte der Münzstätte und der Stadt eingegangen. Foto: Caspar.


Aus Günzburg gingen weitere, im Buch von Reißenauer aufgelistete Werte aus der Zeit der Kaiserin Maria Theresia sowie ihrer Nachfolger Joseph II., Leopold und Franz II. vom Taler abwärts in die Welt, und zwar Halb-, Vierteltaler (30 Kreuzer), 10 Kreuzer, 5 Kreuzer, 1 Kreuzer, ½ Kreuzer, ¼ Kreuzer, 1 Heller und 1/48 Taler. Außerdem wurde in Günzburg Geld für die Fürsten von Fürstenberg, die Reichsstadt Ulm, das Hochstift Augsburg und das Bistum Straßburg hergestellt. Die einzige Günzburger Goldmünzen stammen aus der Zeit von Leopold II. im Wert von einem und einem halben Souverain d'or.


Aus der Endphase der Prägetätigkeit in Günzburg stammt dieser gut erhaltene Heller.

Leu Web Auktion 41, 17. März 2026, 3269.


Gewiss wäre Günzburg wie viele andere historische Münzstätten weitgehend vergessen, wäre die Stadt nicht die Wiege des bis heute nachgeprägten Maria-Theresien-Talers.


Helmut Caspar


Die komplette Sammlung in der besagten Leu Auktion finden Sie hier: https://leunumismatik.com/de/auction

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