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Die Krisen der Komnenen: Workshop zu byzantinischen Münzen in Merseburg

Am 22. Juni 2026 gab es am Europäischen Romanik Zentrum der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg einen Workshop unter dem Titel Vom Versuch, den Stier zu reiten - Byzanz und Europa im 12. Jahrhundert von Dr. Stefan Moeller. Das Byzantinische Reich stand im 12. Jahrhundert einer massiven Bedrohung aus dem Osten durch die islamischen Seldschuken gegenüber. Dennoch war es keine Zeit des Niedergangs. Der britische Historiker Steven Runciman hatte einleitend in seinem auch in Deutschland weithin verbreiteten Buch Die Eroberung von Konstantinopel 1453 geschrieben: "Während des ganzen 12. Jahrhunderts schien Konstantinopel eine so reiche und glanzvolle Stadt, der Kaiserhof so prunkvoll, die Basare und Speicher so angefüllt mit Waren, dass der Kaiser noch immer als großer Machthaber behandelt wurde." (Ebenda, München 1966, S. 2)


Merseburger Workshop mit Dr. Moeller (Mitte)


Von 1081 bis 1185, also etwa 104 Jahre, wurde das Byzantinische Reich von der Komnenen-Dynastie regiert. Die fünf Kaiser der Komnenen verzögerten den Vormarsch der Türken in Anatolien, der im 15. Jahrhundert letztlich zur Einnahme von Konstantinopel führte, um zwei Jahrhunderte. Der Kontakt zwischen Byzanz und dem christlich-lateinischen Westen erreichte in der Zeit der Komnenen seinen Höhepunkt. Venezianische und andere italienische Händler ließen sich im Reich nieder. Allein in Konstantinopel lebten mehrere Tausend sogenannte Lateiner, darunter auch viele Söldner, die Kaiser Manuel I. angeworben hatte. Dies trug maßgeblich zur Verbreitung byzantinischer Technologie, Kunst, Literatur und Kultur im römisch-katholischen Westen bei. Vor allem der Einfluss durch byzantinische Kultur und Kunst auf den Westen war in dieser Zeit bedeutsam.


Histamenon Nomisma Romanos III.


Histamenon Nomisma Nikephoros III.


Alexios I. Komnenos, der erste der fünf Kaiser, fand bei seinem Regierungsantritts ein niedergehendes Reich vor. Ein langer Bürgerkrieg infolge der verlorenen Schlacht von Manzikart im Osten und die Bedrohung durch die Normannen im Norden hatten die Depression verursacht. Die Wirtschaft und das Steuerwesen lagen darnieder. Die Staatskasse war leer. Die Inflation geriet außer Kontrolle, was sich in einer massiven Verschlechterung der Münzmetalle äußerte. Um den Feldzug gegen die Normannen zu finanzieren, musste Alexios auf die Schätze der orthodoxen Kirche zurückgreifen, die er vermünzen ließ. Während seines Krieges gegen Robert Guiscard, Herzog von Apulien, ließ er anstelle des goldenen Histamenon Nomisma einen Elektron-Histamenon prägen. Nach dem Kriegsende im Westen bat er den Papst gegen die türkischen Seldschuken um Unterstützung.


Hyperpyron Alexios I.


Der dadurch initiierte 1. Kreuzzug war wegen der unterschiedlichen Ziele der Beteiligten nur teilweise erfolgreich. Infolge seiner Erfolge bei der Konsolidierung des Reiches im Inneren gelang es ihm jedoch, das Münzwesen zu reformieren. Den Nomisma, dessen Goldgehalt auf nahezu Null gesunken war, ersetzte er im Jahr 1092 durch einen hochwertigen Hyperpyron mit einem Gewicht von 4,5 Gramm und einer Reinheit von 20,5 Karat. Bis zu seinem Tod 1118 hatte er für einen festen Wechselkurs dieser Standard-Goldmünze zum Silber- und Bronzegeld gesorgt und ein funktionsfähiges Währungssystem hergestellt. Sein Sohn Johannes II. Komnenos konnte auf diesem Erfolg aufbauen. Er wurde zum bedeutendsten der Komnenen-Kaiser. Mit seiner vorausschauenden Politik und wohlkalkulierten Feldzügen hinterließ er seinem Sohn Manuel I. Komnenos im Jahr 1143 ein Reich, in dem zahlreiche einst verlorengegangenen Landesteile zurückerobert worden waren.


Electrum Trachy Manuel I.


Hyperpyron Manuel I.


Der charismatische Manuel I. Komnenos arbeitete mit aggressiven Feldzügen erfolgreich an der Wiederherstellung des Status von Byzanz als Supermacht. Sein Tod im September 1180 markierte jedoch einen Wendepunkt. Sein Sohn Alexius II. war zu diesem Zeitpunkt erst 11 Jahre alt und stand unter der Vormundschaft seiner Mutter. Diese Situation nutzte Andronikus I. Komnenos, ein mit Manuel verstrittener Cousin zur Machtübernahme. Mit Reformen und einem Kampf gegen die Korruption gestartet, entwickelte sich der neue Kaiser jedoch alsbald zum Tyrannen. Sein Kampf gegen den Adel schien die komplette physische Ausrottung der Klasse zum Ziel zu haben. Während einer Revolte gegen Andronikus riss Isaak II. Angelos die Macht an sich. Damit ebnete einer neuen Dynastie den Boden. Andronikos I. Komnenos wurde vom Mob der Straße gelyncht.


Begleitende Bildpräsentation


Das byzantinische Währungssystem des 12. Jahrhunderts wird als das damals beste der Welt gerühmt. Leitwährung war der goldene Hyperpyron. Er diente für große Transaktionen im Handel und zur Entrichtung von Steuern. Der Electrum-Trachy diente dem Handel im mittleren Preissegment. Häufig wurden aber auch mit Kupfer legierte Münzen geprägt oder solche, die lediglich in Silber getaucht waren. Der Tetarteron aus Kupfer oder Bronze diente als Kleingeld. Die Münzen der Komnenen sind relativ dünn und tellerförmig geprägt. Auf der konkaven Vorderseite tragen sie gewöhnlich eine Darstellung des Kaisers, auf der konkaven Rückseite ein Christusbild oder ein Abbild der Mutter Gottes. Auf allen Münzen wird der Name des amtierenden Kaisers genannt. Geprägt wurden sie in der Hauptmünzstätte Konstantinopel und den regionalen Zentren der Provinzen wie beispielsweise Thessaloniki.


Dietmar Kreutzer


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