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Die 20-Lire-Münze: Ein Spiegel der italienischen Geschichte

Die 20-Lire-Münze zählt zu den bedeutendsten Nominalen der italienischen Währungsgeschichte. Sie wurde seit der Gründung des Königreichs Italien im Jahr 1861 geprägt und blieb – in unterschiedlichen Ausführungen und Legierungen – bis zum Ende der Lira im Jahr 2001 Bestandteil des Münzsystems. Ihre Gestaltung reflektiert die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen Italiens über mehr als ein Jahrhundert.


Vittorio Emanuele II. (1861–1878)


Mit der Proklamation des Königreichs Italien erschien 1861 die erste 20-Lire-Goldmünze unter Vittorio Emanuele II. Die Vorderseite zeigt das nach links gewandte, unbedeckte Königshaupt mit Namensumschrift und Jahreszahl. Auf der Rückseite befindet sich das gekrönte Wappen des Hauses Savoyen, umgeben von Lorbeer- und Eichenzweigen sowie der Inschrift „Regno d’Italia“.


Die Münzen wurden in Turin, später auch in Rom und Mailand geprägt. Sie bestehen aus 900‰ Gold, haben einen Durchmesser von 21 mm, ein Gewicht von 6,45 g und einen geriffelten Rand. Die Turiner Ausgabe von 1861 mit einer Auflage von lediglich 3.267 Exemplaren gilt als numismatische Seltenheit von besonderem historischem Rang.



Umberto I. (1879–1897)


Unter Umberto I. blieb das Erscheinungsbild im Wesentlichen unverändert. Das Königsbildnis auf der Vorderseite und das Savoyer Wappen auf der Rückseite unterstreichen die monarchische Kontinuität. Die Prägung erfolgte ausschließlich in Rom; Gewicht, Durchmesser und Goldgehalt entsprachen der Vorgängerausgabe.



Vittorio Emanuele III. (1902–1941)


Die Regierungszeit von Vittorio Emanuele III brachte eine größere stilistische Vielfalt hervor. Mehrere Varianten der 20 Lire spiegeln die politischen Umbrüche der Epoche wider.


Die „Aquila sabauda“ (1902–1905) zeigt einen heraldischen Adler mit dem Savoyer Schild. Einzelne Stücke des Jahres 1902 tragen ein Ankersymbol, das auf die Verwendung von Gold aus Eritrea verweist.


Die „Aratrice“ (1910–1912) stellt eine allegorische Figur Italiens als Ackerbäuerin mit Ährenbündel und Pflug dar. Die Ausgabe von 1910 wurde größtenteils eingeschmolzen; lediglich sechs Exemplare blieben erhalten und zählen heute zu den größten Seltenheiten der italienischen Numismatik.



Mit der „Fascetto“ (1923) erschien eine goldene Gedenkmünze zur Erinnerung an den Marsch auf Rom im Oktober 1922. Das dargestellte Rutenbündel verweist deutlich auf die Symbolik des aufkommenden Faschismus.


Die Silberausgabe „Littore“ (1927–1928) zeigt einen Liktor neben einer sitzenden Personifikation Italiens. Mit einem Durchmesser von 35,5 mm und einem Feingehalt von 800‰ Silber unterscheidet sie sich deutlich von den früheren Goldprägungen.



Der „Cappellone“ oder „Elmetto“ (1928) wurde anlässlich des zehnten Jahrestages des italienischen Sieges im Ersten Weltkrieg ausgegeben. Die Darstellung und das eingravierte Motto betonen das zeittypische als auch das Pathos dieser Epoche.



Die Ausgabe „Impero“ (1936) entstand zur Feier der Proklamation des italienischen Kaiserreichs. Die Rückseite zeigt die Personifikation Italiens auf einer Quadriga und greift damit althergebrachte imperiale Bildmotive auf.



Republik Italien – „Quercia“ (1956–1999)


Nach dem Ende der Monarchie wurde das Münzbild grundlegend neu gestaltet. Die Vorderseite des von Pietro Giampaoli entworfenen Typs zeigt einen Frauenkopf mit einem Ährenkranz, der als Symbol für Fruchtbarkeit und Arbeit gedeutet werden kann. Auf der Rückseite ist ein Eichenzweig neben der Wertangabe „L. 20“ abgebildet.


Die Münze bestand aus Bronzital, einer Kupfer-Aluminium-Legierung, der ab 1968 Nickel beigemischt wurde. Die erste Prägung von 1956 wurde nahezu vollständig eingeschmolzen; nur zwei Exemplare blieben erhalten und befinden sich im Münzmuseum der römischen Prägestätte.



Probenprägung „Cappellone d’oro“ (1928)


Eine besondere Stellung nimmt die goldene Probeprägung des Jahres 1928 ein. Mit einem Gewicht von 32,25 g entsprach sie nicht dem regulären Nominalwert und war aus diesem Grund nicht für den Umlauf bestimmt. Sie diente als Vorläufer der späteren Silberausgabe.


Schlussbetrachtung


Die 20-Lire-Münze dokumentiert in ihrer ikonografischen Entwicklung den Weg Italiens von der nationalen Einigung über das Zeitalter des Faschismus bis zur republikanischen Neuordnung. Für die Numismatik besitzt sie keinesfalls nur aufgrund einzelner Seltenheiten, sondern auch als kulturhistorisches Zeugnis einen bleibenden Wert.


Andreas Raffeiner

Bildquelle: Numista

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