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Die Quadriga Briosa von 1914: Das numismatische Testament des Jugendstils

Die 5 Lire „Quadriga Briosa“ aus dem Jahr 1914 gilt unter Experten und Sammlern gleichermaßen oft als die schönste Silbermünze des 20. Jahrhunderts. Sie markiert den künstlerischen Gipfel der Kooperation zwischen dem Bildhauer Domenico Trentacoste und dem Graveur Luigi Giorgi. In einem Zeitalter, in dem Geldstücke wiederholt apathisch-starr wirkten und lediglich eine staatstragende Mission erfüllten, brachte dieses Design eine beinahe filmreife Macht in das Metall. Der Begriff „Briosa“ (schwungvoll oder lebhaft) beschreibt auf diese Weise perfekt die energische Entschlossenheit, die von der Darstellung ausgeht, die weit über die althergebrachte Heraldik hinausgeht.

5 Lire (Quadriga Briosa, 1914, Probe, 900er Silber, 25 Gramm, 37 mm)

Bildquelle: Aurora Numismatica


Die Symbolik der ungestümen Vorwärtsbewegung


Die Rückseite der Münze präsentiert ein exorbitantes Sinnbild Italiens als triumphierende Frauengestalt, die einen vierspännigen Streitwagen (Quadriga) lenkt. Die Pferde sind nicht in Reih und Glied dargestellt, sondern bäumen sich ungestüm auf – ein Zeichen für den fast schon ungezügelten Drang des jungen italienischen Nationalstaats nach Fortschritt und Größe. In der linken Hand hält die Allegorie einen Ölzweig, ein Symbol für den begehrten Wunsch nach Frieden, während die gesamte Komposition ein fast schon greifbares Tempo vermittelt.



2 Lire (Quadriga Briosa, 835er Silber, 10 Gramm, 27 mm)

Bildquelle: Numista, Katz Auctions


Technische Meisterschaft und plastische Tiefe


Was die Quadriga Briosa von anderen Münzen ihrer Zeit abhebt, ist die ansehnliche Reliefhöhe. Die Modellierung der Muskeln der Pferde und die Faltenwürfe des Gewandes der Italien-Figur erforderten beim Prägevorgang einen enormen Druck. Dies führte dazu, dass die Stempel schneller verschlissen, was die Produktion relativ teuer machte. Für den Betrachter entsteht infolgedessen eine als plastisch zu charakterisierende Tiefe, die an die mächtigen und imposanten Bronzeskulpturen des Jugendstils erinnert und das Licht auf eine aufsehenerregende und einzigartige Weise einfängt.



Karte der Militärbündnisse in Europa 1914

Bildquelle: Wikimedia / Danbornekde & historicair, CC BY-SA 2.5


Die Tragik des Timings: Vom Umlauf ins Versteck


Die Münze wurde im Jahr 1914 geprägt, genau zu dem Zeitpunkt, als der Erste Weltkrieg in Europa ausbrach. Italien blieb als Dreibund-Partner von Deutschland und Österreich- Ungarn zunächst neutral. Erst ein Jahr später trat es aufgrund großzügiger Gebietsversprechungen der Entente-Mächte in den Krieg ein. Dennoch führte das generelle Bedenken dazu, dass die Bevölkerung Silbermünzen hortete, anstatt sie auszugeben. Von der ohnehin übersichtlichen Auflage von rund 272.000 Stück gelangten nur wenige Exemplare tatsächlich in den Zahlungsverkehr. Dies erklärt, warum heute viele der erhaltenen Münzen in einem auffällig guten Erhaltungszustand zu finden sind. Häufig überdauerten sie die Jahrzehnte in heimischen Schatullen.



Auch auf der 500-Lire-Silbermünze des Jahres 1961 ist die Quadriga zu sehen-

Bildquelle: Raffeiner


Ein begehrtes Objekt für moderne Sammler


Aufgrund ihrer Anmut und ihrer Verbindung zum Vorabend des Ersten Weltkriegs ist die Quadriga Briosa ein Muss für jede ambitionierte Italien-Sammlung. Da es jedoch viele hochwertige Falsa gibt, achten Kenner besonders auf die Details an den Hufen der Pferde und die Schärfe der Signatur der Künstler unter dem Hals des Monarchen auf der Vorderseite. In einem Stempelglanz-Zustand erzielt dieses Geldstück hohe Preise, die weit über den reinen Silberwert hinausgehen.


Andreas Raffeiner

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