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Der moderne portugiesische Escudo: Eine Geschichte der Währung

Der portugiesische Escudo war die nationale Währung von Portugal und wurde 1910 nach der Ausrufung der Republik eingeführt, um die alte Währung, den „Real“, zu ersetzen. Der Escudo blieb bis zur Einführung des Euro im Jahr 2002 die offizielle Währung des Landes und erlebte in seiner Geschichte zahlreiche Veränderungen und Anpassungen an die wirtschaftlichen, politischen und sozialen Gegebenheiten Portugals. Die folgende detaillierte Betrachtung gibt einen umfassenden Überblick über die Geschichte des Escudos und seine Entwicklung im Laufe der Jahre.


Die Einführung des Escudos: Vom Real zum Escudo


Mit der Gründung der Portugiesischen Republik im Jahr 1910 wurde eine tiefgreifende Reform des Währungssystems notwendig. Der Real, der bis dahin die gängige Währung war, wurde durch den Escudo ersetzt. Der Name Escudo stammt von der Darstellung eines Wappens auf den Münzen, das ein Symbol für Schutz und Sicherheit darstellt. Der Escudo wurde als Währungseinheit in 100 Centavos unterteilt, womit es dem vorherigen System des Real ähnelte, der in ebenfalls in kleinere Einheiten aufgeteilt war. Der Escudo wurde in einer genau bestimmte Menge Gold notiert. Anders als beim Real wurden allerdings keine Gold-Umlaufmünzen geprägt.


1 Escudo (Silber, 1915, 835er Silber, 25 Gramm, 37 mm)

Bildquelle: Numista, Katz Auction


Das neue System sollte nicht nur die Währung, sondern auch das Vertrauen der Bevölkerung in das neue republikanische Regime stärken. Der Escudo wurde rasch zur offiziellen Währung Portugals, und der Code „PTE“ für das Escudo wurde nach der ISO 4217-Norm weltweit etabliert.


Der Escudo im Kontext der portugiesischen Geschichte


Die Geschichte des Escudos reicht jedoch noch weiter zurück als die republikanische Ära. Bereits im Mittelalter wurden in Portugal verschiedene Münzen und Währungen verwendet, die als Vorläufer des Escudos betrachtet werden können. Die erste Goldmünze, die als Escudo bezeichnet wurde, erschien während der Herrschaft von König D. Duarte im 15. Jahrhundert. Die präzise Gestaltung der Münze ist unbekannt. Diese frühe Form des Escudos war noch nicht identisch mit der späteren, legte jedoch den Grundstein für die Entwicklung des Währungssystems.


Dobra (24 Escudos, D. João V, Portugal, 1731, 917er Gold, 86,1 Gramm, 53 mm)

Bildquelle: Numista, INCM


Im 18. Jahrhundert wurden unter der Herrschaft von D. João V mehrere Münzen geprägt, die als Vielfache des Escudos bezeichnet wurden, darunter auch die „Dobras“. Diese Münzen spielten eine bedeutende Rolle im Handel und in der Wirtschaft Portugals. Auch während der Herrschaften von D. José I, D. Maria I und D. João VI wurden neue Escudo-Münzen geprägt, allerdings in unterschiedlichen Varianten und mit wechselnder Gestaltung. Diese frühen Münzen prägten das Bild des Escudos und bildeten die Grundlage für das spätere Währungssystem.


Währungsreform 1911: Der Übergang zum modernen Escudo


Ein entscheidender Wendepunkt in der Geschichte des Escudos war die Währungsreform von 1911, die durch das Dekret vom 22. Mai des genannten Jahres erfolgte. Diese Reform ersetzte den Real durch den Escudo und brachte tiefgreifende Veränderungen in der Struktur der Währung mit sich. Unter anderem wurde der Escudo in 100 Centavos unterteilt, was es der Bevölkerung ermöglichte, die Währung im Alltag auf einfache Weise zu handhaben.


Im Rahmen dieser Reform wurden auch die Münzen und Banknoten neu gestaltet. Es wurden verschiedene Münzen geprägt, insbesondere solche aus Silber und Bronze, sowie Banknoten, die den neuen Standard widerspiegelten. Der Escudo war nun offiziell das Zahlungsmittel Portugals und blieb dies für die nächsten Jahrzehnte.


Die wirtschaftlichen Herausforderungen und die Abwertung des Escudos


Im Laufe der Jahre erlebte der Escudo jedoch eine Reihe von Herausforderungen, die zu seiner Abwertung führten. Die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs und die anschließende wirtschaftliche Unsicherheit hatten einen dramatischen Einfluss auf die Währung. 1914, nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, begann der Wert des Escudos aufgrund der Inflation und der damit verbundenen wirtschaftlichen Belastungen zu sinken.


1 Escudo (Portugal, 1927, Nickel-Messing, 8 Gramm, 27 mm)

Bildquelle: Numista, Katz Auctions


Die größte Abwertung des Escudos trat jedoch zwischen 1926 und 1928 ein, als die Regierung mit einer Reihe von wirtschaftlichen und finanziellen Krisen konfrontiert war. Zu den Ursachen für diese Abwertung gehörten die Erhöhung der Staatsverschuldung, die unzureichenden Goldreserven des Landes und die steigende Inflation. Im Jahr 1924 erreichte der Wert des Escudos seinen tiefsten Punkt im Verhältnis zu Gold, was das Vertrauen in die Währung weiter erschütterte.


Versuche zur Stabilisierung: Das Währungssystem der 1930er Jahre


Angesichts der anhaltenden finanziellen Instabilität versuchte die Regierung, den Escudo zu stabilisieren. Im Jahr 1931 wurde ein neues System eingeführt, das darauf abzielte, die Abwertung zu bremsen und die Währung zu stabilisieren. Der sogenannte „Escudo de Ouro“ (Gold-Escudo) wurde eingeführt, der einen geringeren Goldgehalt hatte und als Standardwährung fungierte. Dieses System war darauf ausgelegt, den Wert des Escudos zu sichern und die Inflation einzudämmen.


10 Escudos (Portugal, 2000, Nickel-Messing, 7,5 Gramm, 23,5 mm)

Bildquelle: Numista, NumisCorner


Trotz dieser Bemühungen war der Escudo weiterhin anfällig für wirtschaftliche Schwankungen. In den folgenden Jahrzehnten erlebte die Währung weitere Krisen, besonders in den 1970er und 1980er Jahren, als die Inflation und die Unsicherheit auf den internationalen Märkten zunahmen.


Der „Conto“ und andere informelle Währungsbezeichnungen


Obwohl der Escudo offiziell nur in Centavos unterteilt wurde, entwickelten sich in der portugiesischen Bevölkerung im Laufe der Jahre auch informelle Währungsbezeichner, die in der Alltagssprache weit verbreitet waren. Einer dieser Begriffe war „Conto“, der für 1.000 Escudos verwendet wurde. Der „Conto“ war ursprünglich ein Begriff aus der Zeit der Monarchie und wurde von der Bevölkerung übernommen, um größere Beträge zu bezeichnen. Obwohl der Begriff nach der Abschaffung des „Real“ und der Einführung des Escudos offiziell nicht mehr verwendet wurde, blieb er in der portugiesischen Sprache präsent.


Ein weiterer informeller Begriff war der „Tostão“, der zehn Centavos entsprach. Dieser Begriff war besonders in der Vergangenheit verbreitet und wurde genutzt, um kleinere Beträge zu bezeichnen, ähnlich wie der „Centavo“ im offiziellen System.


Das Ende des Escudos und die Einführung des Euro


Nach vielen Jahrzehnten des Umlaufs und der zahlreichen Veränderungen wurde der portugiesische Escudo schließlich durch den Euro ersetzt. Die Einführung des Euro am 1. Januar 2002 bedeutete das Ende der nationalen Währung und eine weitreichende Veränderung in der portugiesischen Wirtschaft. Der Escudo war damit die letzte nationale Währung in Portugal. Die Umstellung auf den Euro brachte sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich.


1 Euro (Portugal, 2008, Bimetall, 7,5 Gramm, 23 mm)

Bildquelle: Numista, Bentley


Die Umrechnung zwischen Escudo und Euro war bereits 1998 festgelegt worden, und der Umrechnungskurs von 1 Euro = 200,482 Escudos wurde in der Bevölkerung weithin akzeptiert. Der Übergang verlief relativ reibungslos, aber für viele Portugiesen war der Abschied vom Escudo ein bedeutender kultureller und wirtschaftlicher Moment, da er über 90 Jahre lang die Grundlage des portugiesischen Währungssystems war.


Fazit: Das Erbe des Escudos


Der Escudo spielte eine entscheidende Rolle in der Geschichte Portugals. Es war nicht nur ein Zahlungsmittel, sondern auch ein Symbol für die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen des Landes. Von seiner Einführung im Jahr 1910 bis zur Ablösung durch den Euro im Jahr 2002 prägte das Escudo das Leben der Portugiesen in vielerlei Hinsicht. Heute ist er ein wichtiger Teil des kulturellen Erbes des Landes, und seine Geschichte bleibt ein faszinierendes Kapitel in der wirtschaftlichen Entwicklung Portugals.


Andreas Raffeiner

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