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Escudos, Patacas & Rupien: Portugals letztes Kolonialsilber

Eine 60 Jahre alte Reportage aus Westdeutschland zeichnet ein Bild der portugiesischen Kolonie Angola, das zwischen anpackenden Weißen und passiven Schwarzen unterscheidet. Die Anstrengungen der Weißen zur Anlage einer neuen Kaffeeplantage seien bewundernswert:

„Ein Kaffeepflanzer hat in einem tiefen, wilden Tal eine neue Pflanzung anzulegen begonnen. Zwanzig Kilometer halsbrecherischer Bergstraße mit vielen Kurven, Kehren und Wenden musste er als erstes aus den steilen Flanken des Gebirges hacken und sprengen; dann Wasser meilenweit in verwinkelt trassierten Gräben heranleiten, ein Wehr im Gebirge bauen, eine Grashütte erst, dann ein Lehmhaus, schließlich die ersten Wände eines Ziegelhauses errichten, dazu Trockenplätze für den Kaffee zementieren, Hütten, Schuppen, Ställe für Arbeiter, Geräte und Vieh aufstellen, einen Gemüsegarten einzäunen, bewässern und bepflanzen und schließlich in en gereinigten und geklärten Wildboden Reihe nach Reihe der zierlichen Kaffeesträucher setzen, zwischen denen geeignete Bäume als Schattenspender stehen gelassen oder auch neu gepflanzt werden.“ (1)

Portugals langjähriger Diktator Antonio de Oliveira de Salazar (rechts, 1889-1970) – Bildquelle: Flickr, Biblioteca de Arte.


Über diesen Aufwand hinaus, so erklärt der Autor, müsse der weiße Farmer auch noch die farbigen Pflanzungsarbeiter bezahlen. Auch das also noch! Für 30 Arbeitstage fielen 180 Escudos abzüglich 12,50 Escudos Steuern im damaligen Wert von etwa 25 Deutschen Mark an. Kümmere er sich auch noch um Unterkunft und Verpflegung, würden  netto 120 Escudos im Monat in einem Gegenwert von 16 Deutschen Mark fällig. Die tägliche Verpflegungsration für die örtlichen Arbeitskräfte bestehe aus 800 Gramm Maismehl, 150 Gramm Bohnen, 250 Gramm Trockenfisch, 25 Gramm Salz und 30 Gramm Palmfett. Die geringen Aufwendungen lassen erkennen, warum der Kaffeeanbau in den portugiesischen „Übersee-Provinzen“ für besonders lohnenswert gehalten wurde.


Mitglieder der angolanischen Befreiungsbewegung FNLA im Jahre 1973 – Bildquelle: Store Norske Leksikon.


Die portugiesische Regierung unter ihrem Diktator Antonio de Oliveira de Salazar hielt besonders lange an ihren Kolonien fest, die sie im Jahr 1951 zu Provinzen erklärt hatte:

„Die Übersee-Provinzen in Afrika und Asien galten als integraler Bestandteil des Reiches. Zeitweilig wurde sogar ernsthaft erwogen, die Hauptstadt des Império von Lissabon nach Luanda zu verlegen.“ (2)

Infolge der Unabhängigkeitsbewegung nach dem Zweiten Weltkrieg war das Regime der Portugiesen auf fremden Kontinenten allerdings zunehmend fragwürdig. Im Jahr 1961 gingen die portugiesischen Gebiete Goa, Damão und Diu auf dem indischen Subkontinent verloren:

„Im selben Jahr entbrannte in den afrikanischen Kolonien der Kolonialkrieg, wobei die Aufständischen logistisch und mit Material durch die UdSSR und Kuba, aber auch durch die USA und Südafrika unterstützt wurden. (…) Der Krieg wurde auf allen Seiten mit menschenverachtender Grausamkeit geführt; die Gräueltaten gegenüber der Zivilbevölkerung, die im öffentlichen Bewusstsein Deutschlands weniger präsent sind als andere Schlächtereien der Weltgeschichte, stehen hinter der Brutalität des Vietnamkriegs oder des Zweiten Weltkriegs keineswegs zurück.“ (3)

Nach dem Tod des Diktators Salazar wurde dessen repressives Regime im April 1974 im Mutterland infolge der „Nelkenrevolution“ gestürzt. Wenig später brach das Kolonialreich auseinander: Die sogenannte Übersee-Provinz Provinz Guinea-Bissau wurde im September 1974 unabhängig. Mosambik erlangte seine Unabhängigkeit im Juni 1975, die afrikanischen Inselstaaten Kap Verde sowie São Tomé und Príncipe im Juli 1975. Angola folgte im November 1975. Im November 1975 konnte auch die asiatische Provinz Osttimor ihre Unabhängigkeit verkünden. Wenig später wurde das Land allerdings von Indonesien besetzt. Die asiatische Hafenstadt Macau verlor ihren Status als Übersee-Provinz der Portugiesen im Dezember 1999. Aus ihr wurde eine chinesische Sonderverwaltungszone.

Rupia (Portugiesisch Indien, 1947, 500er Silber, 12 Gramm, 30 mm) Schön 15 – Bildquelle: Numismatic Guaranty Company.


Die Währung im Mutterland Portugal basierte seit der Revolution des 1910 auf dem silbernen Escudo, der im Lauf der Jahrzehnte immer weiter abgewertet wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es zunächst noch attraktive, mit dem Flaggschiff von Vasco da Gama verzierte Gedenkmünzen für den Umlauf in drei Wertstufen. Der höchste Wert zu zehn Escudos bestand aus 835er Silber und wog 12,5 Gramm. Die Ausgaben in den Übersee-Provinzen waren ihnen zwar wertmäßig gleichgestellt, enthielten aber in der Regel weniger Silber. Sie waren auch nicht mit einem besonderen Bildmotiv versehen. In Portugiesisch-Indien war 1947 eine Rupia aus 500er Silber mit einem Gewicht von zwölf Gramm ausgeprägt worden. Wie alle anderen Münzen der Übersee-Gebiete trägt sie auf der Vorderseite ein Kolonialwappen und auf der Rückseite das portugiesischen Wappen vor einem Christuskreuz. Für São Tomé und Príncipe wurde im Jahr 1951 eine Münze zu zehn Escudos als höchste Wertstufe aufgelegt. Sie wiegt 12,5 Gramm. Die Silbermünzen zu 20 Escudos von 1952 für Angola und Mosambik sowie jene für Guinea-Bissau wiegen zehn Gramm. Für Macau gab es seit 1952 als höchste Wertstufe fünf Patacas mit einem Gewicht von 15 Gramm. Das dortige Währungssystem ging auf den mexikanischen Peso zurück. Für die Kapverden wurden 1953 Münzen zu zehn Escudos mit einem Gewicht von fünf Gramm ausgegeben. In Ost-Timor kamen 1958 nach einer Währungsumstellung auf den Escudo ebenfalls Silbermünzen heraus. Höchste Wertstufe war ein Stück zu sechs Escudos mit einem Gewicht von sieben Gramm.

5 Patacas (Macau, 1952, 720er Silber, 15 Gramm, 31 mm) Schön 8 – Bildquelle: Numista, CassTaylor


Der Wertverfall des Escudos und der gleichzeitig steigende Silberpreis erzwang sowohl im Mutterland als auch in den Übersee-Provinzen eine schrittweise Senkung des Silberanteils. Zwischen 1968 und 1971 wurden schließlich in mehreren der Übersee-Provinzen die Silbermünzen durch solche aus unedlen Metallen ersetzt. Wenig später endete der Silberumlauf auch in Portugal.         

20 Escudos (Angola, 1955, 720er Silber, 10 Gramm, 30 mm) Schön 19 – Bildquelle: Numismatic Guaranty Company.


Dietmar Kreutzer


Quellenangaben:

  1. A.E. Johann: Afrika gestern und heute; Gütersloh 1963, S. 56f.

  2. Axel Schönberger: Die portugiesische Geschichte von den Anfängen bis zur Nelkenrevolution im Abriss; in: Portugal heute – Politik, Wirtschaft, Kultur; Frankfurt/Main 1997, S. 151.

  3. Ebenda, S. 152.   

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