Aus privaten Sammlungen: Jubelmünzen der Weimarer und Gothaer Herzöge (1650)

Nach quälend langer Dauer und furchtbaren Verlusten an Blut und Gut wurde am 24. Oktober 1648 mit dem Westfälischen Frieden der Dreißigjährige Krieg beendet und eine neue, allerdings recht brüchige Friedensordnung in Europa geschaffen. Benannt nach den westfälischen Bischofsstädten Münster und Osnabrück, in denen die Verhandlungen stattgefunden hatten, legte das Vertragswerk den Grundsatz „Cuius regio, eius religio“ fest. Das bedeutete nicht anderes, als dass sich die Religionsausübung nach derjenigen richten musste, die der Landesherr praktiziert. Ausdrücklich bekräftigte der Vertrag die Souveränität aller Reichsfürsten und Reichsstädte. Sie konnten in ihren Territorien schalten und walten und Bündnisse nach Gutdünken abschließen.
In Münzsammlungen fällt der Weimarer Friedensgroschen von 1650 kaum auf, dennoch ist er ein interessantes Zeugnis für die Hoffnungen und Wünsche der Menschen nach dem Dreißigjährigen Krieg.
In meiner Sammlung liegt ein recht bescheidener Silbergroschen aus dem Jahr 1650. Er kommt im Münzhandel kaum vor und hat zudem ein bei Sammlern verpöntes Loch und zudem noch eine ausgebrochene Stelle am Rand. Trotz alldem gehört die Weimarer Friedensmünze von 1650 zu meinen liebsten Sammelstücken. Geprägt unter dem Weimarer Herzog Wilhelm anlässlich eines Festes zum Friedensschluss in Münster und Osnabrück von 1648, bedeuten die lateinischen Inschriften: „Endlich - Es ist genug – Es sei Friede – Völker haltet Treu und Glauben.“ Das herzogliche Rautenwappen auf der Vorderseite unter einer Krone wird kombiniert auf der Rückseite mit drei in Freundschaft verbundenen Händen. Darüber ist der hebräische Gottesname zu lesen.
Die Jahreszahl 1547 neben dem Wappen auf der Vorderseite weist auf den sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich, der Anhänger der Lutherschen Lehre und Anführer des Schmalkaldischen Bundes im Schmalkaldischen Krieg war und nach der Schlacht bei Mühlberg von den Kaiserlichen gefangen genommen wurde. Man verurteilte ihn zum Tode, richtete ihn aber nicht hin. Der Kurfürst kam mit lebenslanger Haft davon, die er in Weimar verbrachte. Nach fünf Jahren war er wieder auf freiem Fuß und ging ruhmvoll als Gründer der Universität in Jena in die Geschichte ein. Sein Denkmal steht auf dem Marktplatz in Jena. Die Jahreszahl 1648 auf der anderen Seite des Rautenwappens erinnert an den Westfälischen Frieden, der überall im Römisch-Deutschen Reich mit großen Hoffnungen auf eine neue und bessere Zukunft gefeiert wurde. Das Loch in dem Friedensgroschen könnte ein Hinweis darauf sein, dass man ihn an einer Schnur um den Hals getragen hat.

In dem berühmten Buch von Johann Ernst Tentzel „Saxonia numismatica!“ (Ernestinische Linie, Gotha 1712, Nachdruck Berlin 1982) finden sich Beschreibungen in deutscher und lateinischer Sprache sowie Bilder der Weimarer Friedensmünzen von 1650 und unzähliger anderer Münzen und anderer Medaillen.

Herzog Ernst I., genannt der Fromme, ließ Groschen auf das Friedensfest von 1650 prägen und an Schüler im Herzogtum Sachsen-Gotha verteilen.
Der Westfälische Frieden von 1648 hat in deutschen Fürstentümern und auch Städten numismatische Spuren hinterlassen. In dem schon erwähnten Buch von Johann Ernst Tentzel las ich, dass auch Herzog Ernst von Sachsen-Gotha, der Bauherr des Schlosses Friedenstein in der Residenzstadt Gotha, im Jahr 1650 Taler und kleinere Werte bis hinunter zum Groschen anlässlich des Friedensfestes prägen ließ. Die Groschen wurden an Schulkinder verteilt, damit auch sie wissen, was die Einigung in Münster und Osnabrück bedeutet und sie auf dem Pfad der Gottesfurcht und Tugend wandern. Leider besitze ich keinen solchen Groschen und andere Werte aus der Zeit von Herzog Ernst I., genannt der Fromme. Aber in meiner Sammlung befindet sich ein Hamburger Reichstaler von 1748 auf die Hundertjahrfeier des Westfälischen Friedens. Diese Silbermünze und zahlreiche andere gehören in das Sammelgebiet „Pax in nummis“ (Frieden auf Münzen).
Der Westfälische Frieden, den der Hamburger Taler von 1748 feiert, erwies sich als brüchiges Konstrukt, denn schon bald erreichte die Kriegsfackel wieder deutsche Länder, diesmal angezündet und ausgeworfen vom französischen Sonnenkönig. Ludwig XIV. Er überfiel mit Feuer und Schwert die Pfalz und andere Länder im deutschen Süden und machte alte Erbansprüche geltend.
Text, Fotos und Repro: Helmut Caspar




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