Aus öffentlichen Sammlungen: Polnische Goldmedaille (1670) auf die Allianz mit Kaiser Leopold I. gegen die Türken und Franzosen

Das im Residenzschloss untergebrachte Münzkabinett Dresden geht auf Georg den Bärtigen (reg. 1500-1539) zurück. Unter dem sächsischen Kurfürsten August dem Starken, zugleich König von Polen, wurde die Sammlung massiv ausgebaut. Unschätzbar wertvolle Stücke, insbesondere zur polnischen Geschichte, wurden angeschafft. Heute verfügt es über 300.000 Münzen, Medaillen und sonstige numismatische Objekte. Im der Sammlung befindet sich auch eine schwere Goldmedaille von König Michael Korybut auf die Allianz mit Kaiser Leopold I. gegen die Türken und Franzosen. Die Regierung des polnisch-litauischen Königs Michael Korybut Wiśniowiecki (reg. 1669–1673) war durch einen tiefen innen- und außenpolitischen Konflikt geprägt, der die Achse zwischen Habsburgern, Franzosen und Osmanen („Türken“) betraf.

Münzkabinett Dresden im Residenzschloss
Bildquelle: MSU Museen errleben GmbH
Nach der Abdankung von König Johann II. Kasimir wollte die sogenannte „französische Partei“ im polnischen Adel, angeführt vom Primas Prażmowski und dem späteren König Jan Sobieski, einen französischen Kandidaten auf den Thron bringen. Sie erhofften sich dadurch finanzielle und militärische Unterstützung Frankreichs gegen die wachsende Bedrohung durch das Osmanische Reich. Stattdessen wählte der niedere Adel aus Misstrauen gegen das Ausland überraschend den einheimischen Michael Korybut Wiśniowiecki. König Michael besaß wenig eigene Macht und stützte sich politisch fast vollständig auf das Haus Habsburg (Österreich). Um dieses Bündnis zu festigen, heiratete er Eleonore Maria von Österreich, die Tochter des habsburgischen Kaisers Ferdinand III. Diese pro-österreichische Ausrichtung vertiefte die Spaltung mit der pro-französischen Opposition im Land.

König Michael Korybut Wiśniowiecki (reg. 1669–1673)
Bildquelle: Österreichische Nationalbibliothek
Frankreich, das traditionell mit dem Osmanischen Reich verbündet war, um die Habsburger in Schach zu halten, stellte Polen keine Hilfe in Aussicht. Die innere Zerrissenheit Polens und die Annäherung an Österreich nutzte der osmanische Sultan Mehmed IV. aus. Im Jahr 1672 marschierte ein riesiges osmanisch-tatarisch-kosakisches Heer in Polen-Litauen ein. Die wichtige Festung Kamieniec Podolski fiel an die Osmanen. König Michael war gezwungen, den schmachvollen Vertrag von Buczacz (1672) zu unterzeichnen, bei dem Polen die Ukraine abtreten und dem Sultan Tribut zahlen musste. Das polnische Parlament (Sejm) weigerte sich, diesen Vertrag anzuerkennen. Während der Vorbereitungen für einen Gegenfeldzug verstarb Michael Korybut Wiśniowiecki im November 1673. Unmittelbar danach errang sein politischer Rivale, der pro-französische Großkronhetman Jan Sobieski, einen glänzenden Sieg gegen die Osmanen bei Chocim. Sobieski wurde daraufhin zum nächsten König gewählt, wechselte später jedoch ebenfalls ins Lager der Habsburger, um 1683 Wien vor den Türken zu retten.
50 Dukaten (Polen, Michael Korybut, um 1670, 174,6 Gramm, 63 Millimeter)
Inventarnummer BUA3677
Die Goldmedaille zu 50 Dukaten von König Michael Korybut auf die Allianz mit Kaiser Leopold I. gegen die Türken und Franzosen zu 50 Dukaten entstand um 1670. Auf der Vorderseite ist das Brustbild von König Michael im Profil nach rechts mit Lorbeerkranz, Harnisch und Mantel zu sehen. Auf der Rückseite sind unter dem von Wölkchen umgebenen strahlenden Gottesauge im Dreieck zwei fliegende Adler mit Kronen mit den Wappen von Polen und Litauen auf der Brust abgebildet. In den Fängen halten sie ein Schriftband. Darunter ist das Meer mit einer darauf schwimmenden großen Kugel zu sehen, über dem Horizont rechts die strahlende Sonne, links eine liegende Mondsichel mit Stern. Dabei handelt es sich um das Wappen von Wiśniowiecki. Medailleur war Johann Höhn junior.
Dietmar Kreutzer




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