Aus privaten Sammlungen: Der Münzbesuch höchster Herrschaften war eine Sonderprägung wert
- Helmut Caspar

- vor 1 Tag
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Wer sich für die Geschichte der Münztechnik und von Münzstätten interessiert, stößt alsbald auf Gedenkprägungen aus Anlass des Besuchs der durchlauchtigsten Herrschaften in landeseigenen Münzstätten. Solche Münzbesuchstaler oder -medaillen bilden ein reizvolles Sammelgebiet innerhalb des kaum zu überschauenden Gebiets „Numismatica in nummis“. Viele dieser vor allem seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts emittierten Ausgaben sind selten. Einen wahren Boom solcher Erinnerungsgepräge gab es in den Jahren 1814 und 1815, als nach dem Sieg über Napoleon I. in den Befreiungskriegen europäische Fürsten und ihre Minister in Paris weilten und über Neuordnung Europas und die Wiederherstellung des Ancien régimes verhandelten, also der Königsherrschaft der während der französischen Revolution zwanzig Jahre zuvor abgesetzten Bourbonen. Die Monnaie de Paris war damals „das“ Mekka aller Münztechniker. Hier studierte man neuartige Prägeverfahren und -maschinen, hier konnte man für das eigene Land auch neue Maschinen kaufen. Die hier vorgestellte Medaille mit den antiken Göttinnen Clio (Geschichtsschreibung) und Moneta (Münzkunst) war so beliebt, dass sie mit veränderten Vorderseiten immer wieder neu verwendet wurden. Nach gekrönten Häuptern besichtigten auch andere Persönlichkeiten die Pariser Münze. So hat man Prinzen und Prinzessinnen, Ministern, Militärs und Diplomaten ebenfalls Besuchsmedaillen verehrt.
Clio und Moneta an der Spindelpresse erscheinen erstmals auf einer Medaille, die 1804 mit dem Porträt von Napoleon I. anlässlich der Eröffnung der Pariser Medaillenmünze geprägt wurde. Diese undatierte Ausgabe nennt als Besucherin die Prinzessin von Salerno, eine Tochter von Kaiser Franz I. von Österreich.
Eine Medaille von 1830 in meiner Sammlung erinnert an den Besuch des im gleichen Jahr durch eine Revolution auf den französischen Thron gelangten so genannten Bürgerkönigs Louis Philippe d' Orleans und seiner Familie in der Monnaie de Paris. Üppig mit Porträts und Engeln geschmückt, zeigt die von Jacques-Jean Barre geschaffene Medaille, was Stempelschneider können und wie präzise ihre tiefen Stempelgravuren auf der fertigen Prägung abgebildet werden. Aus der Literatur ist bekannt, dass es bei einem Schlag mit einer monumentalen Spindelpresse nicht blieb. Vielmehr mussten die zur Prägung bestimmten Ronden mehrfach geglüht werden. So hat man das gehärtete Prägemetall wieder weich und geschmeidig gemacht. Auch heute müssen Medaillen mit hohem Relief mehrfach geglüht werden, bis das gewünschte Relief sauber aus dem Metall ragt.
Ich bin stolz auf die 75 mm große Medaille von 1830. Allerdings handelt es sich nicht um das Original von 1830, sondern wie eine kleine Punze am Rand erklärt, um eine von der Monnaie de Paris hergestellte Kopie aus dem Jahre 1977.
Ab und zu werden diese und andere Medaillen im Münzhandel angeboten. Sie bilden ein interessantes Sammelgebiet. Auf den Stücken sind häufig technische Innovationen der Münztechnik dargestellt, aber auch die zugehörigen Gebäude und Maschinen. In seiner Gesamtheit ist dieses Sammelgebiet, so wie ich übersehe, bisher nur unvollständig in Katalogen erfasst.
Helmut Caspar










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