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Aktuelle Diskussion: Steigende Schuldenlast und Gold als Schattenwährung

In Ihrem ersten Böckler Impuls für das laufende Jahr hat die dem Deutschen Gewerkschaftsbund zugehörige Hans-Böckler-Stiftung die steigende Schuldenlast des Bundes zum Thema gemacht. Unter der Schlagzeile Staatsverschuldung könnte massiv steigen, stellt sie die dauerhaft hohen Ausgaben für Verteidigung in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen. Durch höhere Verteidigungsausgaben mittels neuer Kredite drohe der Schuldenstand des deutschen Staates bis zum Jahr 2050 auf knapp 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu steigen. Zu diesem Ergebnis, so heißt es, komme eine Studie des Institutes für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK). Die dortigen Ökonominnen und Ökonomen hätten berechnet, wie groß die Auswirkungen der im Frühjahr 2025 auf Dauer angehobenen Verteidigungsausgaben über Kredite auf die Staatsfinanzen und das Wirtschaftswachstum sein könnten. Das IMK empfiehlt, dauerhaft hohe Verteidigungsausgaben – sofern politisch notwendig und gewünscht – nicht allein über die Aufnahme neuer Schulden zu finanzieren, sondern zu einem erheblichen Teil über Steuern. Lediglich bei zusätzlichen investiven Ausgaben des Staates sollte eine langfristige Schuldenfinanzierung ermöglicht werden – auch über das aktuelle Sondervermögen hinaus. Für eine teilweise Steuerfinanzierung höherer Verteidigungsausgaben sei beispielsweise eine zweckgebundene, einmalige Sonderabgabe auf sehr große Vermögen geeignet.


Bildquelle: Public Domain Pictures


An dieser Stelle drängt sich die Frage auf: Wie problematisch ist die zunehmend hohe Schuldenlast wirklich? Problematisch wird die Staatsschuld immer dann, wenn sie nachhaltig stärker steigt als die Wirtschaftsleistung. Denn wenn die Schuldenaufnahme in der Volkswirtschaft insgesamt stärker zunimmt als die Wirtschaftsleistung, dann steuert die Volkswirtschaft auf den Zustand der Überschuldung zu. Nicht Schulden an sich stellen nämlich eine unerträgliche Belastung für zukünftige Generationen dar, sondern Schulden, die nachhaltig stärker steigen als die Wirtschaftsleistung. Diese Sichtweise hat dazu geführt, dass in Deutschland für die Staatsschuld eine Obergrenze von 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) und für das jährliche Defizit ein Maximalwert von drei Prozent gilt. Die dafür herangezogene Rechnung sieht so aus: Wenn das Bruttoinlandsprodukt 100 beträgt und der Schuldenstand 60, das BIP preisbereinigt um drei Prozent wächst und die Inflationsrate zwei Prozent beträgt, dann steigt die Wirtschaftsleistung in einem Jahr auf 105. 60 Prozent davon sind 63. Der Staat kann also drei Prozent des BIP an neuen Schulden aufnehmen, damit die Schuldenquote bei 60 Prozent bleibt. Doch schon jetzt hält Deutschland mit 65 Prozent diese Quote nicht mehr ein.


Bildquelle: Bundeszentrale für politische Bildung


Ein Verschuldungsniveau, ab dem ein Staat als überschuldet gelten kann, lässt sich pauschal nicht eindeutig angeben. Die japanische Regierung hat unter den entwickelten Industrieländern die höchste Schuldenlast angehäuft. Die Schuldenquote stieg von ca. 63 Prozent im Jahr 1990 auf über 200 Prozent seit 2010 und erreichte 2020 mit rund 258 Prozent einen Höchststand. Auch heute liegt die Quote noch bei über 250 Prozent. Absolut sind das etwa 7,6 Billionen Yen. Dennoch kann die Regierung ihre Anleihen mit einem mageren Renditeversprechen von einem Prozent für ein Jahr problemlos absetzen. Über 90 % der Schulden werden intern gehalten, hauptsächlich von der Bank of Japan und lokalen Fonds. Werden die Anleihen zu großen Teilen im Ausland gehalten und unterliegen einem starken Zinsdruck, kann ein Staat wegen der exponentiell hohen Zinslasten handlungsunfähig werden. Dies ist derzeit eines der Probleme der USA. Amerikanische Staatsanleihen werden vom Ausland sukzessive abgestoßen, der Ertrag wurde teils in der "Schattenwährung" Gold angelegt. Der kleine Goldmarkt war auf eine derart umfangreiche Umschichtung nicht vorbereitet. Der Goldpreis stieg damit massiv an. Auf den fahrenden Zug sprangen dann noch die Spekulanten auf.


Goldene Double Eagles zu 20 Dollars verschiedener Jahrgänge

Bildquelle: Wikimedia, Babel-Stone


Für eine Ausstellung schrieb Fritz Rudolf Künker vom gleichnamigen Handelshaus vor einiger Zeit einen Beitrag über Goldmünzen als Geldanlage. Darin findet sich eine interessante Episode: "In Berlin traf ich einen Sammler, von Beruf Professor für Medizin, der mir sagte, dass er die amerikanischen 20-Dollar-Münzen nach Jahrgängern sammelt (es gibt ca. 80 verschiedene Jahrgänge). Auf meine Frage, wie es denn zu diesem für deutsche Sammler etwas ungewöhnlichen Sammelgebiet gekommen sei, gab er eine Antwort, die mich nachdenklich gemacht hat. In seiner Familie habe es eine Reihe von 20-Dollar-Münzen gegeben, und in der Zeit der größten Not von 1945 bis 1947 habe seine Familie mit einem 20-Dollar-Stück einen Monat überleben können. In dieser Situation war Gold die denkbar beste Anlage, weil damit das Überleben der Familie gesichert wurde." (1) Damit ist der Kern einer Anlage von Bargeld in Gold getroffen. Anders als beim Bargeld besteht bei Gold kein Risiko eines Totalverlustes. Entsteht jedoch eine Spekulationsblase, gilt das Sicherheitsversprechen des Goldes nicht mehr, jedenfalls nicht für den hohen Wert, zu dem es erworben wurde. Kommt es dann zu einem Preissturz, schwindet das Vertrauen in eine vermeintlich sichere Anlageklasse auf breiter Front.


Dietmar Kreutzer


Quellenangabe:

(1) Goldgiganten: Das große Gold in der Münze und Medaille; Berlin 2010, S. 60



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