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Sammlertipps Münzreinigung und Münzpflege


Bei unseren „Sammlertipps Münzreinigung und Münzpflege“ setzen wir unsere Beschäftigung mit Münzmetallen fort. Wir orientieren uns wieder am „Handbuch zur Münzpflege“ (4. Auflage Regenstauf 2015, 13,50 Euro) von Wolfgang J. Mehlhausen.

9.17 Titan (Ti)

Titan ist bisher nur selten als Münzmetall für Medaillen verwendet worden, sein Symbol ist Ti. Es ist aber an sich nicht selten, sondern immerhin das siebthäufige Metall der Erdkruste. Sein Oxid, das weiße Titandioxid, wird zu Anstrichstoffen verarbeitet und befindet sich praktisch so in jeder Wohnung. Doch es ist nur sehr energieaufwendig herzustellen, daher nicht billig, was seinen Gebrauch in der Technik leider einschränkt. Doch heute wird es wegen seines geringen Gewichts von 4,5 g/cm³ sehr vielfältig verwendet, so in der Zahnmedizin als Prothesenmaterial. Hinzu kommt, dass es chemischen Einflüssen gegenüber sehr resistent ist. Sogar Hufeisen für Pferde werden schon aus Titan gefertigt.

Großbritannien, ½ Crown 2000 auf die „Blaue Mauritius“. Ring Gold, Pille Titan.

Foto: WAG online, Auktion 73,321

Es verbindet also hervorragende Eigenschaften: sehr widerstandsfähig und zugleich sehr hart zu sein. Es fand in der Münzprägung bisher keine weite Verbreitung, doch was nicht ist, kann noch kommen: Österreich hat beispielsweise seine 100-Schilling-Millenniumsmünzen als Bimetallstück mit Titaneinsatz geprägt, eine weitere Silber-Titan-Münze „Mobilität“ wurde schon 2001 verausgabt. Von Russland gibt es einige Medaillen aus Titan bzw. mit hohem Titananteil.

Praktische Reinigungsvorschläge für diese modernen Münzen erscheinen nicht erforderlich, da diese ja prägefrisch gleich in die Sammlungen wandern und nie im Umlauf waren.

9.18 Niob (Nb)

Niob ist ein ganz modernes Münzmetall, das Österreichs Prägestätte nach dem großen Erfolg nach den Titan-Silber-Bimetallstücken eingeführt hatte. Benannt wurde das Metall mit dem Symbol Nb nach Niobe, der Tochter des Tantalus. Das selten vorkommende Schwermetall wird aus dem Mineral Niobit gewonnen, es wird im Englischen auch Columbium oder Niobium genannt. Es hat normalerweise eine graue Farbe und ist gut schmied- und beprägbar. An der Luft überzieht es sich nach längerer Zeit mit einer bläulich schimmernden oxidischen Schicht, die man Passivschicht oder Schutzschicht nennt. Diese kann man aber auch ganz gezielt herstellen. Bei der sogenannten anodischen Oxydation wird eine wenige Nanometer dicke Schicht (0,0000001 mm) erzeugt, die je nach Dicke durch Lichtbrechung sogenannte Interferenzfarben erzeugt, die sehr schön aussehen. Die erste Bimetallprägung erschien 2003 auf „700 Jahre Stadt Hall in Tirol“. Man hatte das Niob prächtig blau eingefärbt. 2004 gab es dann die „Semmeringbahn“ mit grüner Niobfarbe und 2005 folgte „50 Jahre Fernsehen“, hier sah das Metall violett aus.

Österreich, 25 Euro 2004 „150 Jahre Semmeringbahn“ mit Niob-Pille.

Foto: Auktionshaus Felzmann, Auktion 163,21973

Eine 500-Tugrik-Münze der Mongolei erschien mit naturfarben aussehendem Metall, das die Farbe des Fells des Schneeleoparden hervorragend wiedergibt. Das Metall wurde nicht behandelt. Hier ist die „Pille“, wie man den Kern der Bimetallmünzen nennt, auch nicht rund, sondern entspricht exakt den Umrissen dieser Großkatze. Auf der Rückseite ist hervorragend der Schatten des Tiers in Niob zu erkennen. Lettlands experimentierfreudige Bank hat ebenfalls eine „Niob-Zeitmünze“ in Österreich prägen lassen. Es gibt aber auch schon reine Niobmünzen.

Wie bei Titan braucht man diese modernen Münzen wohl kaum zu reinigen.

9.19 Tantal (Ta)

Tantal wurde nach Niob ebenfalls zum Münzmetall. Die mit Hilfe Österreichs aufgebaute Prägestätte von Kasachstan in Ust-Kamenogorsk führte diesen Werkstoff bei den Weltraummünzen ein. Ihr Ring besteht aus Silber, doch der Kern besteht aus Tantal, das in der Natur auf der Erde immer mit Niob zusammen vorkommt. Dieses seltene „Übergangsmetall“ sieht graphitgrau aus und wurde 1802 von Gustav Ekeberg im finnischen Columbit entdeckt. Reines Tantal lässt sich stark dehnen, aber kleine Beimengungen an Kohlenstoff oder Wasserstoff machen es spröde, dann lässt es sich schwer verarbeiten. In der Technik wird es für den Bau von Kondensatoren eingesetzt, die weltweite Jahresproduktion beträgt gerade einmal 1400 t. Es ist nicht giftig und wird daher für Prothesen und Knochennägel in der Medizin eingesetzt. Bei „Superlegierungen“, so im Flugzeugtriebwerksbau, setzt man es als Bestandteil ein. Da sich Tantal mit einer ganz dünnen Tantal(5)-Oxid-Schicht überzieht, ist es gegen alle Einwirkungen, selbst von starken Säuren, immun. Die „Weltraummünzen“ aus Kasachstan werden sich also höchstens am Ring verändern, aber die Tantalkerne werden gewiss in 100 Jahren nicht anders aussehen als heute. Sie bedürfen keiner Reinigung und Pflege.

Kasachstan, 500 Tenge 2014 „Raumfähre Buran“, Silberring mit Tantalpille.

Foto: my-webcoins.de

Die Reihe wird fortgesetzt mit „10. Legierungen“