• Michael Kurt Sonntag

Messana: Maultierbiga und springender Hase


Das an der Nordostküste Siziliens an der Meerenge zwischen Sizilien und Italien gelegene Messina ist heute die drittgrößte Stadt Siziliens. Gegründet wurde diese Polis bereits nach der Mitte des 8. Jhs. v. Chr. als Zankle (Name in Quellen) bzw. Dankle (Name auf Münzen). Ob ihre Gründer allerdings die sizilischen Naxier oder die chalkidischen Siedler aus Kyme waren, ist noch nicht restlos geklärt. Klar ist jedoch, dass die Stadt bereits in ihrer Frühzeit bevölkerungsreich und mächtig genug war, um wiederum eigene Kolonien zu gründen – Rhegion auf der gegenüberliegenden italischen Seite und Mylai und Himera auf Sizilien. Nach dem gescheiterten Ionischen Aufstand gegen die Perser (499-493 v. Chr.) zogen auch Siedler aus Miletos und Samos nach Zankle. „Im Jahre 494 v. Chr. nahmen samische und milesische Auswanderer auf Anraten von Anaxilas, dem Tyrannen von Rhegion, das sich unter dem Einflussbereich von Gela befindliche Dankle [Zankle] in ihren Besitz.“ (H. A. Cahn, L. Mildenberg, R. Russo, H. Voegtli: Griechische Münzen aus Großgriechenland und Sizilien. Basel 1988, S. 107) Ein paar Jahre später (um 488/87 v. Chr.) vertrieb jedoch Anaxilas die samischen Machthaber aus Zankle, übernahm die Macht selbst und benannte die Stadt in Anlehnung an die peloponnesische Herkunft seiner Familie in Messene um. Gleichzeitig wanderten viele Messener aus dem Peloponnes in das neue sizilische Messene ein.

Auf den Tetradrachmen, die zwischen 488/87 und 481 v. Chr. geschlagen wurden, erschien nun ein Löwenkopf von vorn, gekoppelt mit einem rückseitigen nach links gewandten Kalbskopf. Münzmotive, die sich mit Ausnahme der Umschrift MESSENION so auch in Rhegion fanden.

Nachdem der Tyrann Anaxilas im Jahre 480 v. Chr. bei der Olympiade im Maultierbigarennen gewonnen hatte, emittierte Messene einen völlig neuen Münztypus für seine Silbermünzen (Tetradrachmen, Didrachmen und Drachmen). Dieser zeigt auf seiner Vorderseite eine im Schritt nach rechts fahrende Maultierbiga, die von einem sitzenden Wagenlenker geführt wird. Auf der Rückseite finden sich ein nach rechts springender Hase und die Umschrift MESSENION ([Münze] der Messenier). Da der Hase im Pankult eine Rolle spielt und der Kult des Hirtengottes Pan mit den Messeniern wohl nach Messene kam, wurde der Feldhase zum Stadtwappen. Eine andere Erklärung für den springenden Hasen liefert der berühmte Aristoteles, der behauptet, der Hase sei eine Anspielung auf den Tyrannen Anaxilas, da dieser die Hasenzucht auf Sizilien eingeführt habe.

Messana (Sizilien), Tetradrachmon (um 425–421 v. Chr.), Silber, 16,98 g, Ø 26 mm, Münzstätte Messana. Quelle: Gorny & Mosch, Auktion 257 (15. Oktober 2018), Los 179

Weil die Zahl der Dorer ab 460 v. Chr. in der Polis deutlich zunahm, wurde die Stadtbezeichnung sprachlich angepasst: Aus dem ionischen Messene wurde das dorische Messana. Und auch die erwähnten Silbermünzen, deren Bildmotive man im Prinzip bis zum Ende des 5. Jhs. v. Chr. hindurch beibehielt, änderten ihre Legende ab etwa 455 v. Chr. in MESSANION. Ab 425 v. Chr. ersetzte man schließlich den sitzenden Maultierbigalenker durch die stehend lenkende Nymphe Messana. Ihr Name findet sich auf einigen der zahlreichen Tetradrachmen auch als Beischrift.

Um die Flotte Messanas unschädlich zu machen, eroberten die Karthager die Stadt (396 v. Chr.), töteten den Großteil der männlichen Bevölkerung und zerstörten ihre Befestigungsanlagen. Zwar wurde Messana wegen seiner großen strategischen Bedeutung ab 395 v. Chr. auf Geheiß von Dionysios I. von Syrakus wieder aufgebaut und mit Siedlern aus Lokris und Mesma bzw. Medma neu besiedelt, doch wurde die Silberprägung hiernach nicht wieder aufgenommen.

Nach Ansicht der Fachwelt bezeugen die umfangreichen Tetradrachmenemissionen Messanas, die zwischen 480 und 408 v. Chr. immer eine Maultierbiga auf der Vorderseite und einen springenden Hasen auf der Rückseite zeigen, Bedeutung und Wohlstand dieser Polis im 5. Jahrhundert v. Chr. Wie variantenreich die Bildmotive dieser Tetradrachmen letztlich dennoch waren, verdeutlicht ein Blick in das Standardwerk von Maria Caccamo Caltabiano: La Monetazione di Messana. Berlin, New York 1993, in dem unzählige Vorder- und Rückseitenstempelvarianten katalogisiert und abgebildet wurden.

Blick auf die Hafeneinfahrt des modernen Messina. Auf der Mole finden sich die Statue der „Madonna della Lettera“ und das Fort San Salvatore. Die lateinische Aufschrift auf der Mauer im Vordergrund VOS ET IPSAM CIVITATEM BENEDICIMUS bedeutet: Euch und die Stadt segnen wir. Quelle: Hajotthu, Wikipedia

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