• Helmut Kahnt

John Law und seine Aktivitäten auf Medaillen


Der im Jahr 1671 im schottischen Edinburgh geborene John Law of Lauriston war der Sohn eines begüterten Goldschmieds und Geldverleihers. Im Urteil der Nachwelt über ihn gingen die Meinungen extrem weit auseinander. Während er von der einen Seite als gewissenlose Spieler- und Spekulantenfigur und politischer Scharlatan angesehen wurde, sah die andere Seite in ihm ein Finanzgenie und einen Sozialreformer.

John Law siedelte nach dem Tod (1688) seines Vaters mit 20 Jahren nach London über, wo er dem Glücksspiel verfiel. In kurzer Zeit war es ihm gelungen, das ererbte Vermögen an den Spieltischen durchzubringen und sich enorm zu verschulden, so daß ihm 1692 der Schuldturm drohte. Diesem Schicksal entging er nur, weil ihm seine Mutter finanziell unter die Arme gegriffen hat. Das befreite ihn zwar nicht von der Spielsucht, doch er spielte danach überlegter, man könnte sagen wissenschaftlicher. Er war mathematisch sehr begabt und hat wahrscheinlich auch das Werk „Wahrscheinlichkeitsrechnung“ von Jakob Bernoulli studiert. Law brachte sich selber bei zu errechnen, wie groß die Wahrscheinlichkeit war, daß eine bestimmte Zahlenfolge gewürfelt oder eine bestimmte Karte ausgeteilt wurde. Damit wurde er ein außerordentlich erfolgreicher Glücksspieler. Seine Glückssträhne wurde allerdings jäh unterbrochen als er im Duell einen persönlichen Feind getötet hatte. John Law, gerade einmal 23 Jahre alt, wurde verhaftet und wegen Mordes angeklagt. in einem Gerichtsverfahren wurde er zum Tode verureilt. Der Richter, er war für seine Käuflichkeit bekannt, und die Geschworenen waren sehr wahrscheinlich von der Familie des Getöteten gekauft worden. Letztlich entging er dem Tod durch Erhängen nur durch die Hilfe einflußreicher Freunde, die die Wachen im Gefängnis bestochen und John Law zur Flucht auf den Kontinent verholfen haben. In den folgenden zwei Jahrzehnten folgte „sein Leben stets einem vertrauten Muster und wurde vom Glücksspiel sowie von riskanten Amouren bestimmt.“ Für mehrere Jahre hielt sich John Law in Amsterdam auf, das damals das wichtigste Geschäfts- und Handeslszentrum Europas war. Besonders interessierte ihn die Geschäftspraxis der 1609 gegründeten Amsterdamer Bank, die dem Land ökonomische Stabilität beschert hatte und den Aufstieg der Niederlande zur führenden Handelsmacht wesentlich beförderte. Die Bank nahm Einlagen in jedweder Münze an, akzeptierte auch Grundbesitz, wog und prüfte die Stücke auf die Edelmetallfeinheit und gab Kreditscheine (Bankgeld) aufgrund des Metallwerts, nicht des Nennwerts, dafür an die Einlieferer. Für dieses Kreditscheine bürgte die Bank und diese wurden deshalb sogar mit Agio gehandelt. John Law erhielt durch die Geschäftspraktiken der Bank wesentliche Anregungen für seine späteren finanzpolitischen Aktivitäten.

Nach 1697 ließ sich John Law in Paris nieder und fand durch sein Geschick im Glücksspiel Eingang in die Kreise des französischen Adels. Zeitgenössischen Berichten nach soll Law bei den Spielabenden nie weniger als zwei Beutel mit Goldmünzen im Wert von 100 000 Livres mit sich geführt haben. Seine Erfolge im Glücksspiel brachten John Law aber auch zahlreiche Neider ein, die er zuvor um viel Geld erleichtert hatte. Mit seiner verheirateten Geliebten Katherine Seigneur setzte er sich deshalb nach Venedig ab. Auch in dieser Stadt beschäftigte sich John Law mit den Geschäftspraktiken der Banco di Rialto und der Banco del Giro.

Nach weiteren Aufenthalten in Schottland, Wien und den Niederlanden schlug nach dem Tod Ludwigs XIV. von Frankreich 1715 die Stunde John Laws. Mit dem nunmehrigrn Regenten Frankreichs, dem Herzog von Orléans, war John Law befreundet. Bei ihm fand seine Idee, die exorbitant hohen Schulden des französischen Staates quasi mit der Druckerpresse zu tilgen, Anklang. So gründete John Law 1716 die Banque Générale, die als erste Bank Frankreichs Papiergeld ausgab, das nur durch das Versprechen des Staates, seinen Verpflichtungen nachzukommen, gedeckt war. Die erfolgreiche Bank im Rücken erlaubte es John Law, 1717 die sogenannte Mississippi-Gesellschaft (Compagnie de la Louisiane ou d'Occident, auch kurz Compagnie d'Occident) zu gründen, deren Zweck es sein sollte, große Goldvorkommen in der größten französischen Kolonie, Louisiana, zu erschließen. Zu diesem Zweck ließ er sich vom Herzog von Orléans Louisiana übereignen und gab Aktien aus, mit deren Hilfe das Geld eingesammelt werden sollte, mit dem man Expeditionen zu den Goldschätzen der Kolonie ausrüsten wollte. In die Aktien wurde dabei das Papiergeld investiert, das er zuvor ausgegeben hatte. Allerdings war das von Anfang an ein windiges Unternehmen, weil niemand wußte, ob es überhaupt Gold in Louisiana gab. Den Anlegern war das egal, sie prügelte sich um die Mississippi-Papiere, sie „stürzten sich auf die Aktien wie die Schweine“, heißt es in zeitgenössischen Berichten.

1718 kaufte die Krone die Banque Générale, die in Banque Royale umbenannt wurde. John Law war auf dem Höhepunkt seiner Macht. Ganz nebenbei hatte er die Konzession für Steuerpachten erworben. Die Mississippi-Gesellschaft besaß das Außenhandelsmonopol für den amerikanischen Kontinent und den Malaiischen Archipel sowie das Monopol auf den Tabak- und Sklavenhandel. 1719 wurde John Law zum Generalkontrolleur der Finanzen (Contrôleur Général des Finances) ernannt. In finanzieller Hinsicht war er damit der Herrscher Frankreichs und gleichzeitig – als Direktor der Mississippi-Kompanie – eines Drittels des nordamerikanischen Kontinents.

Als Direktor der Mississippi-Kompanie fusionierte John Law die Französische Ostindienkompanie mit der Französischen Westindienkompanie und bündelte so alle außereuropäischen Handelsmonopole Frankreichs in einem Konglomerat, dem Fondateur de la Compagnie des Indes (1719). Um die Bedeutung des Papiergelds zu steigern, wurden Edelmetall-Münzen als offizielle Zahlungsmittel durch Papiergeld ersetzt. Die Einführung des Papiergelds verursachte anfangs eine deutliche Belebung der Wirtschaft. Bald aber führte die erheblich gestiegene Geldmenge (sie wurde ohne Wissen von John Law erhöht) des Papiergelds und der allmählich eintretende Vertrauensverlust in die neue künstliche Währung zur Infla­tion.

John Law nahm dem Staat die Schulden ab und verwandelte sie in Aktien der Kompanie. Die Aktien mußten danach an Privatanleger verkauft werden. Durch geschickte „Öffentlichkeitsarbeit“ trieb Law die Kurse der Aktien in immer neue Höhen. Die Spekulation nahm enorme Ausmaße an. Arme Schlucker konnten quasi über Nacht zu Millionären werden – mit Aktien und Papiergeld. Im Park von Vendôme und Hôtel des Soissons mußten 160 Verkaufsstellen für Aktien eingerichtet werden, um die Nachfrage nach Aktien zu befriedigen. Wachen mußten verhindern, daß auch in der Nacht gehandelt wurde. Die Aktien wurden in den Geschäftsräumen der Kompanie in der Rue Quinquempoix gehandelt. Dort spielten sich auf dem Höhepunkt der Hausse unbeschreibliche Szenen ab.

Im Frühjahr 1720 begann aber eine Entwicklung, die John Law nicht erwartet hatte. Die Aktienbesitzer begannen, ihre Papiere zu dem hohen Kurs zu verkaufen (der Kurs für eine 500-Livre-Aktie war auf 10 000, bei Termingeschäften sogar auf 15 000) Livres gestiegen) und die Gewinne in Immobilien oder Wertsachen zu investieren. Das Angebot drückte den Preis

der Aktien und zudem wurde bekannt, daß in Louisiana kein Gold zu finden war. Alle Versuche, den Aktienkurs zu stabilisieren, scheiterten, die „Blase“

platzte. Viele Anleger waren plötzlich nicht mehr reich, sondern ruiniert. Um der Lynchjustiz zu entgehen, mußte John Law im Dezember 1720 Frankreich fluchtartig verlassen.

Deutsche satirische Silbermedaille 1720, unsigniert, auf John Law und den Bankrott der von ihm gegründeten Mississippi-Kompanie. John Law „emittiert“ Aktien aus einem Blasebalg, aus seinem Mund kommen die Worte „WER KAVFT ACTIEN“, Umschrift: WER SICH DVRCH DIESEN WIND DEN GELDGEITZ LAESSET FVHREN, im Abschnitt: SEY KLVG V WITZIG IN VERKEHREN. Auf der Rückseite steht ein Hund auf einer Brücke und schnappt nach dem Schatten eines Bissens, den er im Maul hat und dadurch verliert (bildliche Darstellung einer Fabel von Äsop), Umschrift: DER KAN VERWIRRUNGS VOLL SEIN HAAB VND GVTH VERLIEREN, im Abschnitt: SOLL DICH ESOPI HVND NICHT LEHREN 1720.

Nach dem Zusammenbruch des Papiergeldsystems wurden in Frankreich wieder Silber- und Goldmünzen geprägt, die Idee des Papiergelds war nachhaltig beschädigt. John Law hatte eine rasante, für die Krone Frankreichs aber sehr gewinnbringende Inflation ausgelöst, mit der die französische Staatsschuld um über 60% verringert wurde.

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