Stippvisite: Was ist eigentlich aus der Frankfurter Goldkammer geworden?
- Dietmar Kreutzer

- 23. Feb.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 28. Feb.
Wer heute die einst mit großem Aufwand beworbene Frankfurter Goldkammer besuchen will, steht vor verschlossenen Türen. Fragt man einen Mitarbeiter im benachbarten Ladenlokal der Degussa, heißt es, das Museum sei dauerhaft geschlossen. Was aus den Ausstellungsstücken geworden sei, könne man nicht sagen. Am 25. Mai 2019 hatte das Privatmuseum Goldkammer Frankfurt nach aufwändiger Planung und Realisierung als eines der modernsten Museen Europas seine Türen geöffnet. Betreiber war ein Schwesterunternehmen von Degussa Sonne/Mond Goldhandel. In einer Abfolge spektakulärer, unterirdischer Stollen und Schatzkammern waren auf einer Fläche von 480 Quadratmetern insgesamt 500, thematisch sehr unterschiedlichen Exponate zur Geschichte des Edelmetalls untergebracht. Im Sommer 2023 wurde die Exposition bereits wieder geschlossen. Die Gründe dafür dürften in den Turbulenzen zu finden sein, welchen die Degussa seit 2019 ausgesetzt war.

Die Frankfurter Goldkammer nach der Eröffnung
Bildquelle: Tripadvisor

Leerstand mit Sparlicht im Februar 2026
Foto: Kreutzer
Der Investor und mehrfache Milliardär August von Finck junior (1930-2021) hatte im Jahr 2010 die Namensrechte der Degussa, die 1873 als Scheideanstalt für Gold und Silber gegründet wurde, für den Bereich des Edelmetallhandels erworben. Der Freiherr erwarb damals überdies viele historische Artefakte aus Gold, beispielsweise vor der Küste der USA wiederentdeckte Fundstücke der einstigen spanischen Silberflotte. Im Jahr 2014 erwarb Degussa Sonne/Mond Goldhandel mit den Mitteln des Milliardärs die sogenannte Rothschild Sammlung, eine australische Kollektion aus 1.000 historischen Goldbarren von 145 Herstellern aus 35 Ländern. Die Barren hatten ein Feingewicht von über 230 Kilogramm. Allein ihr Materialwert lag damals bei etwa sieben Millionen Euro. In dieser Zeit reifte auch die Idee zum Aufbau der Goldkammer am Firmensitz der Degussa in Frankfurt. Im Jahr 2015 begann der vier Jahre andauernde Umbau einer spätklassizistischen Villa neben dem Sitz der Firma, der einen zweistelligen Millionenbetrag verschlungen haben soll. In dieser Zeit gaben sich die Geschäftsführer der Degussa die Klinke in die Hand. Trotz all der Probleme konnte die Goldkammer Frankfurt im Mai 2019 endlich eröffnet werden. Im November 2021 starb jedoch August von Finck junior, der Initator all dieser Aktivitäten. Die Erben übernahmen die Geschicke der Firma, namentlich sein Sohn August François von Finck (geb. 1968). Das Museum, das infolge der Corona-Pandemie ohnehin für einige Zeit gänzlich geschlossen war, wurde wegen fehlender Rentabilität wieder aufgegeben.

Ausgestellte Goldmünze des lydischen Königs Krösus
Bildquelle: X, Markus Krall
Dr. Nadja Toumom, von 2017 bis 2021 die Gründungsleiterin des Museums, berichtet auf einer Website rückblickend: "Die Goldkammer widmete sich der Bedeutung des Goldes in der Kulturgeschichte. Neben geologischen, technischen und wirtschaftlichen Aspekten lag der Schwerpunkt des Museums auf herausragenden Goldartefakten aus mitteleuropäischen, mediterranen und altamerikanischen Kulturräumen. Goldobjekte aus Schiffswracks des 16. bis 18. Jahrhunderts beleuchteten die Handelsbeziehungen zwischen Amerika und Europa." Für alle, denen ein Besuch in der kurzen Phase der Zugänglichkeit nicht gelang, hier ein virtueller Rundgang durch die Ausstellung.

Raum mit dem "Gold aus den Meeren"
Bildquelle: Licht Kunst Licht
Nach dem Ticketkauf im Erdgeschoss ging es mit einem Fahrstuhl in ein verwinkeltes Untergeschoss, das einem Bergwerk, einer Grabstätte oder einer Schatzkammer nachempfunden war. Im ersten der sieben Räume, einem nachgebauten Bergwerksstollen, gab es einen geologischen Vorspann zum Thema. Hier konnte man sich über die Entstehung, die Gewinnung und den Abbau von Gold informieren. Als Anschauuungsobjekte dienten ein 4,6 Milliarden Jahre alter Meteoriten aus dem Weltall und ein vier Kilogramm schweres Goldnugget aus Australien. Auf raffiniert beleuchteten Tafeln wurde über die Eigenschaften des Goldes informiert, dass es praktisch unzerstörbar ist und darüber, dass es beileibe nicht nur für Münzen und Schmuck verwendet wird, sondern auch für technische Geräte wie Smartphones. Der zweite Raum thematisiert die Rolle des Goldes in den frühen Kulturen. Skythen, Thraker und Achämeniden schmiedeten goldene Artefakte, die heute gelegentlich als Grabbeigaben wiederentdeckt werden. Im Mitteleuropa der Bronzezeit wurde Gold verwendet, wovon ein massiven Armreif zeugt, der in der Ausstellung zu sehen war. Im dritten Raum ließ sich der Wandel vom Goldstück zu Geldstück nachvollziehen. Mehrere Jahrhunderte vor Christus schuf König Krösus in Lydien eines der ersten Währungssysteme der Welt. Im vierten Raum ging es um "Antike Welten". Gold wurde damals nicht nur als Münzmetall verwendet, sondern auch als Material für Herrscherbildnisse. Ausgestellt war eine Porträtbüste des oströmischen Kaisers Licinius (308-324 u.Z.).

Veranstaltung im Saal der Goldbarren
Bildquelle: pfarré lighting design
Der fünfte Raum trug den Titel „Eldorado“. Hier wurden Goldartefakte der altamerikanischen Völker gezeigt, die dem Edelmetall eine spirituelle Bedeutung beimaßen. Die spanischen Konquistadoren transportierten es ab dem 16. Jahrhundert nach Europa, wo es als Münzmetall verwendet wurde. Im sechsten Raum waren die Überbleibsel dieses Transports ausgestellt: das Gold aus den Meeren. In einer Installation mit viel Licht und Glas waren die Schätze gesunkener Schiffe zu sehen. Der spektakuläre Höhepunkt der Ausstellung wartete im letzten Raum - eine Präsentation von 300 der 1.000 Goldbarren aus der Rothschild-Sammlung, der größten Goldbarren-Sammlung weltweit. Die Barren tragen Stempel aus aller Welt. Sie zeigten die "ewige" Funktion des Goldes als Wertreserve.
Dietmar Kreutzer




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