Silberunzen zum Spottpreis: Der Betrugsfall vom Regensburger Dultplatz
Am 22. August 2026 titelte die Mittelbayerische Zeitung in ihrem Regionalteil: Regensburger entdeckt einen Silberschatz am Dultplatz-Flohmarkt – oder? Und das war die Geschichte dazu: Als Thomas R. im August auf dem Regensburger Flohmarkt unterwegs war, hielt er Ausschau nach Schnäppchen. „Ich sammle Bierkrüge“, sagt R. zur Mittelbayerischen Zeitung. „Aber natürlich auch seltene und wertvolle Dinge, wenn sie günstig sind.“ Als er an den Tisch eines Händlers kam, staunte er nicht schlecht. Der ganze Tisch war voller Silbermünzen – American Eagle, Panda, Kolibri. Es waren alles internationale Anlagemünzen mit einem Silbergewicht von einer Unze. Der Regensburger kennt die Stücke, hat daheim bereits eine kleine Sammlung: „Das ist wie Bargeld“, sagt R. Allein der Metallwert liegt bei über 50 Euro. „Ich habe gefragt, was der Händler für seine Münzen verlangt“, sagte R. zu der Zeitung: „Er sagte, fünf Euro pro Stück.“ Der Regensburger wurde skeptisch und sah sich die Münzen genauer an. Sie sahen aus wie die Originale, die er zu Hause liegen hat. Ein Betrug war somit unwahrscheinlich. Verkaufte der Händler so günstig, weil er vom Wert der Münzen keine Ahnung hatte?

Dultplatz-Flohmarkt in Regensburg
Bildquelle: Arche Nova
Jetzt hieß es handeln: „Ich hatte noch 170 Euro dabei und kaufte dem Mann 32 Stück ab.“ Als Thomas R. etwas später mit frischem Bargeld an den stand zurückkehrte, waren die restlichen Münzen bereits verkauft. Die erworbenen Stücke zeigte er Bekannten. Die staunten: „Gratulation, da hast Du einen echten Schnapper gemacht!“ Thomas R. zeigte die Münzen auch einem Händler in Regensburg: „Der Händler bot mir 54 Euro je Münze an.“ Noch immer etwas unsicher, ging R. zu einem anderen Experten
für Edelmetalle und Münzen. „Ich wollte sie nicht verkaufen. Ich wollte wissen, ob die echt sind oder ob die falsch sind“, sagte der Regensburger. Er legte vier der Münzen vor. Der Mann prüfte die Stücke auf „Herz und Nieren“ und bot dann 200 Euro für alle vier: „Dann habe ich meine Tüte ausgeschüttet mit den Restlichen.“ Noch einmal testete der Händler die Münzen. „Dann sagte er zu mir: Jetzt muss er mal telefonieren.“ Ihm war etwas aufgefallen. Dann kam die Polizei. Die 32 Münzen wurden beschlagnahmt. Der Händler sagte: „Ich habe noch nie so gute Fälschungen gesehen!“

Anlagemünze Britannia (2026)
Bildquelle: ESG Edelmetall-Service

Sicherheitsmerkmal: Prägebild

Sicherheitsmerkmal: Hintergrund

Sicherheitsmerkmal: Mikroschrift

Sicherheitsmerkmal: Tinkturlinien
Der Numismatiker Sebastian Wieschowski schrieb unlängst in einem Beitrag für Focus online, dass infolge des gestiegenen Silberpreises die Fälschung von Anlagemünzen aus Silber stark zugenommen hat: „Immer mehr Käufer tappen in die Falle von Silber-Fälschungen, die mittlerweile so täuschend echt wirken, dass selbst erfahrene Sammler zweimal hinsehen müssen.“ Er weist darauf hin, dass es mehrere Prüfmöglichkeiten gibt. Zur Begutachtung gehört nicht nur eine Prüfung nach Durchmesser und Gewicht, sondern auch auf die Sicherheitsmerkmale, mit denen neuere Prägungen versehen sind. Wieschowski: „Doch das wichtigste Erkennungsmerkmal der modernen Silber-Fälschungen liegt nicht in der Optik, sondern in der Preisgestaltung. Während seriöse Händler immer knapp über dem aktuellen Silberkurs verkaufen müssen – allein schon wegen Transport-, Präge- und Versicherungskosten – tauchen die Fälschungen im Internet meist ein paar Euro unter Spot auf.“ Im vorliegenden Fall lag der Preis deutlich niedriger. Die Frage, warum nur ein Stückpreis von fünf Euro verlangt worden ist, bleibt unbeantwortet. Der Händler, der die Stücke anbot, war nicht mehr ausfindig zu machen.
Dietmar Kreutzer





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