• Michael Kurt Sonntag

Omphale in Numismatik und Kunst


„Herakles und Omphale“ (um 1585). Gemälde von Bartholomäus Spranger. Standort: Kunsthistorisches Museum, Wien. [Bildquelle: Wikimedia Commons].

Folgt man der antiken Mythologie, dann war Omphale die Tochter des Iardanos und die mythische Königin der Lyder, die nach dem Tode ihres Gatten Timolos den Thron bestieg. Nachdem Herakles seinen Gastfreund Iphitos aus Jähzorn getötet hatte, wurde er als Strafe dafür auf den Sklavenmarkt gebracht und dort von der lydischen Königin Omphale gekauft, der er dann als Sklave dienen musste. Dabei kämpfte er erfolgreich gegen Räuber und Eindringlinge und verteidigte seine Herrin, wann immer es erforderlich war. Als Omphale erfuhr, wer ihr Sklave eigentlich war, heiratete sie ihn und bekam zwei Söhne von ihm – Lamos und Agelaos.


Die blinde Liebe zu Omphale und das luxuriöse Leben aber verweichlichten Herakles so sehr, dass er bereit war, alles zu tun, was Omphale von ihm forderte. Er zog Frauenkleider an und sponn Wolle. Im Gegenzug dazu bemächtigte sich Omphale seines Löwenfells und seiner Keule und trug diese ungeniert zur Schau.


„Für die klassisch griechischen Quellen ist der Rollentausch nicht eindeutig belegt. Erst in der römischen Kaiserzeit spielt dessen erotische Dimension, besonders das Motiv der Versklavung durch Liebe eine wichtige Rolle (z. B. bei Ovid und Seneca).“ (Der neue Pauly, Enzyklopädie der Antike, Bd. 8, Sp. 1199).


Phokaia (Ionien), Hekte [1/6 Stater], 387-326 v. Chr., Elektron, 2,57 g, 10,5 mm, Münzstätte Phokaia. [Bildquelle: Nomos AG, Auktion 20 (10. Juli 2020), Los 220].

Als die Zeit der Sühne nach drei Jahren beendet war, erkannte Herakles plötzlich „seine Verblendung“ und verließ die lydische Königin Omphale. Nun mag der Rollentausch in den klassisch griechischen Schriftquellen auch nicht eindeutig belegt sein, in der antiken griechischen Numismatik ist er es schon, zumindest was Omphale angeht. Sehen wir diese doch vorderseitig auf einer Elektronhekte aus dem ionischen Phokaia aus dem 4. vorchristlichen Jahrhundert. Mit anderen Worten, Omphale erscheint dort im Linksprofil mit Löwenskalp über dem Hinterhaupt, Ohrgehänge und geschulterter Keule.


Maionia (Lydien). AE (um 161-180 n. Chr.), Bronze, 3,63 g, 18 mm. Münzstätte Maionia. [Bildquelle: Solidus Numismatik, Premium Auction 13 (25. März 2017), Los 182].

Auch auf Münzen der römischen Kaiserzeit findet sich Omphale mit den Attributen Herakles‘. So zeigt beispielsweise eine pseudo-autonome Bronzeprägung aus Maionia in Lydien auf ihrer Rückseite die nach rechts stehende Omphale mit umgehängtem Löwenfell und geschulterter Keule und nennt die Legende MAIO – NON ([Münze] der Maionier).


Vergegenwärtigt man sich, dass der porträtierte Herakles der Münzvorderseite weder eine geschulterte Keule noch einen Löwenskalp trägt, also keines der für Herakles so typischen Attribute aufweist, dann ließe sich ein Rollentausch auch in diese Darstellung hineininterpretieren, wenngleich weibliche Kleidung und Accessoires in Ermangelung einer Ganzkörperansicht auch völlig fehlen.

Kaiser Hadrian (117-138 n. Chr.), Aureus, um 119-122 n. Chr., Gold, 7,15 g, 19 mm. Münzstätte Rom. [Bildquelle: Roma Numismatics Ltd, Auction 6, Session 2 (29. September 2013), Los 877].

Eine überaus interessante Heraklesdarstellung findet sich allerdings auf einem römischen Aureus des Kaisers Hadrian. Auf diesem sehen wir rückseitig nämlich den sitzenden Herakles, der zwar im Besitz seiner Keule und seines Löwenfells ist, in seiner hochgestreckten Linken aber einen Spinnrocken hält, der ganz klar auf seine Vergangenheit bei der lydischen Königin Omphale hinweist.


Omphale, um 1773-1780, Skulptur aus Sterzinger Marmor von Joseph Anton Weinmüller (1743-1812). Standort: Schlosspark von Schönbrunn, Wien. [Bildquelle: schurl50, Wikimedia Commons].

Was Omphale mit den Attributen des Herakles angeht, so erscheint sie nicht allein auf antiken Münzen, Fresken oder Gemälden des 16. Jahrhunderts, nein sie ist auch noch Thema der Skulpturen des 18. Jahrhunderts, wie das Werk des Bildhauers Joseph Anton Weinmüller eindrucksvoll belegt.



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