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Marie Louise von Habsburg: Die Kaiserin bekommt Parma!

Am 23. Februar 1810 schrieb Napoleon I., Kaiser der Franzosen, an Prinzessin Marie Louise von Habsburg –Lothringen, einen Brief. Die glänzenden Eigenschaften, die ihre Person auszeichneten, hätten in ihm den Wunsch nach einer näheren Verbindung aufkommen lassen:

„Indem Wir Uns an den Kaiser, Ihren Vater, mit der Bitte wenden, Uns das Glück Eurer Kaiserlichen Hoheit anzuvertrauen, können Wir Uns Hoffnung machen, dass Sie die Gefühle annehmen werden, die Uns zu diesem Schritt treiben? Können Wir Uns schmeicheln, dass Sie nicht einzig und allein durch die Gehorsamspflicht Ihren Eltern gegenüber bestimmt werde? Wenn die Empfindungen Eurer Kaiserlichen Hoheit auch nur im Geringsten Unsere Partei ergreifen, dann wollen wir Sie mit so viel Sorgfalt pflegen und bestrebt sein, Ihr so beständig in allem zu gefallen, dass Wir Uns schmeicheln, erfolgreich zu sein und ihr eines Tages angenehm zu werden.“ (1)

Widerstrebend ging die Tochter des österreichischen Kaisers Franz I. auf das Werben von Napoleon ein. Der Hochzeit folgte die Geburt des heiß ersehnten Thronerben Napoleon II. Nach dem Sturz des Kaisers war die Liaison jedoch schnell beendet. Rückblickend schrieb Marie Louise eine Art von Nachruf über die Zeit mit Napoleon.

„Er war der Vater meines Sohnes; weit entfernt, mich schlecht zu behandeln, wie im Allgemeinen angenommen wird, ist er mir mit größter Zuvorkommenheit begegnet: Das ist im Grunde das Einzige, was man von einer politischen Ehe verlangen kann.“ (2)

Marie Louise (1791-1857) als Kaiserin der Franzosen – Bildquelle: Wikimedia, Jarvis.


Nach dem Sturz des Kaisers floh Marie Louise aus Frankreich in ihre alte Heimat. Der Wiener Kongress beschloss, sie für die verlorene Kaiserinnenwürde standesgemäß zu entschädigen. Ihr wurde auf Lebenszeit das verwaiste italienische Herzogtum Parma, Piacenza und Gustalla zugewiesen. Unterwegs dorthin fand sie schon einen neuen Liebhaber, einen Husarenoffizier. Graf Adam Albert von Neipperg war 40 Jahre alt, vierfacher Vater, Witwer und hatte in einer Schlacht das rechte Auge verloren. In einem Gasthaus ließ die 25-jährige Ex-Kaiserin ihre Tür unverschlossen:

„Und es passierte, was schon seit geraumer Zeit zu erwarten war und das Leben Marie Louises grundlegend ändern sollte.“ (3)

Die Historiker ließen zumeist kein gutes Haar an ihr. Sie sei schwach und unselbstständig gewesen. Fürst Metternich habe die Liaison inszeniert. Er habe ihr den Husarengeneral geschickt, um sie zu verführen. Die Mission sei ein voller Erfolg gewesen. Die ehemalige Kaiserin wurde seine Geliebte, gebar ihm mehrere Kinder und heiratete ihn später. Napoleon hörte nie mehr von Marie Louise. Sie verpflichtete sich, alle Briefe, die er ihr schrieb, ungelesen dem Wiener Kabinett auszuliefern. Das Fazit:

„Ihr Herz war nicht schlecht, aber aus so geringem Stoff gemacht, dass es auch der kleinsten Drohung und Verführung nicht standhielt. Sie blieb das, was sie immer gewesen ist, eine Frau, die nicht nein sagen konnte.“ (4)

40 Lire (Parma, 1821, Marie Louise, 900er Gold, 12,9 Gramm, 26 mm – Bildquelle: Jean Elsen & ses Fils, Auction 156, Lot 1735.


Offiziell war Marie Louise in Parma zwar die Herzogin. Faktisch wurden die Regierungsgeschäfte aber von Graf Neipperg geführt. Die Münzen, die ab 1815 mit ihrem Porträt erschienen, sind wie die unter Napoleon ausgegebenen nach französischem Vorbild geprägt. Die Lira war in 20 Soldi bzw. 100 Centisimi geteilt. In Gold erschienen Stücke zu 40 und 20 Lire, in Silber die Wertstufen bis zu fünf Soldi herab. Das Kleingeld zwischen einem und fünf Centisimi war aus Kupfer. Die werthaltigste Goldmünze zu 40 Lire erschien in einer für damalige Verhältnisse ungewöhnlich hohen Auflage von über 250.000 Exemplaren. Wer heute preiswerte historische Goldmünzen sammelt, wird keine Schwierigkeiten haben, ein solches Stück zu erwerben. Die lateinische Umschrift um das nach links gerichtete Porträt der Herzogin besagt, dass Marie Louise auf Lebenszeit Herzogin von Parma, Piacenza und Guastalla sei, außerdem kaiserliche Prinzessin und Erzherzogin von Österreich. Das herzogliche Wappen ist vom konstantinischen Sankt-Georgen-Orden umgeben, der von Marie Louise gestiftet wurde. Die Randschrift der Münze bedeutet: „Herr, leite mich!“ Medailleur war Luigi Manfredini (1171-1840) von der Münzstätte in Mailand. Von den silbernen Fünf-Lire Stücken kamen insgesamt nicht einmal 150.000 Exemplare heraus, von den Ein-Lira-Stücken gar nur 66.000 Exemplare. Für alle wurde das besagte Porträt von Manfredini verwendet.


5 Lire (Parma, 1815, Marie Louise, 900er Silber, 25 Gramm, 37 mm) – Bildquelle: Numismatic Guaranty Company.


Die gemeinsame Regierungszeit der offiziellen Herrscherin Marie Louise und ihres Gemahls währte nicht sonderlich lange. Adam Neipperg starb 1829. Die Herzogin überlebte ihn fast zwanzig Jahre:

„Früh gealtert, starb sie 1847, mit 56 Jahren, an einer Brustfellentzündung, wie man im offiziellen Krankenbericht nachlesen kann.“ (5)

Auf die Nachricht von ihrem Tode fand sich eine große, schweigend trauernde Menschenmenge vor ihrem Palast ein. Karl Ludwig von Bourbon-Parma folgte Marie Louise auf dem Thron. Von ihm und dessen Sohn, der im März 1849 den Thron bestieg, gibt es weder Gold- noch Silbermünzen, nur einige Centisimi aus Kupfer. Die nächsten silbernen Fünf-Lire-Stücke kamen erst im Jahre 1858 unter dem minderjährigen Herzog Robert I. von Bourbon-Parma heraus. Er hatte den Thron im Jahre 1854 unter der Regentschaft seiner Mutter Louise Marie aus der französischen Linie des Hauses Bourbon bestiegen. Infolge der Niederlage der Schutzmacht Österreich im Sardinischen Krieg von 1859 wurde das Herzogtum Parma ein Jahr später dem Königreich Sardinen zugeschlagen.


5 Lire (Parma, 1858, Robert I., 900er Silber, 25 Gramm, 37 mm) – Bildquelle: Numista, Heritage Auctions.


Dietmar Kreutzer


Quellenangaben:

  1. Napoleon wirbt um Marie Louise; in: Weltgeschichte – eine Chronik; München 1988, S. 333.

  2. Corrado Augias: Die Geheimnisse Italiens; München 2015, S. 176.

  3. Ebenda, S. 172.

  4. Friedrich Sieburg, zitiert nach: Geprägtes Gold; Stuttgart 1967, S. 225.

  5. Augias, S. 177.

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