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Digitaler Euro: Ein Kommentar in der Berliner Zeitung

Aktualisiert: vor 23 Stunden

Während Briefmarken oder Ansichtskarten hierzulande kaum noch gesammelt werden, lässt das Interesse an bestimmten Sammler- und Anlagemünzen nicht nach. Dabei weicht der klassische Sammler antiker Stücke allerdings allmählich dem numismatischen Investor, der seiner Entscheidung den Metall- und Seltenheitswert ausgewählter Münzen zugrunde legt. Fragt man nach den Gründen für den Wandel, heißt es, in unsicheren Zeiten wie heute müsste der umsichtige Anleger sein Portfolio diversifizieren. Welche Erwägungen hinter derartigen Aussagen stehen, schildert der Politiker und Unternehmer Marcel Luthe in einem Kommentar für die Berliner Zeitung, der jüngst unter dem Titel Krieg gegen das Bargeld veröffentlicht wurde: Ich bin 1977 geboren. Mein erstes Fünfmarkstück war richtig viel Geld: Man bekam dafür eine Wochentüte Süßigkeiten, eine Currywurst mit Pommes, und es blieb Wechselgeld. Auch im Lebensmittelgroßhandel meines Vaters – ein klassisches Marktgeschäft, also Bargeldgeschäft – wurden Scheine, auch Tausender, gegen Ware getauscht. Dabei lernt man etwas über die Unmittelbarkeit des Geldes und seine Kaufkraft. Was man in Händen hält, ist real.


5 DM (Bundesrepublik Deutschland, 1984, Kupfer-Nickel, 10 Gramm, 29 mm)

Bildquelle: MA-Shops, Münzhandel Andreas Fenzl


Doch nicht nur das Münzgeld verschwindet allmählich, auch die ursprünglich als Versprechen auf echtes Geld gedruckten Banknoten bekommen Seltenheitswert. Das mit der Digitalisierung des Geldes verbundene Misstrauen vieler Bürger gegenüber dem Staat hält Luthe für berechtigt: Der digitale Euro ist Zentralbankgeld wie der Schein, nur ohne dessen Eigenschaften. Wieviel Sie davon halten dürfen, legt eine Behörde fest; man nennt es Haltegrenze. Ob er programmierbar sein wird, entscheidet nicht die Technik – die kann es –, sondern eine politische Zusage, die es lassen will. Die Offline-Variante trägt den schönen Namen „digitales Bargeld“ und wird erst noch entwickelt; vor 2029 rechnet niemand mit ihr. Die EZB verspricht, das neue Geld werde das Bargeld ergänzen, nicht ersetzen. Legen Sie dieses Versprechen zu den anderen dieser Geschichte. Ich unterstelle nicht Missbrauch; ich verweise auf die Geschichte. Was zentral verwaltet wird, ist später veränderbar. Was in Ihrer Hand liegt, nicht.“ Sich der Digitalisierung zu entziehen, ist schlicht unmöglich. Das mit den Veränderungen einhergehende Misstrauen bleibt jedoch. Daher die Diversifizierung von Werten!


Digitaler Euro

Bildquelle: Public Domain Pictures


Das Misstrauen ist keineswegs aus der Luft gegriffen. Es ist durchaus berechtigt: Ein europäisches Vermögensregister, alle Konten, Depots und Immobilien der Bürger in einer Datenbank, gibt es noch nicht; die Kommission hat 2024 schriftlich versprochen, sie plane keines. Wieder ein Versprechen. Beschlossen und gebaut wird nämlich anderes: In Frankfurt arbeitet seit Juli 2025 die europäische Geldwäschebehörde AMLA. Bis 2029 werden die nationalen Kontenregister europaweit vernetzt, mit Zugriff für die Behörden. Und von den Bargeldobergrenzen und Ausweispflichten, die ab dem Sommer 2027 gelten, soll hier noch gar nicht die Rede sein; sie verdienen einen eigenen Beitrag.“ Der Weg zu mehr Aufsicht, Meldung und Erlaubnis ist damit klar vorgezeichnet. Sind die Konten erst vernetzt, wird Geld theoretisch jederzeit entziehbar. Dass damit noch kein Eingriff in die Eigentumsrechte verbunden sein muss, ist unstrittig. Die weltweit massiv ansteigenden Staatsschulden werden in Notzeiten aber wohl den „solidarischen“ Zugriff auf private Vermögenswerte erforderlich machen. Gegen diese Umverteilung setzen sich Sammler und Anleger nun auch numismatisch zu Wehr.


Thomas Rauch

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