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Die Münzen der Schweiz: Gut erforscht und bei Sammlern beliebt

Die Münzen der Schweiz sind gut dokumentiert und finden sich regelmäßig in den Angeboten des Münzhandels. Geistliche und weltliche Herrschaften sowie verschiedene Städte erwarben im Mittelalter das einträgliche und prestigeträchtige Recht der Münzprägung und übten es bis weit in die Neuzeit aus. In Schweiz-Katalogen stehen hinter vielen Stücken vor allem aus der Frühzeit der Eidgenossenschaft die Buchstaben LP für Liebhaberpreis. Er ist die Umschreibung für besonders teure, weil seltene Stücke. Wie das Geldwesen des Römisch-Deutschen Reiches sowie von Italien bietet das der Schweiz ein buntes Bild. Alles, was Rang und Namen hatte, prägten Münzen. Grafen und Barone, Bischöfe und Äbte sowie Städte und Kantone übten das Münzrecht aus. Dafür die Privilegien zu erteilen, war Angelegenheit des Kaisers, der sich sein Entgegenkommen gut bezahlen ließ. In der Schweiz wurden sowohl guthaltige als auch minderwertige Münzen geprägt. Dargestellt sind auf ihnen fürstliche Bildnisse, aber mehr noch die Muttergottes und verschiedene Heilige als Schutzpatrone der Städte und Herrschaften. In neuerer Zeit erscheint Helvetia, die Symbolfigur der Schweiz, und wir finden auf den Münzen neben dem legendären Wilhelm Tell auch Männer mit wehenden Fahnen oder solche auf Pferden reitend.


Laut Spiezer Chronik ist mit der Miniatur oben die Münzstätte der Grafen von Kyburg und Neuenburg im Jahr 1337 gemeint, doch weisen Tracht und Werkzeuge ins späte 15. Jahrhundert.


Das Berliner Münzkabinett zeigt im Bode-Museum ein Glasfenster aus dem Jahr 1565, das auf bunten Bildern Arbeitsgänge in einer Münzstätte des 16. Jahrhunderts demonstriert. Die 22 x 31,5 Zentimeter große Glasmalerei ist dem Schaffhäuser Münzmeisters Wernher Zenkgraff und seiner Frau gewidmet.


Erwähnt sei als weiteres Motiv der legendäre Rütlischwur. Der Gründungslegende der Schweiz zufolge schlossen sich Vertreter von Uri, Schwyz und Unterwalden auf dem Rütli am Vierwaldstättersee gegen die Habsburger Herrschaft und ihren bösen Vogt zusammen. Friedrich Schiller fasste das Ereignis in seinem Schauspiel „Wilhelm Tell“ (2. Aufzug, 2. Szene) mit diesen Worten zusammen: „Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern, / in keiner Not uns trennen und Gefahr. / Wir wollen frei sein, wie die Väter waren, / Eher den Tod, als in der Knechtschaft leben / Wir wollen trauen auf den höchsten Gott / Und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen.“

Die schwäbische Stadt Rottweil schloss 1463 ein Bündnis mit den Schweizer Kantonen, das 1519 im sogenannten Ewigen Bund in Anwesenheit aller Schweizer Partner verlängert wurde. Der Rottweiler Bündnistaler wurde um 1550 von Johann Stampfer geschaffen und schildert den legendären Rütlischwur, der Teil der eidgenössischen Gründungslegende ist.


Nicht immer gibt es verlässliche Nachrichten darüber, wann und wie Fürsten und Städte das Privileg zur Münzprägung erhielten. Offiziell fiel es Basel 1373, Bern um 1228 und Chur in der Mitte 15. Jahrhundert zu. Genannt seien auch Freiburg 1422, Genf 1535, Luzern 1418, Sankt Gallen im frühen 15. Jahrhundert, Schaffhausen 1333, Solothurn 1381, Zug in der Mitte des 16. Jahrhunderts und Zürich 1425, um einige Beispiele für Städte zu nennen, die das Münzrecht erworben haben. Auch geistliche und weltliche Herren traten durch ansehnliche  Emissionen in Erscheinung.


Mit besonders schönen Münzen taten sich Städte und Bistümer der Eidgenossenschaft hervor, hier ein Taler aus Bern von 1501 (oben) und ein Ritter mit Fahne auf einem Vier-Batzen-Stück von 1813 aus dem Kanton Solothurn (unten).


Ein farbiges Blatt aus der Spiezer Bilderchronik des Berner Geschichtsschreibers Diebold Schilling von 1485 für Rudolf von Erlach, Herr des Schlosses Spiez am Thuner See, schildert den Besuch vornehmer Herren in einer mittelalterlichen Münzstätte. Das Blatt aus der 800 Seiten umfassenden Chronik zeigt einen Münzarbeiter beim Strecken der langen, dünnen Metallstreifen (Zaine), aus denen man die Ronden geschnitten oder gestanzt hat. In der Mitte sitzt der Präger am Amboss, während rechts der Münzmeister den Besuchern eine Schüssel mit frisch geprägten Münzen reicht. Ein Schmelzofen und ein mächtiger Blasebalg runden die Szene ab. Laut Chronik ist mit dem Bild die Münzstätte der Grafen von Kyburg und Neuenburg im Jahr 1337 gemeint, doch weisen Tracht und Werkzeuge ins späte 15. Jahrhundert, als man dabei war, auch in der Schweiz von der Groschenprägung auf die weitaus aufwändigere Talerprägung nach Tiroler Vorbild überzugehen.


Das aus einem Haus springende Schaf ist das „redende Wappen“ von Schaffhausen und auf vielen Münzen der Stadt zu finden.


Als vor über einem halben Jahrtausend die ersten Taler geprägt wurden, boten sich Stempelschneidern ungeahnte Entfaltungsmöglichkeiten. Denn auf den bisher gefertigten Groschen und Pfennigen ließen sich kaum Porträts, Reiterfiguren, Heilige, Stadtansichten sowie aufwändige Wappenschilder unterbringen. Das war nun auf den 40 Millimeter und mehr großen Guldengroschen, wie man die Taler anfangs nannte, besser zu bewerkstelligen. Bei ihnen sind manchmal die Übergänge zu einer anderen Novität der damaligen Zeit, den Medaillen, durchaus fließend.


Im Zusammenhang mit den französischen Revolutionskriegen entstanden auf dem Boden der heutigen Schweiz Kantone, die sich wie auf dem Luzerner 40-Batzen-Stück von 1796 klassizistisch zurückhaltend präsentierten.


Der Zusammenschluss von Uri, Schwyz und Unterwalden im Jahr 1291 ist ein beliebtes Thema auf Schweizer Münzen und Medaillen. Dieser Ewige Bund vergrößerte sich im Laufe der Zeit durch Beitritt von Luzern, Zürich, Glarus und Zug. Indem sich ihm am Anfang des 16. Jahrhunderts Basel, Schaffhausen und Appenzell anschlossen, entstand die Eidgenossenschaft der dreizehn Orte. Dieses Bündnis wurde so stark, dass sich die in Wien regierenden Kaiser zu seiner Anerkennung genötigt sahen.  Die fanden sie sich zu Zugeständnissen auch in Religionsfragen nur mit Zähneknirschen bereit. Denn inzwischen hatten im frühen 16. Jahrhundert in der deutschen Schweiz die Thesen der Kirchenreformatoren Calvin und Zwingli Anerkennung gefunden, und es kam zu heftigen, zum Teil blutigen Auseinandersetzungen zwischen ihnen und den Katholiken. Im Zusammenhang mit den französischen Revolutionskriegen entstanden 1798 die Helvetische Republik und 1803 ein Verbund aus souveränen Kantonen. Auf dem Wiener Kongress 1814/15 wurde die Eidgenossenschaft als Staat anerkannt. Sie verpflichtete sich zu dauernder Neutralität und bewahrte diesen Status bis heute.


Text und Fotos: Helmut Caspar

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