Die Geschichte der Telefonmarke am Beispiel Italien: Ein Zahlungsmittel für öffentliche Telefongespräche
- Andreas Raffeiner
- vor 16 Stunden
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Die Telefonmarke war ein bedeutendes Zahlungsmittel in der Geschichte der Telekommunikation, das insbesondere in Europa, Israel, Japan und Südamerika weit verbreitet war. In Italien spielte die Telefonmarke über viele Jahre hinweg eine zentrale Rolle, da sie als einziges Zahlungsmittel für Telefongespräche an öffentlichen Telefonen genutzt wurde. Obwohl sie mit der Einführung modernerer Technologien weitgehend verschwunden ist, bleibt sie ein faszinierendes Relikt aus der Ära der analogen Telekommunikation.

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Bildquelle: Agenzia Nazionale Stampa Associata (ANSA)
Die Anfänge der Telefonmarke in Italien
Die Geschichte der Telefonmarke in Italien begann im Jahr 1927, als die Stipel (Società Telefonica Interregionale Piemontese e Lombarda) die ersten Exemplare der Marken prägte. Dies geschah im Rahmen der Mailänder Messe, wo die Marken erstmals zum Einsatz kamen. Diese ersten Telefonmarken waren aus Alpaka gefertigt, einer Legierung aus Kupfer, Nickel und Zink, oder aus Bronze. Sie konnten jedoch nur innerhalb des Messegeländes verwendet werden, was ihre Nutzung auf diesen begrenzten Raum beschränkte.
Ein wichtiger Schritt in der Entwicklung der Telefonmarke erfolgte 1945, als die TETI (Telecomunicazioni Telefoniche Italiane) die erste universell einsetzbare Telefonmarke einführte. Diese neue Version war mit drei Einkerbungen versehen, was sie für alle öffentlichen Telefone Italiens geeignet machte. Die Änderung erleichterte die Verwendung der Telefonmarke und ermöglichte eine breitere Nutzung, was zu einer weitverbreiteten Akzeptanz führte.
Telefonmarke der Firma TETI aus dem Jahr 1945
Bildquelle: Allnumis
Die Etablierung der Telefonmarke als Zahlungsmittel
Ab 1959 wurden Telefonmarken in ganz Italien eingeführt und waren fortan das gängige Zahlungsmittel für öffentliche Telefongespräche. Die Telefonmarken konnten an Telefonzellen genutzt werden, um Gespräche zu bezahlen, wobei der Wert jeder Marke einem bestimmten Tarif für Telefongespräche entsprach. Die letzten Telefonmarken wurden bis zum 31. Dezember 2001 ausgegeben, was das Ende der Ära der Münzen für Telefonie markierte.
Auch nach 1980, als die Produktion der Marken eingestellt wurde, konnten diese noch bis zum Jahr 2001 gegen Telefonkarten in den sogenannten 187-Geschäften eingetauscht werden. Dieser Übergang trug dazu bei, das System zu modernisieren, und ermöglichte es der Bevölkerung, sich schrittweise an die neuen Zahlungsmethoden anzupassen.
Italienischer Klassiker der Telefonmarken
Bildquelle: Etsy
Die Anpassung der Telefonmarken an wirtschaftliche Veränderungen
Im Laufe der Jahre wurde der Wert der Telefonmarken mehrmals angepasst, um den steigenden Kosten der Telekommunikation gerecht zu werden. Im Jahr 1959 lag der Wert der Marke bei 30 Lire, was den Preis für drei Einheiten des Telefongesprächs abdeckte. Im Jahr 1964 stieg der Wert der Marke auf 45 Lire, und im Jahr 1972 wurde der Preis auf 50 Lire erhöht, um die Inflation und die gestiegenen Kosten für die Nutzung öffentlicher Telefonzellen zu berücksichtigen.
Im Jahr 1980, als die Telekommunikationskosten weiter stiegen, wurde der Wert der Telefonmarke auf 100 Lire erhöht, und 1984 erreichte der Wert schließlich 200 Lire. Dieser Preis von 200 Lire war besonders signifikant, da zu dieser Zeit der Tarif für eine Telefonauslösung im Festnetz bei 127 Lire lag. Die Telefonmarke mit einem Wert von 200 Lire deckte somit etwa 1,5 Telefonauslösungen ab. Diese Anpassung des Wertes spiegelt die Veränderungen der Telekommunikationskosten wider und ermöglichte es, die Marken weiterhin als effizientes Zahlungsmittel zu nutzen.
Der Niedergang der Telefonmarke und die Einführung neuer Technologien
Mit dem Aufkommen von Münztelefonen und später der Verbreitung von öffentlichen Telefonen, die mit Telefonkarten funktionierten, begann die Nutzung der traditionellen Telefonmarken langsam zurückzugehen. In den 1990er Jahren, als moderne Technologien und Telefonkarten immer populärer wurden, verschwand die Notwendigkeit für Telefonmarken aus dem öffentlichen Raum. Schließlich wurde die Prägung der Marken im Jahr 1980 eingestellt, und sie wurden ab dem 31. Dezember 2001 aus dem Umlauf genommen, als ihre Nutzung als Zahlungsmittel nicht mehr erforderlich war. Diese Veränderung markiert das Ende einer Ära der analogen Telekommunikation, in der die Telefonmarken eine wichtige Rolle spielten.
Trotz ihres Verschwindens sind Telefonmarken heute bei Sammlern sehr gefragt und gelten als interessante Relikte der Telekommunikationsgeschichte. Sie erinnern an eine Zeit, in der öffentliche Telefonzellen die Hauptquelle für Fernkommunikation darstellten und die Bezahlung der Gespräche auf einfache, physische Zahlungsmethoden wie die Telefonmarke angewiesen war.

Entschlüsselung der Kürzel auf den Marken
Bildquelle: NUMIS_FESTA
Die Hersteller und Produktion der Telefonmarken
Die Produktion der Telefonmarken wurde im Laufe der Jahre von mehreren Unternehmen übernommen, die für die Herstellung und Verbreitung der Marken verantwortlich waren. Zu den wichtigsten Herstellern gehörten E.S.M. (Emilio Senesi Medaglie) aus Mailand, die von 1927 bis 1959 die exklusiven Rechte zur Produktion von Telefonmarken besaßen. Danach übernahmen Unternehmen wie I.P.M. (Industria Politecnica Meridionale) aus Arzano bei Neapel und U.T. (Urmet) aus Turin die Produktion. Diese Firmen sorgten dafür, dass Telefonmarken in Italien in großer Stückzahl produziert wurden und die Nutzung in allen öffentlichen Telefonen des Landes ermöglicht wurde.
Die Telefonmarken als kulturelles Erbe
Obwohl Telefonmarken heutzutage nicht mehr verwendet werden, sind sie ein bedeutendes kulturelles Erbe, das die Entwicklung der Telekommunikation und die Geschichte der öffentlichen Kommunikationstechnologien widerspiegelt. Die Telefonmarken erinnern an eine Zeit, als der Zugang zur Fernkommunikation teurer und komplexer war und die Nutzung öffentlicher Telefone stark reglementiert wurde. Sie sind heute nicht nur ein faszinierendes Sammlerstück, sondern auch ein Symbol für den Wandel von der analogen zur digitalen Kommunikationswelt.
Die Telefonmarke bleibt somit ein nostalgisches Relikt einer vergangenen Ära, die den Weg für die heutigen modernen Kommunikationssysteme ebnete. In der Erinnerung an ihre Nutzung lebt ein Stück technischer Geschichte weiter, das die Entwicklung der Kommunikationstechnologie in Italien und weltweit dokumentiert. Außerdem sind einige dieser Telefonmarken unter Sammlern bis zu 3.000 Euro wert, manche sogar ein Vielfaches.
Andreas Raffeiner
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