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Das Goldverbot von Franklin D. Roosevelt

Am 8. November 1932 errang Franklin D. Roosevelt einen überwältigenden Sieg bei den US-Präsidentschaftswahlen über den bisherigen Präsidenten Herbert Hoover. Mitten in der Weltwirtschaftskrise war damit ein Politikwechsel zum sogenannten New Deal verbunden, der eine Abwertung des Dollars und ein großes Konjunkturprogramm beinhaltete:

„Sein Sieg war gleichbedeutend mit einem Sieg der Schuldner über die Gläubiger, der Farmer über die Finanzwelt, der Inflation über die Sparpolitik.“ (1)

US-Präsident Franklin D. Roosevelt (1882-1945) im Jahr 1933 – Bildquelle: Wikimedia, U.S. Government.


Nach der amerikanischen Verfassung konnte der neugewählte Präsident sein Amt aber erst am 4. März 1933 antreten. Die Vereinigten Staaten hatten nun gleichzeitig einen amtierenden Präsidenten, der den Dollar konsolidieren und einen zukünftigen Präsidenten, der den Wert des Dollars und dessen Goldbindung in Frage stellte. Dies bewirkte eine allgemeine Panik. Dollarnoten wurden hastig in Gold umgetauscht, eine Pleitewelle überzog das Land, die Zahl der Arbeitslosen stieg auf vierzehn Millionen. Nachdem der neue Präsident vor den Menschenmassen auf dem Platz vor dem Kapitol seinen Amtseid auf die Bibel abgelegt hatte, ging er daran, sein Konjunkturprogramm in die Tat umzusetzen. Das in den Tresoren der Federal Reserve befindliche Gold reichte jedoch nicht aus, um die Geldmenge im gewünschten Maße ausweiten zu können. Das Gesetz verpflichtete die Federal Reserve, Gold in Höhe von 40 Prozent des Wertes der von ihr ausgegebenen Währung zu halten und jederzeit zum amtlichen Festpreis in Goldmünzen umzutauschen. Am 5. März 1933 ordnete Roosevelt eine Verlängerung der Bankfeiertage an, ein Goldausfuhrverbot und Beschränkungen für den Devisenhandel.


Executive Order 6102 des Präsidenten vom 5. April 1933 – Bildquelle: Wikimedia, U.S. Government Printing Office.


Am 9. März 1933 verabschiedete die Regierung dann den Emergency Banking Act, der den Präsidenten mit Sonderbefugnissen ausstattete. Ihm wurde erlaubt, die Goldreserven zu sichern sowie Mittel zur Bankenrettung bereitzustellen. Damit wollte Roosevelt das Vertrauen in das Finanzsystem wiederherstellen. An öffentliche Stellen und Private erging ein Aufruf, innerhalb der nächsten Wochen alles irgendwie verfügbare Gold abzuliefern. Es sollte bei der Federal Reserve eingelagert werden. Damit sollte die staatlich festgelegte Golddeckung des Dollars gesichert werden und das zusätzliche Geld für das Konjunkturprogramm bereitgestellt werden. Nicht nur Gold aus öffentliche Beständen wurde daraufhin an die Federal Reserve Bank abgeliefert. Auch Privatleute beteiligten sich an der Aktion:

„Sie kamen mit kleinen Taschen, Aktentaschen, Papierbündeln, Schachteln oder prallen Taschen. Viele hatten nur ein paar Münzen, während andere Taschen mit Tausenden von Double Eagles dabei hatten.“ (2)

All diese Menschen wollten einen Beitrag zur Gesundung der Wirtschaft leisten. Im Tausch für das abgegebene Gold erhielten Sie den Nennwert in Banknoten ausgezahlt. Innerhalb einer Woche gelang es, die Goldvorräte der Federal Reserve um 300 Millionen Dollar aufzustocken. Am 20. März 1933 war die Goldmenge dann auf 400 Millionen Dollar angewachsen. Patriotische Frauenclubs organisierten den Ankauf von Altgold, darunter Schmuck, Schmuckstücke, alte Brillengestelle, Anstecker und sogar Goldzähne. Auf diese Weise nahm jeder dieser Vereine Gold im Wert von einigen hundert Dollars ein.


20 Dollars (Double Eagle, letzter regulärer Jahrgang, 1932, 900er Gold, 33,4 Gramm, 34 mm) – Bildquelle: Numismatic Guaranty Company.


Doch das Ergebnis der Sammelaktionen erwies sich als unzureichend.  Am 5. April 1933 unterzeichnete der Präsident die Executive Order 6102, wonach der private Goldbesitz ab dem 1. Mai 1933 in den USA verboten wurde:

„Kraft der mir übertragenen Vollmacht aus Abschnitt 5 (b) des Gesetzes vom 6. Oktober 1917, geändert durch Abschnitt 2 des Gesetzes vom 9. März 1933 mit dem Titel ‚Maßnahmen zur Bekämpfung des Notstandes bei Banken und für andere Zwecke‘, in denen der Kongress einen ernsthaften Notstand erklärte, verkünde ich, Franklin D. Roosevelt, als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, dass der nationale Notstand nach wie vor existiert und entsprechend der Verordnung tritt damit das Verbot des Hortens von Goldmünzen, Goldbarren und Goldzertifikaten durch Personen, Gesellschaften, Vereinigungen und Firmen innerhalb der kontinentalen Vereinigten Staaten in Kraft.“ (3)

Auf der Grundlage dieses Gesetzes musste privates Gold in Form von Münzen, Barren und Zertifikaten innerhalb von 14 Tagen zum aktuellen Goldpreis bei staatlichen Annahmestellen abgegeben werden. Gold, das für Industrie, Kunst oder Handwerk benötigt wurde, sowie Goldmünzen und -zertifikate im Wert bis 100 US-Dollar waren vom Gesetz nicht erfasst. Das Verbot erstreckte sich nur auf Bestände im Inland. Verstöße konnten mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren oder einer Geldstrafe bis zu 10.000 US-Dollar geahndet werden. In Banktresoren verstecktes Gold konnte enteignet werden. Dennoch lieferte nur ein Teil der Bevölkerung das private Gold ab, schätzungsweise ein Drittel.


10 Dollars (Eagle, letzter regulärer Jahrgang, 1932, 900er Gold, 16,7 Gramm, 27 mm) – Bildquelle: Stacks-Bowers Numismatics, Coinappraiser.


In Absatz 2 des Gesetzes war übrigens auch eine  Ausnahme für Sammler enthalten. Der Wortlaut:

„Alle Personen sind hiermit verpflichtet, am oder vor dem 1. Mai 1933 alle Goldmünzen, Goldbarren und Goldzertifikate, die sich derzeit in ihrem Besitz befinden oder am oder vor dem 28. April 1933 in ihren Besitz übergegangen sind, an eine Federal Reserve Bank, eine ihrer Zweigstellen oder eine ihrer Vertretungen oder an eine Mitgliedsbank des Federal Reserve Systems zu liefern, mit Ausnahme von (…) Goldmünzen, die einen anerkannten besonderen Wert für Sammler seltener und ungewöhnlicher Münzen haben.“ (4)

Für die Ausnahme hatte William Hartman Woodin gesorgt, der Finanzminister. Woodin war selbst ein renommierter Numismatiker, hatte mehr als zwanzig Jahre zuvor eine der schönsten Sammlungen von Goldmünzen der Vereinigten Staaten zusammengetragen. Es war daher keine Überraschung, dass sich Woodin für Münzsammler einsetzte.


Finanzminister William Hartman Woodin (1868-1934) - Bildquelle: Wikimedia, Time.


Dietmar Kreutzer


Quellenangaben:

  1. René Sedillot: Muscheln, Münzen und Papier – Die Geschichte des Geldes; Frankfurt/Main 1992, S. 285).

  2. David Tripp: Illegal Tender – Gold, Greed, and the Mystery of the Lost 1933 Double Eagle; New York 2004, S. 40.

  3. https://americanliterature.com/history/franklin-d-roosevelt/legislative/executive-order-6102.

  4. Ebenda.

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