Amerikanische Münzkunde auf Wikipedia
- Dietmar Kreutzer

- vor 11 Minuten
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Im Sommer 2026 wird in den Vereinigten Staaten der 250. Jahrestag der Unabhängigkeit gefeiert. Wer sich anhand von aktueller deutschsprachiger Literatur über die Geschichte des Dollars informieren möchte, wird allerdings enttäuscht sein. Unter den Quellen des Wikipedia-Beitrags zum US-Dollar rangiert das Buch Der Dollar von Anton Zischka an der Spitze, das im Jahr 1986 erschien. Darin geht es allerdings weniger um die Zahlungsmittel selbst, denn keines der zwölf Kapitel beschäftigt sich explizit mit Münzen. Laut Untertitel geht es um Glanz und Elend einer Währung. Im Klappentext heißt es: "Die spannende und immer wieder überraschende Geschichte der mächtigsten Währung der Welt erzählt der bekannte Sachbuchautor Anton Zischka erstmals in seinem jüngsten Werk. Vor ihm hat das noch nie jemand in dieser umfassenden Form, ausgehend vom Jahr 1785 bis in die Gegenwart hinein, getan. Und er wagt eine Perspektive, die eine nicht gerade rosige Zukunft voraussieht für die derzeit mächtigste Währung der Welt." Vierzig Jahre nach Erscheinen des Buches ist der Abstieg der Leitwährung Dollar noch immer ein Thema, befeuert durch den gigantischen Schuldenberg der USA und die Wirtschafts- und Zollpolitik des aktuellen Präsidenten Donald J. Trump.

Quarter Eagle (Medailleur: Bela Pratt, USA, 1908, 900er Gold, 4,2 Gramm, 18 mm)
Bildquelle: Wikimedia, National Numismatic Collection
Wer sich für die Münzgeschichte der Vereinigten Staaten interessiert, muss auf fremdsprachige Literatur zurückgreifen oder sich über die einzelnen Objekte in Münzkatalogen informieren. Dort stehen allerdings nur ein paar dürre Zeilen über Wertbezeichnung, Prägejahr, Gewicht, Durchmesser und Münzstätten. Die Lücke lässt sich mit den überraschend umfangreichen, englischsprachigen Artikeln über bestimmte Münzsorten und einzelne Ausgaben auf Wikipedia füllen. Gibt man in der Suchfunktion beispielsweise Indian Head gold pieces ein, wird ausführlich und kompetent über die Geschichte der ungewöhnlichen Goldmünzen berichtet. Mit der automatischen Übersetzungsfunktion lässt sich der Beitrag überdies bequem auf Deutsch lesen. Am Fuß des Beitrag gibt es in der Regel drei Verweise auf weitere derartige Artikel, beispielsweise auf den Mercury Dime, den Walking Liberty half dollar oder den Flying Eagle cent. Wer die unzähligen Beiträge liest, wird schnell ein Experte!
Die Geschichte der mit ihrem vertieften Motiv sehr ungewöhnlichen Goldmünzen vom Typ Indian Head erwacht anhand von Zitaten sogar zum Leben. Etwa in den Erinnerungen von Münzdirektor Frank Leach aus dem Jahr 1917: "Ursprünglich war geplant, die 5-Dollar- und 2,50-Dollar-Münzen mit demselben Motiv zu versehen wie die Double Eagles (20 Dollar), doch bevor dies endgültig beschlossen wurde, lud mich Präsident Roosevelt zu einem Mittagessen im Weißen Haus ein. Sein Ziel war es, mich mit Dr. William Sturgis Bigelow aus Boston bekannt zu machen, einem Kunstliebhaber und Freund des Präsidenten, der großes Interesse an dem Vorhaben zur Verbesserung des Aussehens amerikanischer Münzen zeigte und der einen neuen Entwurf für die kleineren Goldmünzen hatte. Er vertrat die Ansicht, dass die wirtschaftlichen Bedürfnisse des Landes Münzen erforderten, die sich gleichmäßig „stapeln“ ließen, und dass es wünschenswert sei, die flache Oberfläche der Münze so weit wie möglich zu erhalten. Eine Münze, bei der die Linien des Entwurfs, die Figuren und die Buchstaben vertieft oder eingraviert statt erhaben oder reliefartig waren, würde daher den Wünschen der Bankiers und Geschäftsleute entsprechen und gleichzeitig eine Neuheit in der Münzprägung einführen, die sowohl künstlerisch als auch an die Bedürfnisse der Wirtschaft anpassbar war."
Dietmar Kreutzer




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