Alte Kunst und neue Ideen: Werkstattbesuch beim Berliner Graveurmeister Bodo Broschat
- Helmut Caspar

- 23. März
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 31. März
Wir alle tragen Arbeiten des Berliner Graveurmeisters und Gestalters von Kursmünzen, Bodo Broschat, im Portemonnaie, und auch etliche der von ihm gestalteten Gedenkmünzen und Medaillen liegen in unseren Sammlungen. Wie der im Berliner Bezirk Köpenick lebende Künstler arbeitet, welche Erfahrungen er mit künstlerischen Wettbewerben gemacht hat und welche Pläne er hat, war Gegenstand eines Werkstattbesuchs bei ihm. Wohnbereich und Werkstatt bilden im Haus am Rande der Stadt eine Einheit. Überall sieht man Entwurfszeichnungen, Gipsmodelle sowie Werkzeuge zur Herstellung der Patrizen. Sie schneidet Broschat mit feinsten Sticheln aus dem Stahlpfropfen, um sie in einem Nebengebäude in weiteren Arbeitsgängen zu härten und auf den eigentlichen Prägestempel abzusenken, wo sie vertieft und seitenverkehrt erscheinen.

Bodo Broschat bewahrt bis heute das Modell und eine Medaille auf, die er 1977 als Gesellenstück im damaligen VEB Münze der DDR geschaffen hat. Der seit 1750 mit dem A zeichnenden Prägeanstalt blieb er auch als Freiberufler verbunden. Sein ganzer Stolz ist die historische Spindelpresse, die er vor langer Zeit aus dem Schrott gerettet hat.

Die Stempel der Münzen und Medaillen liegen griffbereit an seinem Arbeitsplatz.
Bodo Broschat hat seinen Beruf von der Pike auf gelernt. Er absolvierte von 1975 bis 1977 im damaligen VEB Münze der DDR am Berliner Molkenmarkt seine Lehre und war danach an der Herstellung von Prägewerkzeugen aller Art beteiligt. Eigentlich wollte er Tierarzt werden. Da das nicht geklappt hat, wandte er sich dem altehrwürdigen Graveurhandwerk zu und hat bis heute damit viel Erfolg. Die Liste seiner Münzen und Medaillen ist lang. Etwa 20 Kurs- und Gedenkmünzen hat er geschaffen, dazu zahlreiche Medaillen für verschiedene Auftraggeber. Unter ihnen sind die Firma MDM-Deutsche Münze in Braunschweig, die Numismatische Gesellschaft zu Berlin, die Staatlichen deutschen Münzen und die Alte Münze Stolberg/Harz.

Die Reduziermaschine überträgt mehrere Stunden lang die Konturen eines Modells auf den Stahlstempel, der dann in einem weiteren Arbeitsgang durch Gravur seinen „letzten Schliff“ bekommt.
Von vielen Arbeiten besitzt Broschat die Modelle und Stempel. Er zeichnet die Entwürfe in Abstimmung mit seinen Auftraggebern, fertigt die vergrößerten Gipsmodelle und von ihnen Abgüsse aus Hartplastik an. Diese spannt er in seine Reduziermaschine, die die Konturen in einem ziemlich langwierigen Verfahren auf den viel kleineren Stahlstempel überträgt. Die so gewonnene Patrize muss anschließend mit Graviersticheln überarbeitet werden. Danach wird sie auf einer hydraulischen Presse mit einem Druck bis 600 Tonnen in den eigentlichen Prägestempel abgesenkt. Auch dieser muss noch nachgearbeitet werden, bis das vertiefte Münz- oder Medaillenbild perfekt geraten ist und bei ihm oder im Falle der Münzen in den Geldfabriken ausgeprägt werden kann.

Das Werk des Bildhauers Johann Gottfried Schadow hat es Bodo Broschat besonders angetan. Zum Internationalen Münztechnikerkongress 1997 in Berlin schuf er eine Medaille mit der Ansicht des um 1800 von diesem Meister geschaffenen Münzfrieses, der das Hauptgebäude der Prägeanstalt am Berliner Molkenmarkt. Auf der Rückseite ist eine dort lange Zeit eingesetzte Kniehebelpresse zu erkennen.

Die Gedenkmünze von 2014 zu zehn Euro ist mit Schadows Bildnis und Motiven aus seinem Werk geschmückt.
Münz- und Medaillenstempel herzustellen, ist eine schwierige, für Broschat aber auch sehr schöne und kreative Arbeit, die gute Augen und eine sichere Hand erfordert. An zahlreichen Wettbewerben hat er sich schon beteiligt, aus manchen ging er mit ersten Preisen hervor, aus manchen aber auch mit hinteren Plätzen. „Man muss sich genau an die Vorgaben der Jury halten, kann sie aber nach eigenen Vorstellungen auslegen. Wichtig ist, die Harmonie vor Bild- und Adlerseite zu beachten, aber auch mutig bei der Vorlage von Entwürfen außerhalb des Üblichen zu sein. Ich versuche eine Münze oder Medaille so zu gestalten, dass sie Lust auf mehr Information zum Thema weckt. Auch auf den zweiten Blick soll es noch Neues zu entdecken geben. Wenn eine Münze oder Medaille nach meinem Entwurf geprägt wird und ich sie in der Hand habe, ist das ein unbeschreibliches Gefühl und schöner Lohn für meine Arbeit“, sagt der Graveurmeister.
Der Heilige Eligius und Münzfreunde im Berliner Münzkabinett schmücken die von Broschat geschaffene Medaille, die die Numismatische Gesellschaft zu Berlin 2018 zu ihrem 175jährigen Bestehen herausgebracht hat.

Um die Medaille mit ungewöhnlich hohem Relief zum Internationalen Numismatischen Kongress 2027 in Frankfurt am Main präzise zu prägen, müssen sie je nach Größe bis achtmal gestoßen und geglüht werden.
Wer nun denkt, dass eine Medaille mit hohem Relief mit einem einzelnen „Hub“ fertig geprägt ist, irrt gewaltig. „Das Metall verdichtet sich beim Prägen, weshalb es mehrfach erhitzt werden muss. Je nach Art des Metalls wird die Prozedur bis zu achtmal wiederholt, damit kleinste Details exakt wiedergegeben werden“, sagt Broschat. Wichtig sei, die Ronden sowie die beiden Stempel stets in die richtige Position zu bringen, um Doppelschläge zu vermeiden. Im Gespräch zeigt er mir sein Gesellenstück mit einem Wappen und einer Inschrift von 1979, sowie weitere Medaillen und Münzen, die er nach eigenen Entwürfen oder fremden Modellen geschaffen hat.

Bodo Broschat besitzt eine Sammlung seiner Belegstücke, ebenso reichlich ist bei ihm kunstgeschichtliche und numismatische Literatur vorhanden, die ihm als Anregung für eigene Entwürfe dient. Mit einigen Zwei-Euro-Stücken aus eigener Produktion wie Schloss Charlottenburg und Bundeskanzler Helmut Schmidt können wir auch im Laden einkaufen.

Bodo Broschats Gedenkmünzen mit den Bildnissen des Chemikers Justus von Liebig und der Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner liegen in zahlreichen Münzsammlungen.
Zeichnen, modellieren, gießen, gravieren und prägen – das alles sowie Motive aus München hat Bodo Broschat in genialer Weise auf der prächtigen Medaille zum XXXVIII. Kongress der Internationalen Föderation der Medaillenkunst (FIDEM) verewigt, der 2025 unter dem Motto „Unsere Mythen – unsere Wurzeln“ in der bayerischen Landeshauptstadt München stattfand.
Text und Fotos: Helmut Caspar












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