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Adler als Papagei gedeutet: Preußische Kuriositäten sind bei Sammlern sehr beliebt

Münzensammler lieben alles, was irgendwie aus der Norm fällt. Entsprechenden Stücken sind viel Aufmerksamkeit und stolze Preise sicher. Eine an numismatischen Raritäten, Sonderlingen und Kuriositäten reiche Sammlung wurde 1926 in Frankfurt am Main von der Münzhandlung Leo Hamburger versteigert. Der Berliner Sammler William F. Hahlo hatte eine umfangreiche Kollektion von Münzen zusammengetragen, die mit Fehlern und Unstimmigkeiten aller Art behaftet sind. Das Vorwort zum Katalog umreißt ihre Besonderheit so: „Probemünzen und Abschläge sind keineswegs einander ausschließende Begriffe, und auch Stempelfehler wie Verprägungen stehen zu ,Proben’ in gewissen Beziehungen, wenigstens soweit es sich um Ueberschneidungen, z. B. Titeländerungen, oder um Abänderungen von Jahreszahlen  handelt.“


Das Münzkabinett zeigt im Bode-Museum auf der Berliner Museumsinsel einen von Friedrich II. als „unschicklich“ verworfenen Taler aus dem Jahr 1755 und andere numismatische Kostbarkeiten.


Aus der preußischen Münzgeschichte ist überliefert, das König Friedrich II., der Große, beim Anblick eines Berliner Talers aus dem Jahr 1755 das gekrönte Brustbild als „zu steif“ bemängelt habe. Deshalb wurde diese Münze bis auf drei Stück eingeschmolzen und avancierte damit zu einer der seltensten und teuersten preußischen Münzen des 18. Jahrhunderts. Nach dem Tod des Königs wurden 1787 gefälligkeitshalber für Sammler noch einmal 16 Stück von den alten Stempeln nachgeprägt. Im Unterschied zu den Originalen mit dem Laubrand besitzen die Nachprägungen einen Kerbrand. Selbst als Nachprägungen erzielen diese Stücke exorbitante Preise.

Eine besondere Rarität der in dieser Hinsicht nicht armen brandenburgisch-preußischen Münzgeschichte sind die unter Friedrich II. für den Handel mit China bestimmten geprägten so genannten Chinapiaster.


Um 1751 ließ der König von Preußen in Aurich einen seiner schönsten Taler prägen. Zu seinem Bildnis auf der Vorderseite flankieren auf der Rückseite ein „wilder Mann“ mit Keule und ein Chinese mit einer Stoffrolle im Arm ein Wappenschild mit einem Segelschiff darin und darüber mit dem preußischen Adler. Die Buchstaben unter dem Schiff KPACVE bedeuten Königlich Preußisch-Asiatische Compagnie von Emden. Die Devise auf dem Schriftband auf der Rückseite war Programm, denn in der Tat brauchte man großes Vertrauen in göttlichen Beistand und die eigenen Fähigkeiten, um sich auf den Handel mit dem Fernen Osten einzulassen, der allein schon wegen der großen Entfernung risikoreich war und außerdem durch andere Staaten besetzt war. Die Chinapiaster blieben eine zwar schöne, aber dennoch singuläre Erscheinung in der preußischen Münzgeschichte des 18. Jahrhunderts und werden, wenn sie im Münzhandel angeboten werden, sehr gut bezahlt.

Mit dem numismatischen Geburtstagsgeschenk an dem Minister Graf von Hoym handelten sich Beamte der Breslauer Münze 1781 einigen Ärger ein.


Ärger handelten sich 1781 der Breslauer Münzdirektor Karl Gotthelf Lessing ein, ein Bruder des Dichters, sowie die Münzunternehmer Daniel Itzig und Hirsch Simon, als sie ihrem Chef, dem schlesischen Provinzialminister Graf Karl Georg Heinrich von Hoym, ein numismatisches Geburtstagsgeschenk machten. Sie ließen in die Rückseitenstempel für das goldene Fünf-Taler-Stück (Friedrichs’dor) sowie Taler und Drei-Kreuzer-Münzen das Datum des Geburtstags ihres Vorgesetzten „D. 20. AUGUST“ eingravieren. Als die Eigenmächtigkeit der Generalmünzdirektion in Berlin bekannt wurde, setzte es einen amtlichen Rüffel. Den Initiatoren des numismatischen Unfugs wurde befohlen, die auf Vorrat geprägten Münzen einzusammeln und zu vernichten. Lessing entschuldigte sich bei seinem Vorgesetzten, Generalmünzdirektor Johann Friedrich Gentz, und räumte ein, er sei der Meinung gewesen, alles gehe seinen geordneten Gang. Mit Mühe wurden die „unschicklichen Prägungen“ eingesammelt. Dennoch gelangten einige Exemplare in Sammlerhände und erzielen heute in Auktionen enorme Preise.


Weil der preußische Adler im ovalen Ring als Papagei gedeutet wurde, wurde 1788 der Papageientaler nicht zugelassen. Ein Exemplar kann man neben einem Albertustaler von 1797 in der Ausstellung des Münzkabinetts im Bode-Museum auf der Berliner Museumsinsel betrachten.


Da Münzstempelschneider auch nur Menschen sind, ist ihnen nicht jede Gravur gelungen. Ein unter Friedrich Wilhelm II., dem Neffen und Nachfolger Friedrich II., geprägter Taler von 1788 wurde kritisiert, weil der in einem gekrönten Oval sitzende preußische Adler einem Papagei ähnelt, der es sich auf einer Stange gemütlich macht. Flugs erhielt die verunglückte Münze mit dem königlichen Brustbild auf der Vorderseite den Spottnamen Papageientaler. Auch diese Münze ist eine Rarität der Extraklasse und kommt kaum im Handel vor. Bei der Versteigerung der berühmten Sammlung Killisch von Horn im Jahre 1904 erzielte der Papageientaler die enorme Summe von 1.725 Mark. Mit 1.775 Mark lag der Preis für einen Hoym-Taler noch etwas höher. Zum Vergleich kosteten damals die von Sammlern gesuchten Fehrbelliner Siegestaler des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm aus dem Jahr 1675 durchschnittlich unter 100 Mark, und Dukaten des ersten Preußenkönigs Friedrich I. waren schon zwischen 20 und 30 Mark zu haben.

Vom recht einfach gestalteten und nur versuchsweise hergestellten Goldkronacher Ausbeutedukat von 1803 ist nur in zwei Exemplaren bekannt.


Ungeachtet großer Mühen und beträchtlicher Investitionen war Ende des 18. Jahrhunderts die Ausbeute aus den Zechen in der Bayreuther Gegend recht mager. In den seit dem späten 18. Jahrhundert zu Preußen gehörenden fränkischen Markgrafschaften Ansbach und Bayreuth veranlasste Bergbauminister Friedrich Anton von Heinitz dessen ungeachtet zum Zwecke der Dokumentation die Prägung des hochseltenen Dukaten von 1803 mit dem gekrönten Adler in einem Oval und Lorbeerzweigen darum sowie der rückseitigen Aufschrift FEINES GOLD AUS DER FÜRSTENZECHE 1803. Da die Kosten für den Betrieb und die wirtschaftlichen Resultate zu sehr auseinander klafften und der preußische Staat nichts zu verschenken hatte, ordnete der Minister die „gänzliche Einstellung der Fürstenzeche“an.

Obwohl der Berliner Kammerherrentaler einen unzulässig verkürzten Königstitel trägt, hat man ihn 1816 und 1817 in großer Zahl geprägt. Dieses Stück aus dem Nachlass  von Friedrich Wilhelm III. wurde in der Künker-Auktion 442 unter der Nummert 77 versteigert.


Nach den Befreiungskriegen von 1813 bis 1815 zeigte sich Preußens König Friedrich Wilhelm III. auf seinen Talern und anderen Münzen im Schmuck des 1813 gestifteten Eisernen Kreuzes. Im Eifer der grassierenden Abkürzungen übertrieb es ein Stempelschneider im Jahr 1816. Er gravierte in großen Buchstaben FR. WILH. III K. V. PREUSS. um das königliche Bildnis. Als der Herrscher die Münze mit der unverständlichen Abkürzung zu Gesicht bekam, soll er ziemlich unwillig gesagt haben, er sei doch nicht der „Kammerherr von Preuss“. Das brachte der Münze den Namen Kammerherrentaler ein. Die anstößige Ausgabe wurde nicht sogleich eingezogen, vielmehr hat man die Stempel auch noch 1817 verwendet. Dass die Kammerherrentaler viel im Umlauf waren, zeigen Gebrauchsspuren. Makellose Stücke kommen recht selten vor. Offenbar nahmen die Untertanen Friedrich Wilhelms III. keinen Anstoß an der Inschrift K. VON PREUSS.

Die Frankfurter Doppelgulden von 1849 zur Wahl des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. zum Kaiser der Deutschen ist eine große Rarität.


Als König Friedrich II., der Große, am 17. August 1786 mit 74 Jahren starb, hielt sich die Trauer seines Neffen und Nachfolgers Friedrich Wilhelm II. in Grenzen. Den Wunsch des Monarchen, in einer Gruft nahe Schloss Sanssouci bei seinen Hunden bestattet zu werden, hat er ignoriert. Er wurde erst 1991 (!) erfüllt. Einen speziellen Sterbetaler ließ der neue König zum Andenken an den „Alten Fritz“ nicht prägen. Solche Münzen sind im Reich der Hohenzollern nur aus dem 17. Jahrhundert überliefert. Im „aufgeklärten“ Preußen des späten 18. Jahrhundert war es wohl unschicklich, durch spezielle Sterbemünzen auf den Tod des Monarchen aufmerksam zu machen. Diese Aufgabe übernahmen diverse Medaillen, angefertigt durch festbesoldete Hofmedailleure oder frei arbeitende Künstler, die sich mit solchen Werken ein Zubrot verdienten.


Sogenannter Sterbetaler


Ungeachtet des Verzichts auf eine offizielle Sterbemünze für Friedrich den Großen werden Reichstaler mit der Angabe 17 • A • 86 seit über 200 Jahren von Sammlern als Sterbetaler bezeichnet. Die Jahreszahl mit dem Berliner Münzzeichen A zwischen zwei Punkten wurde als „verstecktes“ Todesdatum 17. August 1786 interpretiert, weshalb diese Silberstücke begehrter waren und sind als gewöhnliche Münzen. Die Erklärung für die eigenartige Interpunktion ist einfach. In den letzten Lebensjahren Friedrichs des Großen war die Münzproduktion in Berlin gewaltig angekurbelt worden. Die Geldfabrik an der Unterwasserstraße, heute etwa im Bereich des Außenministeriums, platzte aus allen Nähten. Daher wurde eine neue Münzanstalt an der Münzstraße nicht weit vom Alexanderplatz eingerichtet. Um zu zeigen, dass bestimmte Taler von dort stammen, brachte der Stempelschneider Stierle auf der Rückseite die Punkte in der Jahreszahl an. Da die mit 17 • A • 86 datierte Talerprägung einige Wochen vor dem Tod des Königs begonnen wurde, können sie beim besten Willen nicht mit dessen Tod in Verbindung gebracht werden.

Aus dem Taler von 1860 mit dem Kopf Friedrich Wilhelms IV. wurde durch Veränderung der „0“ in eine „1“ ein Sterbetaler gemacht.


Auch dem kinderlos am 2. Januar 1861 verstorbenen König Friedrich Wilhelm IV., den man „Romantiker auf dem Thron“ nannte, hat sein Bruder und Nachfolger Wilhelm I. keinen speziellen Sterbetaler gewidmet. Man nahm die Stempel des Talers von 1860 und machte aus ihm den Jahrgang 1861. Das Todesdatum und eine rühmende Inschrift fehlen, wie man sie noch auf Talern des Barock lesen kann. Insgesamt wurden 10 000 Taler im Jahr 1861 hergestellt. Dass es mit diesen Münzen eine besondere Bewandtnis hatte, fanden pfiffige Sammler und Händler bald heraus. Da sie bereit waren, einen stattlichen Aufpreis zu zahlen, wurden auch Fälscher aktiv und haben aus der Jahreszahl 1860 flugs 1861 fabriziert. Die Fälschungen seien in vielen Fällen so geschickt gemacht, dass besondere Aufmerksamkeit dazu gehört, sie als solche  zu erkennen, stellten wachsame Beamten fest.

Ein sonderbares Mittelding zwischen fünf und drei Mark war das 1904 von der Augsburger Prägeanstalt Drentwett hergestellte Vier-Mark-Stück, das aber keiner haben wollte.


Auch in der Münzgeschichte des 1871 gegründeten deutschen Kaiserreichs gibt es manche Kuriositäten. Sammler kennen Stücke, die in Bild, Größe und Metall von der Norm abweichen und das Licht der Öffentlichkeit nie erblickten. Wer sich mit den Sonderlingen beschäftigt sieht, dass weitaus mehr geprägt wurde als in üblichen Katalogen vermerkt ist. Versehen mit dem Kopf von Kaiser Wilhelm II. und der Umschrift BEITRAG ZUR MÜNZGESCHICHTE zeigt eine als Viermarkstück deklarierte Silberprägung aus Augsburg auf der Rückseite die Wertangabe 4 MARK in einem Kranz aus Eichenblättern sowie die Umschrift FÜNFMARKSTÜCK LEBE WOHL. LEBT WOHL IHR THALER ALLE! Um Nachahmer abzuschrecken, haben die Urheber dieser Medaille unter dem Kaiserkopf GES. GESCH. vermerkt und damit betont, dass sie gesetzlich geschützt ist. Hersteller war die Augsburger Medaillenanstalt Carl Drentwett, die seit dem 19. Jahrhundert Deutschland und weitere Staaten mit geprägtem Metall belieferte. Ihr Inhaber Heinrich Schmidt hatte 1904 dem Reichsschatzamt in Berlin Probeabschläge des Viermarkstücks geschickt. Die Behörde antwortete, dass an der Ausgabe einer solchen Münze nicht gedacht wird. Eine weitere Eingabe der Firma von 1907 wurde ebenfalls abschlägig beschieden. Heinrich Schmidt unterstrich im Brief vom 3. Mai 1907 an das Reichsschatzamt, er habe mit der Erstellung des „Viermärkers“ lediglich den Beweis über die Handlichkeit einer solchen Geldsorte erbringen wollen, „weil sie gar nicht so übel in das Dezimalsystem einpasst.“ Er verstehe nicht, warum das Reichsschatzamt den Gedanken „kurzer Hand zurückgewiesen hat.“ Sein „Viermärker“ liege doch „so appetitlich“ zwischen beiden Sorten. Mit der zweiten Sorte neben dem Fünf-Mark-Stück war das in der Planung befindliche und ab 1908 ausgegebene Drei-Mark-Stück gemeint. Schauen wir uns weiter um, dann finden wir weitere preußische und andere Kuriositäten und Raritäten, die regelmäßig bei Künker und anderen Handelshäusern angeboten werden.


Text: Helmut Caspar, Fotos/Repros: Caspar, Künker

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