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Zentralamerika


Brian Stickney: A Monetary History of Central America. The American Numismatic Society, New York 2017 (= Numismatic Studies 35). 398 S., Abbildungen in Schwarz-Weiß. 21 x 29 cm. Hardcover, US-$ 49,95, ISBN 978-0-89722-350-8.

Mit dem vorzustellenden Buch wird eine Lücke geschlossen, denn über die Münz- und Geldgeschichte Zentralamerikas ist die greifbare Literatur sehr ärmlich. Zentralamerika, das ist die schmale Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika. Als Mittelamerika bezeichnet man die Region Zentralamerika zusammen mit der Karibik. Stickney behandelt in seinem Buch folglich die Staaten Guatemala, Honduras, El Salvador, Nicaragua, Costa Rica, Panama und British Honduras (Belize). Sie gehören geografisch zu Zentralamerika, wobei dies bei Panama je nach geografischer Definition nicht vollständig, sondern nur großteils so ist. Mexico wird in Stickneys Buch nicht berücksichtigt, weil nur ein geringer Teil seines Staatsgebiets zu Zentralamerika gehört. Allen diesen Ländern gemeinsam ist eine spanische Kolonialzeit, nach der Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua und Costa Rica zeitweise die Zentralamerikanische Konföderation bildeten. Geprägt wird die Region politisch und wirtschaftlich auch durch massiven US-amerikanischen Einfluss, sie gilt bis heute gerne als „Hinterhof der USA“, was auch daran ersichtlich ist, dass der US-Dollar z.T. gesetzliches Zahlungsmittel ist.

Vorweg stellt Stickney ein Glossar, in dem hauptsächlich spanische Begriffe intensiver vorgestellt werden. Das ist nicht ungeschickt, wird so doch dem Leser/Benutzer des Buches das Vorhandensein dieser praktischen Hilfe sozusagen unübersehbar vor Augen gestellt – und man benutzt das Glossar von Anfang an mit Gewinn. Daran schließt sich als zweite Hilfe eine mit dem Jahr 1503 beginnende Chronologie der Ereignisse an. Erst dann folgt die Einleitung.

Der Hauptteil des Buches beginnt mit Kapiteln über die numismatische Geschichte Zentralamerikas in vorkolonialer und kolonialer (also zunächst spanischer) Zeit, während der Unabhängigkeitskämpfe und der Zeit der Zentralamerikanischen Konföderation (1823–1840). Dann folgen sieben Kapitel für die sieben (heutigen) Staaten der Region und ein kurzes Schlusskapitel über den Versuch einer Münzunion.

In den Länderkapiteln ist das Buch Geldgeschichte und Münzkatalog zugleich. Stickney entwickelt also die Währungsgeschichte des jeweiligen Landes, natürlich immer mit Bildern belegt, und fügt für die einzelnen Epochen in Katalogform die Münzen hinzu. Man kann das Buch also auch als Katalog benutzen und zitieren, die Münzen sind (mit einem vorgestellten C für Coin) durchnummeriert. Eine solche Nummerierung gibt es auch für die erfassten Medaillen (mit einem vorgestellten M). Durchgängige Bebilderung (z.T. in Form von Zeichnungen) und Beschreibungen (mit den numismatischen Daten der Stücke inklusive Prägeauflagen) sind im „Katalogteil“ natürlich vorhanden, jedoch keine Bewertungen. Dafür wird der Text auch mit Banknoten illustriert, so dass sich auch damit das Bild der Geldgeschichte rundet.

Verschiedene Anhänge, dabei eine ausführliche Bibliografie, beschließen das Buch. Englischkenntnisse sollte man haben. Der American Numismatic Society und dem Autor sei Dank gesagt, denn auch aus europäischer Sicht ist es eine wichtige numismatische Neuerscheinung, die in ihrer Verbindung von Geldgeschichte und Münzkatalog einen mehr als nützlichen Weg beschreitet.

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