• Helmut Kahnt

Das erste in Deutschland gebaute Dampfschiff geht auf Fahrt


Am 27. Oktober 1816 wurde das erste in Deutschland gebaute Dampfschiff, die „Prinzessin Charlotte von Preußen“, in den Dienst gestellt. Die Jungfernfahrt führte von Pichelsdorf bis zur Pfaueninsel, an Bord waren 160 Passagiere. Ausgelegt war das 41,44 m lange Schiff sogar für bis zu 300 Passagieren.

Das Schiff wurde anschließend im regelmäßigen Passagier- und Postdienst zwischen Berlin, Charlottenburg, Spandau und Potsdam eingesetzt. Die Dampfmaschine leistete 14 PS und beschleunigte das Schiff auf 7 km/Stunde. Die Öffentlichkeit bewunderte die Geschwindigkeit. Die Dampfmaschine war englischer Bauart und wurde von der Firma Boulton & Watt aus Soho geliefert. Münzsammlern ist diese Firma durch die Kupfermünzen („Karrenräder“) vom Ende des 18. Jahrhunderts gut bekannt. Der Konstrukteur des Schiffes, John Barnett Humphrey, war auch ein Brite, dessen schottischer Vater in Hamburg lebte. Humphrey hatte am 12. Oktober 1815 von der preußischen Regierung das Patent erhalten, die „eigentümliche Methode, Dampfmaschinen zum Forttreiben von Schiffsgefäßen zu benutzen“.

Humphrey richtete in Pichelsdorf bei Spandau am Westufer der Havel in der Nähe der heutigen Freybrücke eine „Dampfboot-Baustelle“ ein. Das erste Schiff wurde am 21. Juni 1816 auf Kiel gelegt und schon am 14. September 1816 lief das Schiff vom Stapel. Es wurde auf den Namen der 1798 geborenen ältesten Tochter des Königs Friedrich Wilhelm III. getauft. Das Schiff hatte ein Schaufelrad in der Schiffsmitte, statt eines Schaufelrads an jeder Seite. Zusammen mit seinem Vater gründete Humphrey die Königlich Preußische Patentierte Dampfschiffahrts-Gesellschaft zu Berlin.

Bis 1819 baute die Reederei insgesamt fünf Dampfschiffe und nahm den Liniendienst bis Magdeburg und Hamburg auf. Ein wirtschaftlicher Erfolg waren die Dampfschiffe aber nicht, denn sie hatten sehr hohe Betriebskosten. Die „Prinzessin Charlotte von Preußen“ verbrauchte beispielsweise 250 kg Kohle pro Betriebsstunde. Entsprechend hoch waren die Betriebskosten. Im Jahr 1824 ging die Reederei in Konkurs, die Schiffe wurden verkauft. Die „Prinzessin Charlotte von Preußen“ wurde noch 1824 abgewrackt.

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