Vom Römischen Reich nach Berlin: Antike Münzen auf geheimnisvollem Weg in den Norden
- Helmut Caspar

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Weit ist der Weg und oft rätselhaft, den Münzen und andere historische Gegenstände aus fernen Ländern in unsere Gegend geführt haben. Die Zeitschrift „Archäologie in Deutschland“ (AiD) fragt im Heft. 4/2026, wie wohl eine griechische Münze aus dem dritten vorchristlichen Jahrhundert nach Spandau in Berlin gelangt. Ein 13-jähriger Schüler hatte sie auf einem Acker im nördlichen Stadtbezirk der Hauptstadt entdeckt. Die Bronzemünze aus der Zeit zwischen etwa 282 und 261 vor. Christus hat einen Durchmesser von etwa 12 mm und ist eine hellenistische Prägung aus der Münzstätte Ilion im Westen der heutigen Türkei.

Die mit dem Kopf der Athena geschmückte Bronzemünze stammt aus Ilion und könnte auf dem Handelsweg in den heutigen Berliner Bezirk Spandau gelangt sein.
Die Vorderseite des durch langen Umlauf abgegriffenen Geldstücks zeigt den Kopf der Athena mit korinthischem Helm. Auf der Rückseite ist die Göttin mit einem Weidenkorb, einem Speer in der erhobenen rechten Hand und in der linken Hand eine Spindel haltend dargestellt. Zunächst sei nicht sicher, schreibt Jens Henker, ob die Münze wirklich aus einem vorgeschichtlichen Fundkontext stammt. Zu viele antike Sammelstücke seien in Berlin und dem Umland im Umlauf, so dass auch eine viel später verloren gegangene Münze in Frage käme. Die Überprüfung des Fundortes aber lassen durch Keramik, Fragmente von Leichenbrand und eine bronzene Nadel ließen den Schluss zu, dass die Münze aus einem frühes eisenzeitlichen Gräberfeld stammt. Die etwas abgelegene und landwirtschaftlich genutzte Fläche sei nicht der Ort, an dem Sammelstücken verloren gingen. Die Münze könnte aus dem alten Griechenland ins Barbaricum, also in das Land außerhalb der Grenzen des Römischen Reichs, durch Handelsbeziehungen zwischen der baltischen Küste und Griechenland gekommen sein.

Der um 580 geprägte Tremissis mit Kaiserporträt wurde in Boppard aus dem Rhein geborgen.
Fragen wirft auch ein bereits 2018 in Boppard am Rhein unweit einer spätrömischen Befestigungsanlage bei Niedrigwasser geborgene Goldmünze auf. Dieser frühmittelalterliche Tremissis hat einen Durchmesser von 14,8 mm und wiegt 1,16 g. Die Münze im Wert eines Drittelsolidus wurde in den frühmittelalterlichen Nachfolgestaaten des Römischen Reiches aus der spätrömischen Münzprägung übernommen, schreibt Lars Blöck. Das Stück zeigt die Büste des byzantinischen Kaisers Justin II. (520 bis 578 nach Christus) nach rechts gerichtet in militärischem Habitus mit einem Lorbeerkranz im Haar. Das Münzbild wirkt verschwommen, weil der Stempel zweimal auf den Schrötling geschlagen wurde und dabei verrutschte. Auf der Rückseite ist außer der Umschrift die Angabe MA für die Prägestätte Marseille angegeben. Auf der Rückseiten ist ein Globus mit einem Kreuz oberhalb zu sehen. Die Ziffer VII verweist darauf, dass der Gewichtsstandard des Tremissis nicht wie bei den byzantinischen Vorbildern acht Seliquae aus Silber betrug, sondern auf sieben reduziert war. Im Umfeld der Goldmünze wurden fünf weitere Tremisses, aber auch römische Münzen gefunden. Daher sei unklar, ob das Stück als Verlustfund, absichtliches Depot oder angespültes Material in den Rhein gelangte.
Helmut Caspar
Fotos: AiD, Heft 4/2026




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