• Helmut Caspar

USA im Goldrausch


Unzählige Münzen der Vereinigten Staaten wurden aus dem Gold geprägt, das 1848 und danach in Kalifornien gefunden wurde. Das Dreidollarstück von 1855 zeigt Liberty mit ungewöhnlicher Federkrone. [Bildquelle: Repro/Archiv Caspar].

Im europäischen Revolutionsjahr 1848 wurde am American River in Kalifornien Gold gefunden. James Wilson Marshall hatte zufällig im Januar 1848 beim Bau einer Sägemühle ein Nugget entdeckt. Vergeblich hatte sich der Grundstücksbesitzer, der Schweizer Johann August Sutter, bemüht, das Geheimnis zu hüten. Seine Arbeiter plauderten es aus, und schon bald berichteten Blätter der Region und dann weltweit über die sensationellen Goldfunde. Amerika verfiel in einen regelrechten Goldrausch, und es kam eine gigantische Ost-West-Wanderung in Gang. Viele Menschen erhofften sich von den Funden Glück und schnelles Geld, nicht ahnend, welche Schwierigkeiten zu überwinden sind, um erst einmal ans Ziel zu kommen. Sutter brachte der Goldrausch übrigens wenig Glück, der Schweizer konnte seinen Grundbesitz nicht schützen und verlor große Flächen, Marshall starb 1885 als armer Mann. An ihn erinnern auf dem ehemaligen Fundgelände ein Denkmal und eine rekonstruierte Sägemühle.


Die zunächst zufällig entdeckten und dann systematisch erschlossenen amerikanischen Goldfelder stellten alle bisher bekannten Fundstätten in den Schatten. Auswirkungen des Goldbooms waren auch in Europa zu spüren. Dort fielen nicht nur die Goldpreise, es machten sich auch tausende Menschen, die angesichts ärmlicher Lebensverhältnisse und bedrückender politischer Verhältnisse keine Perspektiven mehr für sich sahen, auf den Weg in die Neue Welt. Zahlreiche Schiffe überquerten den Atlantik, doch manche erreichten ihr Ziel nicht. Wenn man gesund die Ostküste erreicht hatte, ging es auf unwegsamen Wegen weiter in den Wilden Westen zu den legendären Goldfeldern.


Die 13 Sterne auf dem Zwanzigdollarstück von 1892 stehen für die 13 Gründerstaaten der USA. [Bildquelle: Repro/ Archiv Caspar].

Es lässt sich gut vorstellen, welche Verbrechen und menschliche Tragödien sich im Kampf um die besten „Claims“ und die günstigste Vermarktung der Nuggets abspielten, aber auch wie das Gold mit vollen Händen ausgegeben wurde und was Scharlatane und Betrüger anstellten, sich billig in seinen Besitz zu bringen. Was sich in den Barackenstädten der Goldsucher in Kalifornien sowie nach weiteren Funden bald auch in Alaska und anderen Regionen zutrug, war und ist ein beliebtes Thema in der Literatur und im Kino. Filmgeschichte machte Charly Chaplin 1925 mit seiner in Alaska spielenden Komödie „Goldrausch“.


Mehrere hunderttausend Menschen zogen nach Kalifornien. Die Einwohnerzahl von San Francisco schwoll binnen weniger Monate von Tausend aus 25.000 Einwohner an. Der Sog, den die Goldfunde ausübten, hatte in anderen Landesteilen verheerende Folgen, weil dort Arbeitskräfte wegliefen, weshalb viele Unternehmen Bankrott machten. Vor San Francisco sollen zahlreiche Schiffe liegen geblieben sein, weil die Matrosen sie verlassen hatten, um schnell auf die Goldfelder zu kommen.


Liberty kommt mit einer Fackel und einem Lorbeerzweig auf dem mit dem Wappenadler der Vereinigten Staaten geschmückten Zwanzigdollarstück von 1907 daher. [Bildquelle: Repro/Archiv Caspar].

Die Barackenstädte, in denen viel Geld verdient und schnell wieder ausgegeben wurde, existieren schon sehr lange nicht mehr. Übrig blieben die von der Regierung, aber auch von Privatleuten sowie Bergwerks- und Handelskonzernen in großer Zahl geprägten Goldmünzen mit dem Kopf der Liberty, der Symbolfigur der Freiheit, auf der Vorderseite und dem Adler auf der Rückseite, mit Zahlen und weiteren Motiven. Die zunächst zufällig entdeckten und dann systematisch erschlossenen kalifornischen Goldfelder stellten alle bisher bekannten Fundstätten in den Schatten. Die Ausbeute war so umfangreiche, dass man Schwierigkeiten hatte, all das viele Edelmetall in klingende Münze zu verwandeln. Deshalb wurden neue Münzstätten eingerichtet. Dort wurden zeitweise mehr Goldmünzen als solche aus Silber, Kupfer oder Nickel hergestellt, weshalb diese auch heute relativ preiswert zu haben sind, von bestimmten Raritäten natürlich abgesehen.


Solche von manchen Legenden und Mythen umgebenen Goldstücke sowie Goldbarren wurden vor einigen Jahren im Wrack eines Schiffes gefunden, das den Zielhafen New York nicht erreichte. Das Schatzschiff „SS Central America“ war ein Raddampfer der US-Post mit 578 Passagieren einschließlich der Besatzung. Das Schiff geriet am 12. September 1857 in einen starken Hurrican und versank vor der kalifornischen Küste, rund 400 Menschen und die ganze Goldladung in die Tiefe reißend. Ende der 1980-er Jahre wurde das Wrack in über 2.500 Meter Tiefe wiederentdeckt, und es gelang, es zu orten und viele der über dem Meeresboden verstreuten Goldmünzen und –barren zu bergen, um sie später in New York zu versteigern.



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