Münzen als Schmuck - Seit es Münzen gibt, werden sie als Schmuck am Hals und an der Hand getragen

Solange es Münzen gibt, werden sie auch als Schmuck verwendet. Archäologen haben in zahlreichen Funden Gold- und Silberstücke mal mit Loch, mal mit Henkel und dann wieder eingefasst in Schmuckrahmen entdeckt. Unsere Altvorderen haben diese Kostbarkeiten an Schnüren oder Ketten am Hals getragen, mit ihnen die Ohren geschmückt oder sie, zu Ringen umgearbeitet, an den Fingern getragen. Überdies hat man schon vor Jahrhunderten Groschen und Taler, Gulden und Dukaten sowie weitere Prägestücke zur Zierde von Krügen und Schalen verwendet. Solche Münzgefäße sind in größerer Zahl vor allem aus der Barockzeit sowie aus der Zeit um 1900 überliefert.

In der Ausstellung des Münzkabinetts auf der Berliner Museumsinsel kann man als Schmuck verwendete Münzen betrachten.
In der Renaissance, als man die Kultur und Kunst der Antike neu entdeckte und begann, antike Münzen zu sammeln, kam die Sitte auf, Gold- und Silbermünzen in Gefäße einzulassen oder sie als Hals-, Arm-, Finger- oder Hutschmuck zu verwenden. In der Zarenzeit hat man silberne Kopekenstücke zu Schmuckzwecken verarbeitet. Sie kommen als Anhänger und Armketten mit aneinander gereihten Münzen vor und stellen interessante Zeugnisse für die Beliebtheit von geprägtem Metall als Schmuck dar. Allerdings ist diese Art des Gebrauchs, manche sagen auch Missbrauchs, von Münzen bei Sammlern unbeliebt.

Zu festlichen Anlässen werden als Statussymbol verwendeter Münzschmuck getragen. In regionalgeschichtlichen Ausstellungen vor allem in Bayern kann man ihn bewundern.
Viele Geldstücke, die eigentlich den Tod im Schmelztiegel erlitten hätten, haben auf diese Art und Weise überlebt. Dabei wurden sie jedoch zweckentfremdet sowie durch die bei Sammlern wenig geliebten Fassungsspuren verletzt. Das gilt auch für die zahllosen als Anhänger verwendeten Münzen, die Schützenketten und Schützenpokale sowie Frauen- und Männertrachten schmücken und oft in Volkskundemuseen gezeigt werden. In filigranen, oft auch mit Edelsteinen und Perlen geschmückten Fassungen kommen sogenannte Gnadenpfennige vor. Oft aus Gold bestehend, stellen sie ausgesprochene Museumsstücke und einmalige Kostbarkeiten dar. Die wenigen Exemplare, die bis in unsere Zeit überlebt haben, werden im Münzhandel angeboten und sehr hoch bezahlt.

In alten Zeiten dachte man sich nichts dabei, Taler und andere Münzen mit Henkeln zu versehen, um die als Schmuck zu verwenden.
Sammler möchten Münzen und Medaillen am liebsten „pur“, ganz ohne angelötete Ösen. Verpönt sind bei Silbermünzen Vergoldungen oder, was auch vorkommt, nachträgliche Emaille-Auflagen. Solche Stücke werden im allgemeinen weitaus geringer als makellose Ausgaben bewertet. Dann und wann bekommt man verbilligt gelochte Stücke sowie solche, bei denen das Loch mehr oder weniger gut gestopft ist. Die ungeliebten Veränderungen sollte man respektieren, denn sie sind interessante Beweise für die Beliebtheit von Münzen als Schmuck.

Der an einen Hus-Taler angelötete Henkel ist ein Beweis für die Zweckentfremdung von Münzen, die Numismatiker gern so belassen wie sie sind.
Alte Taler mit Heiligenbildern und frommen Sprüchen dienten als Talisman und Schutz vor Krankheit, Tod und „bösem Blick“. Auf der Skala standen Ausgaben der Grafschaft Mansfeld aus dem 16. und 17. Jahrhundert mit dem Bild des Sankt Georg als Drachentöter und der Inschrift BEI GOTT IST RAT UND TAT ganz oben. Großen Zuspruchs als Anhänger erfreuten sich auch die bayerischen Madonnentaler, denen man ebenfalls schützende Eigenschaften zuschrieb. Dass manche dieser Silberstücke Spuren von Feilstrichen aufweisen ist ein Hinweis darauf, dass man das so gewonnene Edelmetall für Silber zur Heilung von Wunden nutzte.

Bis heute haben sich zu Schmuck umgearbeitete Silbermünzen aus dem Zarenreich erhalten. Bei der Brosche wurde silbernes Kleingeld mit dem Zarenadler aus den 1880er Jahren verwendet. Tragen wird man diese Anstecknadel mit vier silbernen Kopekenstücken kaum noch.
Wer sucht, der findet in der eigenen Sammlung oder bei Sammlerfreunden, aber auch in Ausstellungen und auf Börsen Münzen und Medaillen, die zu Schmuck umgearbeitet wurden. Diese Stücke kommen in unterschiedlicher Gestalt vor, mal als Anhänger oder Brosche, auch eingefasst in Fingerringen, aneinander gelötet als Armband oder ein wenig gebogen als Jacken- oder Manschettenknöpfe. Beliebt waren und sind Münzen unterschiedlicher Zeitepochen als Anhänger von Schützenketten, die auch heute zu besonderen Anlässen getragen werden. Aus der Mode gekommen sind hingegen große Silbermünzen oder Goldmünzen an Hals- und Armketten.
Text und Fotos: Helmut Caspar




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