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Münze Österreich: Generaldirektor Mag. Gerhard Starsich über Münzen, Cyberassets und den Wert des Anlagegoldes

Andreas Raffeiner
vor 8 Minuten
4 Min. Lesezeit

In Zeiten von Kryptowährungen, digitalem Bezahlen und geopolitischen Umbrüchen erlebt das älteste Zahlungsmittel der Menschheit eine Renaissance. Während das physische Bargeld weltweit unter Druck gerät, bleibt die Nachfrage nach Anlagegold ungebrochen. Mag. Gerhard Starsich, Generaldirektor der Münze Österreich, erklärt im Interview, warum die Menschen im digitalen Zeitalter das absolut Analoge suchen, welchen strategischen Vorteil der Wiener Philharmoniker auf den Weltmärkten besitzt und wie das Traditionsunternehmen die junge Generation der 20- bis 30-Jährigen für Edelmetalle begeistert.



Münzen-Online: Herr Generaldirektor Starsich, das physische Bargeld steht weltweit unter Druck, doch die Nachfrage nach Anlagegold ist ungebrochen. Wie erklären Sie sich das Phänomen, dass die Menschen im digitalen Zeitalter verstärkt das Analoge suchen?


Gerhard Starsich: Physisches Bargeld gibt Sicherheit und Vertrauen und kann unabhängig von den vorhandenen infrastrukturellen Ressourcen immer verwendet werden. Kreditkarten und elektronische Zahlungssysteme haben hingegen mit hohen Betrugsraten und infrastrukturellen Abhängigkeiten zu kämpfen.


Münzen-Online: Der Wiener Philharmoniker ist die einzige europäische Anlagemünze mit Euro-Nennwert. Welchen strategischen Vorteil bringt dieser Euro-Nennwert im Vergleich zum kanadischen Maple Leaf oder dem südafrikanischen Krugerrand auf dem umkämpften US-amerikanischen und asiatischen Markt?


Gerhard Starsich: Der Philharmoniker ist durch den Euro-Nennwert ein offizielles gesetzliches Zahlungsmittel. Dass der tatsächliche Materialwert die Nominale übersteigt, ist international üblich. Der Euro ist eine sehr stabile Währung und verleiht dem ohnehin edlen Produkt, zusätzlich zum Wertanker des Goldes, eine weitere Stabilitätskomponente.


Münzen-Online: Gold, Silber und Platin sind endliche Ressourcen, deren Abbau oft geopolitischen Spannungen unterliegt. Wie sichert die Münze Österreich langfristig ihre Lieferketten, und wie hoch ist der Anteil an recyceltem „Green Gold“ in Ihrer Produktion?


Gerhard Starsich: Derzeit gibt es keine Probleme, Edelmetalle anzukaufen, es existiert ein liquider internationaler Markt für diese Produkte. Bei den Lieferanten sehen wir uns natürlich die Recycling-Quoten an, zudem versuchen wir durch Diversifikation und die Pflege langfristiger Lieferantenbeziehungen unsere Unabhängigkeit zu stärken.



Münzen-Online: Bei kleineren Stückelungen (wie der 1/25 Unze) ist das Aufgeld (der Aufschlag auf den reinen Materialwert) prozentual viel höher als bei der 1-Unze-Münze. Wie rechtfertigen Sie diesen Preisunterschied gegenüber Kleinanlegern, die sich vor der Inflation schützen wollen?


Gerhard Starsich: Der prozentuelle Aufschlag ist deshalb größer, weil die Berechnungsbasis – d.h. der Goldwert – bei kleinen Stückelungen viel kleiner ist. Der Aufschlag in absoluten Ziffern ist in etwa gleich groß, denn die Produktionskosten hängen nicht von der Größe der Münze ab. So gesehen ist es günstiger, größere Philharmoniker zu erwerben, mit besserem Preis-Leistungsverhältnis.


Münzen-Online: Die Münze Österreich ist eine Tochtergesellschaft der Österreichischen Nationalbank (OeNB). Kann es sein, dass geldpolitische Entscheidungen der EZB oder der OeNB die strategische Ausrichtung Ihres Hauses beeinflussen, oder agieren Sie völlig autark als Wirtschaftsunternehmen?


Gerhard Starsich: Grundsätzlich agieren wir völlig autark, es kann aber nicht ausgeschlossen werden, dass geldpolitische Entscheidungen der OeNB oder EZB in Zukunft Auswirkungen auf unser Haus haben.


Münzen-Online: Sonderprägungen wie der berühmte „Big Phil‘ (2004) oder die 20-Unzen-Münze (2009) waren extrem limitiert. Wie wird im Vorstand entschieden, wann eine Münze als unlimitierte Bullionmünze und wann als streng limitiertes Sammlerobjekt konzipiert wird?


Gerhard Starsich: Unsere Philharmoniker-Münzen werden prinzipiell als unlimitierte Bullionmünzen angeboten, anlässlich von Sonderereignissen, Jubiläen etc. editieren wir das eine oder andere Mal Sonderprägungen in limitierter Auflage.



Münzen-Online: Silber unterliegt im Gegensatz zu Gold in vielen Ländern der Umsatzsteuer, Platin ist ein sehr volatiler Markt. Welche Zukunftsprognose sehen Sie für den Silber- und Platin-Philharmoniker im Vergleich zum unangefochtenen Spitzenreiter Gold?


Gerhard Starsich: Zum Unterschied von Gold sind Silber und Platin Metalle, die vor allem in der industriellen Produktion eingesetzt werden. Deshalb sind auch Preis und Nachfrage stark von den industriellen Anwendungsbereichen abhängig. Boomt etwa die Photovoltaikanlagen-Produktion, verknappt sich der Markt und der Silberpreis steigt. Im Vorjahr hat sich das Phänomen gezeigt, dass angesichts des hohen Goldpreises zahlreiche Kunden den Silberphilharmoniker für sich entdeckt haben.

Für alle Edelmetalle gilt, dass die Vorräte mittelfristig zu Ende gehen und die Exploration neuer Abbaugebiete sehr aufwendig ist.


Münzen-Online: Der Wiener Philharmoniker wird an Großinvestoren in den versiegelten 500er-Masterboxen abgegeben. Welche technologischen und logistischen Sicherheitsbarrieren garantieren, dass diese Boxen auf dem Weg zum Endkunden absolut manipulationssicher bleiben?


Gerhard Starsich: Sowohl die Tubes als auch die Boxen selbst sind mit einem modernen Siegelsystem gesichert, d. h. man kann davon ausgehen, wenn die Siegel unversehrt sind, ist keine Manipulation erfolgt. Eine absolute Sicherheit gegen verbrecherisches Handeln kann leider nicht erreicht werden.


Münzen-Online: Einige bezeichnen Bitcoin als „digitales Gold“. Spüren Sie in den Verkaufszahlen der letzten Jahre eine Abwanderung von jüngeren Investoren in den Krypto-Markt, oder bleibt Gold die unangefochtene Krisenwährung?


Gerhard Starsich: Gold ist und bleibt die unangefochtene Krisenwährung, gleichzeitig haben sich Bitcoins und andere Cyber-Assets als attraktive Spekulationsobjekte positioniert.



Münzen-Online: Wie versucht die Münze Österreich, das Thema Edelmetallanlage für die Generation der heute 20- bis 30-Jährigen attraktiv zu machen, die oft keinen physischen Bezug mehr zu Edelmetallen haben?


Gerhard Starsich: Wir bieten Serviceleistungen wie das GoldDepot, die GoldReserve und den GoldSparplan an, die sich als ideale Wegbegleiter für junge Anleger herausstellen, denn sie können mit kleineren Beträgen und direkt online abgeschlossen werden. Gleichzeitig versuchen wir durch innovative, außergewöhnliche Sammlerlinien wie die Universum-Serie oder die Fabelwesen-Serie auch junge Menschen an die Numismatik heranzuführen.


Münzen-Online: Eine persönliche, zweigeteilte Frage zum Schluss: Sammeln Sie auch Münzen und was ist Ihre Lieblingsmünze, unabhängig, ob sie aus Österreich oder einem anderen Land kommt?


Gerhard Starsich: Ich sammle ausgewählte eigene Produkte wie z.B. die Niob-Münzen und einzelne Goldserien. Meine absolute Lieblingsmünze ist der 4fach-Dukaten, weil er durch sein historisches Design einerseits und durch seine elegante, schlanke Form andererseits einzigartig ist.


Das Interview führte Andreas Raffeiner.

Die Fotos stellte die Münze Österreich zur Verfügung.


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