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Martin Heinz: Der Münzfund von 1180. Ein Beitrag zum Konstanzer Pfennig des Mittelalters

Aktualisiert: Apr 16


208 Seiten, bebildert, 21,5 x 30 cm, Hardcover, Stuttgart 2019, Preis: 75 Euro, ISBN 978-3-00-048307-3. Vertrieb: Münzenhandlung Stefan Sonntag, Charlottenstr. 4,70182 Stuttgart, Tel. 0711/24847369, E-Mail info@ams-stutt-gart.de

So ausführlich beschrieben und dokumentiert, so großartig und z.T. auch großformatig bebildert, so umfassend erläutert, so bearbeitet findet man selten einen Münzfund. Martin Heinz nahm sich so des „Fundes von 1180“ an und gab die stattliche Veröffentlichung im Selbstverlag heraus, unterstützt von der Numismatischen Kommission der Länder in der Bundesrepublik Deutschland und vom Württembergischen Verein für Münzkunde in Stuttgart.


Schon die Namensgebung „Fund von 1180“ lässt ahnen, dass hier vieles im Unklaren ist, z.B. ist der Fundort unbekannt, kann aber im Gebiet Stadt Riedlingen – Abtei Zwiefalten – Burgruine Rechtenstein vermutet werden. Auch der Umfang des Fundes ist letztlich unbekannt, die Münzen kommen seit 2005 im Münzhandel vor. Martin Heinz hat 578 Münzen erfasst und weist darauf hin, dass es sich um „verkaufsfähige“ Exemplare handelt, dass es im Fund aber bestimmt auch Fragmente und ausgebrochene Stücke, Münzen mit Doppel- und Dreifachschlag und schwach beprägte Schrötlinge gab.


Die Münzen des „Fundes von 1180“ stammen aus der vorstaufischen Zeit von 1150 bis 1180. Der Fund enthält regionale Münzen der Konstanzer Währung, „aber er ist kein lokaler Fund. Die Münzen können sehr vielen Münzstätten zugewiesen werden, eine dominierende Reihe der Münzen einer einzigen Münzstätte ist nicht erkennbar.“ Heinz kann in seiner für die Mittelalternumismatik so wichtigen Arbeit zahlreiche bisher unbekannte Münzen vorstellen. Er legt einen eingehenden Kommentar mit Katalog und Bildteil vor, der nur ab und zu an einen üblichen Katalog erinnert, weil er alle Münzen, die er nach Münzstätten geordnet hat, sehr ausführlich beschreibt und diskutiert. Man kann dazu Heinz getrost das Wort geben:

„Der Münzfund von 1180 schließt innerhalb der hochmittelalterlichen Münzgeschichte des Konstanzer Pfennigs eine Lücke. Der ,Barbarossa‘- Fund (1189) und die Münzfunde von Steckborn (nach 1160), Leubas (um 1170) und Sindelfin- gen (1170/80) werden durch den neuen Fund ergänzt. Steckborn, Leubas und Sin- delfingen sind lokale Münzfunde. Der ,Barbarossa‘- Fund und der Fund von 1180 enthalten unterschiedlichste Münzen verschiedener Münzstätten und Münzherren. Der Fund von 1180 stellt den frühesten, nicht lokalen Fund hochmittelalterlicher Münzen des Konstanzer Pfennigs dar. Mehrere Münzstätten beginnen mit der Prägung von Münzen, die spätestens gegen 1180 dann durchgängig als Brakteaten hergestellt werden und damit der Form entsprechen, wie wir sie aus den CC (Concordantiae Constantienses) kennen. Der Fund von 1180 repräsentiert den regionalen Pfennig. Der sich entwickelnde Handel und der daraus folgende Einsatz der Zahlungsmittel am Ort sind für die Fläche des Bistums Konstanz dokumentiert.“


Die von Heinz vorgenommene Aufschlüsselung des Fundes führt zu zahlreichen interessanten Ergebnissen; Münzen der Welfen und Münzen der staufischen Herzöge in Schwaben im Bereich des Konstanzer Pfennigs können erstaunlicherweise vorgestellt werden. Martin Heinz hat die süddeutsche Mittelalternumismatik unglaublich bereichert und Maßstäbe für die wissenschaftliche Arbeit gesetzt.