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Lucius Verus-Armeniacus und Parthicus Maximus

Unmittelbar nach dem Tod des Antoninus Pius wurden seine beiden Adoptivsöhne zu Augusti erhoben; damit hatte das römische Reich nominell zwei Kaiser, wobei der ältere Marcus Aurelius mehr Einfluss besaß wie sein jüngerer „Kollege“ Lucius Verus. Lucius Ceionius Commodus, so der „bürgerliche“ Name des Lucius Verus, war der Sohn von Lucius Aelius Caesar, der eigentlich die Nachfolge Hadrians antreten sollte, aber leider noch vor Hadrian verstarb. Glaubt man den antiken Historikern, so war Lucius Verus wie sein Vater den Freuden des Lebens nicht abgeneigt. Um Lucius Verus im Militärdienst „reifen“ zu lassen, wurde ihm der Oberbefehl über die römischen Truppen im Osten übertragen, um es genauer auszudrücken, er sollte Krieg gegen die Parther führen. Der Partherkönig Vologaeses IV. hatte den „Thronwechsel“ in Rom zum Anlass genommen, den Römern den Krieg zu erklären. Gleichzeitig setzte Vologaeses IV. in Armenien, dem ewigen Pufferstaat zwischen dem Partherreich und Rom, einen ihm genehmen König mit Namen Pacorus ein. Bei dem Versuch, diese Inthronisation rückgängig zu machen, verlor der Statthalter von Kappadokien M. Sedatius Severianus seine Legion und sein Leben. Diese Schmach, den Verlust einer ganzen Legion, durfte Rom nicht auf sich sitzen lassen. Daher wurde Lucius Verus auch mit reichlich Truppen und hervorragenden Generälen ausgestattet. Lucius Verus brach im Frühjahr 162 in den Osten auf, mit langen Zwischenaufenthalten in Athen, Eleusis und zahlreichen kleinasiatischen Städten gelangte er im Herbst 162 nach Antiochia, der Ausgangsbasis für den Partherfeldzug. Bereits 163 gelang M. Statius Priscus, dem Nachfolger des Severianus, die Eroberung der armenischen Hauptstadt Artaxata. Daraufhin nahm Lucius Verus den Ehrentitel „Armeniacus“ (Sieger über Armenien) an, gleichzeitig erhielt er seine zweite imperatorische Akklamation.


Abb. 1 AV, 163, Rom, RIC III 499

Bildquelle: https://ikmk.smb.museum/object?id=18278424.


Auf der Vorderseite des Aureus Abb. 1 sehen wir die nach rechts gerichtete, drapierte Panzerbüste des Lucius Verus. Wie sein Adoptivbruder trägt Lucius Verus einen langen Bart und lockiges Haupthaar. Lucius Verus ist hier ohne Lorbeerkranz dargestellt. Die Legende "L VERVS AVG ARMENIACVS" nennt bereits den neuen Ehrentitel, der durch das Rückseitenbild ergänzt bzw. verdeutlicht wird. Auf dem Revers ist eine nach links gerichtete, sitzende Figur abgebildet. Bekleidet ist sie mit langen Hosen und einem eng anliegenden Obergewand. Auf dem Kopf trägt sie eine mitraähnliche Kopfbedeckung. Während ihr linkes Bein ausgestreckt ist, ist das rechte angewinkelt. Auf dem angewinkelten Knie liegt der rechte Ellenbogen auf, mit der rechten Hand stützt die Figur ihr Kinn. In der seitlich nach unten ausgestreckten linken Hand hält unsere Figur einen Bogen und den dazugehörenden Köcher. Hinter der Figur steht ein Tropaeum, ein Siegesmal, mit Panzer, Helm und als „Arme“ verschiedene Schilde und Waffen. Unter der Figur im Abschnitt findet sich die Erklärung der Darstellung: "ARMEN"(Armenia). Die klagende Personifikation Armeniens ist hier abgebildet, wobei das Siegesmal hinter der Personifikation deutlich darauf hinweist, warum Armenia trauert: Armenien ist besiegt. Dazu passt dann auch die weitere Legende der Münzrückseite "TR P III IMP II COS II", die auch schon die zweite

imperatorische Akklamation des Lucius Verus beinhaltet.


Abb. 2 S, 163/164, Rom, RIC III 1409

Bildquelle: https://numid.uni-koeln.de/object?id=ID829.


Auf dem Sesterz Abb. 2 sehen wir den nach rechts gerichteten Kopf des Lucius Verus, wieder ohne Lorbeerkranz. Auch hier nennt die Legende "L AVREL VERVS AVG ARMENIACVS" schon den neuen Titel. Die Umschrift der Rückseite "VICT AVG TR P IIII IMP II COS II / S C" nennt im Gegensatz zu der Legende des Aureus bereits die 4. „tribunicia potestas“, diese tritt Lucius Verus am 10. Dezember 163 an, sie endet am 9. Dezember 164; daher die Datierung unseres Sesterz. Das Rückseitenbild zeigt die nach rechts gerichtete Victoria, die Siegesgöttin, die in ihren Händen ein kleines Tropaeum hält. Dieses befindet sich direkt über einer nach rechts hinsitzenden Figur, die auf unserem Sesterz zwar nur schemenhaft dargestellt ist, aber die Form der Kopfbedeckung ähnelt doch derjenigen, die Armenia auf dem Aureus trägt. Sicher darf man auch die Sitzende auf dem Sesterz mit Armenia, der Personifikation von Armenien, identifizieren. Auch dieses Münzbild feiert eindrücklich den Sieg des Lucius Verus über Armenien.


Abb. 3 AV, 163/164, Rom, RIC III 525

Bildquelle: https://ikmk.smb.museum/object?id=18278474.


Im gleichen Zeitraum und mit der gleichen Intention wie der Sesterz Abb. 2 wird der Aureus Abb. 3 geprägt. Der Avers zeigt wieder die drapierte Panzerbüste des Lucius Verus, wobei dieser nun auch den Lorbeerkranz trägt. Die Averslegende "L VERVS AVG ARMENIACVS" wie auch die Reverslegende "TR P IIII IMP II COS II" bieten nichts Neues. Neu ist in unserem Zusammenhang das Rückseitenbild: wir sehen die nach rechts gerichtete Victoria. Die Siegesgöttin hält in ihrer rechten Hand ein „Schreibgerät“, mit dem sie auf einen Rundschild, der auf einer Palme steht, die Worte "VIC(toria) AVG(usti)" geschrieben hat. Zweifellos bezieht sich auch dieses Münzbild auf den Sieg über Armenien, der unter den Auspizien des Lucius Verus, aber nicht von ihm selbst erfochten wurde. Marcus Aurelius nimmt den Siegertitel Armeniacus, anders als sein Adoptivbruder, erst im Jahr 164 an.


Abb. 4 AV, 164, Rom, RIC III 511

Bildquelle: https://ikmk.smb.museum/object?id=18206711.


Auch mit dem nächsten Aureus (Abb. 4) bleiben wir bei den „armenischen Angelegenheiten“. Nach der Eroberung der armenischen Hauptstadt wurde auch der von den Parthern eingesetzte armenische König Pacorus vertrieben. Wahrscheinlich noch im Jahr 163, aber spätestens 164 wurde von den Römern ein pro-römischer König in Armenien installiert. Es handelte sich hierbei um Gaius Iulius Sohaemus. Dieser stammte aus dem Arsakidengeschlecht, war Senator und Suffektkonsul. In der Zeit von 144 bis zu seiner Vertreibung durch Vologaeses IV. im Jahr 161 hatte er den armenischen Thron schon einmal inne. Die Übergabe der Königsherrschaft von Lucius Verus an Sohaemus wird auf der Münzrückseite in Wort und Bild gezeigt. Auf einem hohen Podest, das auf vier Beinen steht und dessen Seiten mit Rundornamenten verziert sind, sitzt auf einer „sella curulis“ der Kaiser im militärischen Ornat. Hinter dem Kaiser steht ein Offizier, seitlich vor ihm ein Soldat mit Lanze. Vor dem Podest steht nach links gerichtet, also dem Kaiser abgewandt, der alte -neue armenische König Sohaemus. Er hat seinen rechten Arm erhoben, um von Lucius Verus die armenische Krone in Empfang zu nehmen. Die Bildszene wird durch die Inschrift unten im Abschnitt kurz und präzise erklärt: "REX ARMEN DAT" (Rex Armeniis datus - den Armeniern wurde ein König gegeben). Die wenigen Münzbeispiele zeigen eindrucksvoll, wie der Sieg eines römischen Generals in der „Münzpropaganda“ als Sieg des Kaisers, und nur des Kaisers, dargestellt wird. Die Niederwerfung Armeniens beendete allerdings noch nicht den Partherfeldzug. Nach einer langen Vorbereitungsphase marschierte 164 unter der Führung des erfahrenen Feldherrn Avidius Cassius ein römisches Heer gegen die Parther. Bei Dura-Europos erfolgte das erste Aufeinandertreffen beider Streitmächte, wobei die Römer siegreich aus diesem Treffen hervorgingen. Daraufhin überquerte Avidius Cassius mit seinem Heer den Euphrat auf einer Schiffsbrücke und rückte weiter Richtung Tigris vor. Die parthische Hauptstadt Ktesiphon, die jenseits des Tigris liegt, wurde 165 erobert und geplündert. Mit der Eroberung Ktesiphons war das Ziel des Feldzuges, der nicht die Annexion von Ländereien zum Ziel hatte, sonder eher den Charakter einer Strafexpedition trug, erfüllt. Avidius Cassius zog sich mit seinen Verbänden langsam nach Syrien zurück. Im Herbst 165 war der Feldzug beendet. Lucius Verus wurde zum dritten Mal zum Imperator ausgerufen und er nahm den Beinamen „Parthicus Maximus“ (der größte Partherbezwinger) an. Damit stellte sich Lucius Verus noch über Trajan, der nach seinen Erfolgen gegen die Parther nur den Titel „Parthicus“ angenommen hatte. Ein „stiller“ Begleiter des Rückzugs war die sogenannte „Antoninische Pest“. Diese verbreitete sich rasend schnell über das gesamte römische Imperium und hatte sehr viele Todesopfer zur Folge. Bei dieser Pandemie handelte es sich aufgrund der in der antiken Literatur beschriebenen Symptome um eine Variante der Pocken.


Abb. 5 S, 165/166, Rom, RIC III 1440

Bildquelle: https://ikmk.uni-freiburg.de/object?id=ID10632.


Der Sieg gegen die Parther findet natürlich auch in der stadtrömischen Münzprägung seinen Niederschlag. Der Sesterz Abb. 5 zeigt auf seiner Vorderseite - ganz unkriegerisch - den nach rechts gerichteten Kopf des Lucius Verus mit Lorbeerkranz. Die Legende "L VERVS AVG ARM PARTH MAX" (Lucius Verus Augustus Armeniacus Particus Maximus) beinhaltet schon den neuen Titel des „größten Partherbezwingers“. Die Rückseitenumschrift "TR POT VI [IM]P III COS II" beinhaltet die dritte imperatorische Akklamation sowie die „tribunicia potastas“ zum sechsten Mal. Damit ist der Sesterz Ende 165 bzw. im Jahr 166 geprägt worden. Der Revers zeigt auf den ersten Blick eine ähnliche Darstellung wie

unser Aureus Abb. 1. Bei genauerem Hinsehen ergeben sich allerdings merkliche Unterschiede. Unsere Figur sitzt nach rechts hin. Bekleidet ist sie mit Stiefeln, langen Hosen und einem tunikaartigen Obergewand. Auf dem Kopf trägt der Sitzende eine phrygische Mütze. Die Figur sitzt auf einem Bogen, hinter ihr steht ein Langschild. Beide Arme der Figur sind nach hinten geführt, so dass man vermuten darf, dass die Hände gefesselt sind. Unzweifelhaft handelt es sich aufgrund der Kleidung und der Art der Darstellung um einen gefangenen Parther. Hinter dem Gefangenen ist ein Tropaeum, ein Siegesmal, errichtet. Das Münzbild und die in den Legenden genannten Titel zeigen deutlich, dass sich diese Prägung direkt auf den Parthersieg bezieht.


Abb. 6 AV, 166, Rom, RIC III 564

Bildquelle: https://ikmk.smb.museum/object?id=18278476.


Auch der Aureus Abb. 6 nimmt den Parthersieg zum Thema. Die Legende der Vorderseite entspricht derjenigen des Sesterz. Neu ist jetzt das Bild des Kaisers. Wir sehen wieder die nach rechts gerichtete drapierte Panzerbüste mit Lorbeerkranz. Allerdings zeigt der in Rückansicht abgebildete Panzer eine andere Binnenstruktur als die Panzer auf unseren bisherigen Beispielen. Es dürfte sich bei dem abgebildeten Panzer um einen sogenannten „lorica segmentata“, einem Glieder- oder Spangenpanzer, handeln. Auf dem Revers sehen wir eine ähnliche Darstellung wie auf dem Aureus Abb. 3. Allerdings trägt Victoria jetzt zusätzlich einen Palmzweig und der Schriftzug auf dem Rundschild ist den neuen Gegebenheiten bzw. dem neuerlichen Sieg angepasst: "VIC(toria) PAR(thica) (der parthischeSieg)". Die Umschrift der Rückseite nennt jetzt schon die vierte imperatorische Akklamation des Lucius Verus, die er im Jahr 166 erhielt. Damit ist die Datierung des Aureus ins Jahr 166 gesichert. In diesem Jahr feierte Lucius Verus zusammen mit dem „Seniorkaiser“ Marcus Aurelius den Sieg im Partherkrieg mit einem prächtigen Triumphzug.


Horst Herzog

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