top of page

Leserpost: Anmerkungen zu "Die ersten „Fünfer“: DDR-Gedenkmünzen für den Umlauf"

Liebe Redaktion,

ich möchte den Beitrag von Dietmar Kreutzer dahingehend ergänzen, dass es hinter den Kulissen rund um das Fünf-Mark-Stück von 1969 mit XX Jahre DDR einige Querelen gab. Zunächst war erwogen worden, ähnlich wie in der so verhassten imperialistischen Bundesrepublik Deutschland silberne Kursmünzen auszugeben. Geprägt wurde 1969 aber eine Münze aus einer goldig bis rötlich schimmernden Kupfer-Nickel-Legierung. Die Berechnung der Kosten für das benötigte Silber und das zur Legierung hinzugesetzte Kupfer sowie eine Analyse der wirtschaftspolitischen Begleitumstände ließen führende DDR-Politiker von dem Plan abrücken, durch eine wertvolle Edelmetallmünze zu glänzen. Viele Silberstücke wären, so mutmaßte man, von den DDR-Bewohnern gesammelt, aber nicht weiter gegeben worden. Deshalb sah man sich nach anderen Materialien um und kreierte nach vielen Versuchen mit unterschiedlichen Metallen und Legierungen 1969 zum 20. Jahrestag der Gründung der DDR jenes Fünf-Mark-Stück aus einer Kupfer-Nickel-Legierung.


Seine Geburt verlief unter großen Wehen, von denen Außenstehende nichts erfuhren, denn das Projekt stand unter strenger Geheimhaltung. Für eine Münze, die mehr wert und schwerer war als das aus Aluminium bestehende Zwei-Mark-Stück und die anderen „Alu-Chips“ gab es gute Gründe. Ein Argument kam aus der Wirtschaft und dem Verkehrswesen, die nach einem neuen Nominal für ihre Fahrkarten-, Tankstellen- und Verkaufsautomaten riefen. Ein anderes Argument war politischer Natur, denn mit den leichtgewichtigen Aluminiummünzen war kein Staat zu machen. Doch das wollte die prestigesüchtige DDR ja unbedingt, sonst hätte sie ab 1966 nicht auch silberne Gedenkmünzen herausgebracht.

Nachdem 1959 Gedenkmünzen zum zehnten Jahrestag der DDR nicht ausgegeben wurden, versuchte man es 1969 zum prächtig begangenen 20. Republik-Geburtstag, als der Volksmund hinter vorgehaltener Hand reimte „Keine Kohlen im Keller, / keine Kartoffeln im Sack, / es lebe der 20. Jahrestag“. Hohen und höchsten Partei- und Regierungsgremien lagen unterschiedliche Motivvorschläge vor. Gedacht wurde zunächst an eine Münze mit dem Kopf des 1960 verstorbenen Staatspräsidenten Wilhelm Pieck beziehungsweise mit dem Brandenburger Tor, das seit dem Mauerbau am 13. August 1961 hermetisch abgeschottet war und in der DDR als Symbol für die „Überlegenheit“ des sozialistischen Systems über das kapitalistische galt. Im Gespräch waren ferner der Berliner Fernsehturms, der am 3. Oktober 1969 vom damaligen SED-Chef und Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht feierlich eröffnet wurde, der Dresdner Zwinger, figürliche Szenen mit Arbeitern und Bauern als „Stützen“ des Staates, aber auch Bildnisse von Karl Marx und Friedrich Engels.


Als endlich das Fünf-Mark-Stück fertig geprägt war, gab es einen großen Schreck, denn manche Münzen glänzten nicht gold-gelb, sondern waren grünlich-dunkel angelaufen. Wie aus den Unterlagen des DDR-Finanzministeriums und der DDR-Staatsbank hervorgeht und auch in dem Buch von Peter Leisering „DDR-Geld - Geldgeschichte aus der DDR“ (Gietl Verlag Regenstauf 2011) berichtet wird, war die Prägung des neuen Fünf-Mark-Stücks mit erheblichen technischen Schwierigkeiten verbunden. In dem Volkseigenen Betrieb am Ostberliner Molkenmarkt mussten aus den von der Metallindustrie in Hettstedt gelieferten Blechen erst einmal die Ronden gestanzt und dann die Münzen auf Prägemaschinen, die noch aus der Vorkriegszeit stammten, hergestellt werden. Die Direktion der Geldfabrik versprach zwar, die Prägetermine und Prägemengen einzuhalten, kam aber wegen mangelnder Fachkräfte ihren Verpflichtungen nur ungenügend nach und musste bereits eingeplante Aufträge für silberne Gedenkmünzen zurückstellen. Auf den neuen Fünf-Mark-Münzen wollte man dunkle Flecke auf keinen Fall dulden. Ich erfuhr von leitenden Mitarbeitern der Münzanstalt nach 1990, als man darüber sprechen konnte, dass man das Anlaufen der schon fertig geprägten Fünf-Mark-Stücke in letzter Minute unter Einsatz aller verfügbaren Kräfte durch Behandlung mit chemischen Lösungen und Putzen mit „Elsterglanz“ behoben hat. Was da im Einzelnen geschehen ist, müsste in geheim gehaltenen Dokumenten zu finden sein, auch in solchen des Ministeriums für Staatssicherheit, das wissen wollte, wie es zu den peinlichen Verfärbungen kam und ob da etwa der „Klassenfeind“ seine Hände im Spiel hatte. Als 1979 der 30. Jahrestag der DDR nahte, hat man diese Zahl nicht mehr mit der römischen XXX sondern auf arabisch mit 30 geschrieben. Die allmächtige Staatspartei wollte verhindern, dass die Leute drei Kreuze machen, wenn sie an die DDR denken.

Beste Grüße

Helmut Caspar


Antwort der Redaktion

Lieber Herr Caspar,

auch im Namen von Herrn Kreutzer vielen Dank für diese interessanten Ausführungen!

Viele Grüße

Til Horna

Comments


bottom of page