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Kunstgast der Münchner NUMISMATA: Interview mit Carlos Catalogart

Unter dem Künstlernamen Carlos Catalogart bewegte sich der Kunstgast der NUMISMATA München 2026 elegant an der Grenze zwischen Numismatik und Kunst. Münzen-Online befragte den Portugiesen, der in Lyon lebt, zu seiner Motivation, Numismatik künstlerisch aufzubereiten.


Foto: Kreutzer


Münzen-Online: Wie gehen Sie vor, um diese Kunst zu schaffen?


Carlos Catalogart: Es ist ein Streben nach Vollständigkeit. Wenn man in den Himmel schaut, sieht man einen Stern, dann einen weiteren Stern, dann noch einen Stern. Jeder Stern ist etwas Besonderes, hat eine andere Masse, eine andere Helligkeit. Aber wir ordnen die Sternbilder so, dass wir in unseren Köpfen ein Bild vom Himmel haben. Bei den Münzen ist es genauso. Es frustrierte mich, nur die Kataloge anzuschauen, eine Münze auf einer Seite, eine andere Münze auf einer anderen Seite, ohne einen vollständigen Überblick über eine bestimmte Epoche zu bekommen. Also verwende ich alle Münzen einer bestimmten Epoche, lege sie zusammen, damit sie eine gewisse künstlerische Wirkung entfalten können. Ich glaube, dass jede Münze ein Kunstwerk ist. Wenn man sie zusammenlegt, entsteht ein anderer Blick auf die Kunst dieser Epoche.



Münzen-Online: Wann haben Sie das erste dieser Werke geschaffen?


Carlos Catalogart: Ich habe mit den portugiesischen Münzen angefangen, weil ich ursprünglich aus Portugal komme. Ich begann damit, die Münzen aus der Zeit des Escudos zu ordnen. Das war im Jahr 2021. Von da an interessierte ich mich auch für andere Epochen und andere Münzen. Ich widmete mich den Münzen der DDR, weil das ein abgeschlossene Münzperiode ist. Damit nachvollziehbar wird, worum es geht, stelle ich zwischen 70 und 150 Münzen zusammen. Ich suche nach Münzen aus den jeweiligen Epochen, die mir gefallen. An den DDR-Münzen gefiel mir die Kunstfertigkeit und die Tatsache, dass sie miteinander in Verbindung standen. Als nächstes Projekt nahm ich mir die goldenen 500-Franken-Münzen aus Frankreich vor. Auch sie stammen aus einem begrenzten Zeitraum von 1989 bis 2000. Dann widmete ich mich den Vierteldollar-Münzen der US-Bundesstaaten. Auch ein klar definierter Zeitraum! Es gibt 50 Bundesstaaten plus Territorien, das sind etwa 60 Münzen insgesamt. Die Idee der Spirale, dass alle Münzen spiralförmig angeordnet sind, entstand, weil ich mich mit einer anderen Art der Chronologie schwer tat. Wenn man sich die Anordnung ansieht, entsteht eine Story vom Anfang bis zum Ende. So bekommt man ein Gefühl für die Entwicklung der Kunstepoche.



Münzen-Online: Sind Sie ein Münzsammler?


Carlos Catalogart: Ja, ich sammle portugiesische Escudos. Mein zentrales Sammelgebiet, in ich mich wirklich gut auskenne, sind portugiesische Münzen aus dem 15. und 16. Jahrhundert.


Münzen-Online: Planen Sie neue Werke?


Carlos Catalogart: Ich möchte ein Werk mit Münzen aus dem antiken Griechenland fertigstellen. Deshalb sammle ich Fotos und ordne sie. Vielleicht komme ich also wieder zur NUMISMATA. Ich weiß bereits, wie die Spirale aussehen wird. Wenn man sich die Spiralen ansieht, ist jede anders. eine Spirale mit unendlicher Symmetrie. Diese stammt aus Frankreich, sie hat also eine Sechs – es ist ein Sechseck. Diese stammt aus der DDR – es ist ein Achteck. Und für die USA habe ich eine fünfeckige Spirale gemacht, eine Pentagon-Spirale gewissermaßen. Für Griechenland plane ich eine tetragonale Spirale. Das passt zu Griechenland. Denke Sie nur an die Tetradrachmen.



Münzen-Online: Wer bezahlt für diese Kunst?


Carlos Catalogart: Kunden zahlen für meine Kunst in sogenannter Galeriequalität. Es gibt Sammler, die meine Werke gerne zu Hause haben möchten. Zu meiner Kundschaft gehören aber auch Münzhändler. Manch stellen die Kunstwerke in Ihrem Geschäft aus, um es attraktiver zu machen.


Das Gespräch führte Dietmar Kreutzer

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