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Kriminelle Energie: Aktuelle Betrugsfälle, die dem Berufsverband gemeldet wurden

Autorenbild: Dietmar Kreutzer
Dietmar Kreutzer
vor 2 Stunden
3 Min. Lesezeit

Im zurückliegenden Halbjahr kam es im deutschen Münzhandel zu einigen spektakuläre Diebstählen bzw. Betrugsfällen, bei deren Aufklärung des Berufsverband des Deutschen Münzenfachhandels e.V. um Unterstützung bat. Um die Methoden zu verdeutlichen, mit denen aktuell vorgegangen wird, haben wir einige Fälle beispielhaft zusammengestellt. Der erste Fall datiert vom März 2026. Einem Münzhändler wurde auf der Münzmesse in Tilburg der gesamte Warenvorrat gestohlen, darunter waren 2.600 Münzen. Dass nicht nur in der Messehalle gestohlen wird, zeigt ein Fall, der sich wenig später ereignete. Im April bat der Verband um Unterstützung bei einem Wege-Diebstahl:


Bildquelle: Wikimedia, Contributor


"Einem unserer Mitglieder wurde im Nachgang zur Münzmesse Karlsruhe der komplette Warenbestand gestohlen. Entwendet wurden Münzen in acht Münzalben sowie auf mehreren Tabletts, insbesondere Kaiserreich, Taler und Goldmünzen. Die Münzen befanden sich zum Teil in Münzrähmchen, welche beschriftet sind. Wir bitten Sie um erhöhte Aufmerksamkeit, sollte Ihnen die Sammlung oder Teile davon angeboten werden. Der Diebstahl erfolgte nach der Münzmesse Karlsruhe vor dem Wohnhaus des Geschädigten, während dieser die Ware und Messeutensilien aus dem Kofferraum seines Fahrzeuges auslud. Ob die Täter dem Geschädigten folgten und ggf. ein Tracker eingesetzt wurde, konnte nicht nachvollzogen werden. Bei den Tätern handelt es sich um zwei Personen, die die in einer Metallkiste verwahrte Ware aus dem Kofferraum entwendeten und mit einem schwarzen Kleinwagen mit mutmaßlich ausländischem Kennzeichen abtransportierten. In jüngster Zeit haben vermehrt Diebesbanden während und im Nachgang von Münzmessen ähnliche Taten begangen. Wir bitten Sie deshalb um hohe Aufmerksamkeit beim Transport Ihrer Ware und behalten sie diese stets im Blick."

Aus: Listen von Münzhändlern, die entwendete Bestände gemeldet haben.

Bildquellen: Münzhandel


Im Juni erhielt der Verband von einem seiner Mitglieder eine Liste mit 24 gestohlenen Goldmünzen. Der Geschädigte erläuterte den Vorgang:


"Auf der Briefmarken- und Münzbörse in Siegen, Siegerlandhalle am Samstag 6. Juni 2026 wurden wir durch Trickdiebstahl von drei Personen (Ablenkung) am Nachmittag gegen 14 Uhr bestohlen. Drei Personen, ein älterer und korpulenter Mann, zwei junge Männer, gepflegte modische südosteuropäische Erscheinung. Die Goldmünzen lagen auf einem BeBa-Tablett mit üblichen Preiskärtchen. Es handelt sich um Restantenlose aus unserer letzten Auktion. Vor Ankauf wird gewarnt."


Im August verschickte der Berufsverband eine allgemeine Warnmeldung:


"Mehrere Auktionshäuser berichten von asiatischen Einlieferern, die besonders hübsche europäische und asiatische Münzen als Einlieferungen anbieten. Die Stücke haben eine auffällig attraktive Patina. Diese Patina ist bei genauerem Hinsehen jedoch künstlicher Natur und verdeckt die Manipulation der zwar echten, aber „aufgehübschten“ Münzen und Medaillen. Einige Stücke konnten nachverfolgt werden. Es handelte sich um Stücke, die zuvor in der Erhaltung „sehr schön“ verkauft und mittels Laserbearbeitung zu „Stempelglanz“-Stücken „aufgewertet“ wurden. Selbst erfahrene Experten sind schon auf die Stücke reingefallen. Mit einer normalen Lupe können die Manipulationen nicht entdeckt werden. Vor diesen gefährlichen Verfälschungen wird gewarnt. Wir bitten dringend um erhöhte Aufmerksamkeit!"


Ende September ging im Verband die folgende Warnmeldung eines Händlers ein:


"Der Käufer hat bei mir über eBay einen Artikel im Wert von rund 4.300 Euro gekauft. Bei dem verkauften Artikel handelt es sich um eine belgische 300-Euro-Goldmünze. Heute meldete sich der Käufer und behauptete, wir hätten ihm angeblich das falsche Produkt geliefert. Statt der bestellten belgischen Goldmünze soll sich nach seiner Darstellung ein 1-Unzen-Goldbarren der Perth Mint in unserem Paket befunden haben. Auf dem vom Käufer übersandten Foto ist unser Versandpaket zusammen mit diesem Barren zu sehen. Wir können ausschließen, dass dieser Barren von uns versandt wurde. Die betreffende Sendung wurde unter Zeugen verpackt. Darüber hinaus führen wir solche Perth-Mint-Goldbarren überhaupt nicht in unserem Angebot bzw. Bestand. Auch der auf dem Foto gezeigte Barren bzw. dessen Blister macht auf uns keinen authentischen Eindruck. Der Käufer hat gegenüber eBay angegeben, dass wir die falsche Ware geliefert hätten, und verlangt einen Austausch. Wir gehen aufgrund der Gesamtumstände davon aus, dass hier versucht werden soll, uns einen anderen bzw. möglicherweise gefälschten Goldbarren zurückzusenden und auf diese Weise die von uns gelieferte Goldmünze zu behalten. Für uns besteht daher ein dringender Verdacht auf einen gezielten Betrugsversuch. Da der eBay-Account erst am 15.09.2026 eröffnet wurde und bereits wenige Tage später ein hochpreisiger Goldartikel gekauft wurde, halten wir es für möglich, dass diese Vorgehensweise auch bei anderen Händlern versucht wird. Ich möchte die Mitglieder des Verbandes deshalb ausdrücklich vor Geschäften mit diesem Käufer warnen bzw. darum bitten, bei entsprechenden Bestellungen besondere Vorsicht walten zu lassen."


Der Berufsverband des Deutschen Münzenfachhandels e.V. kümmert sich seit mehreren Jahren um dieAufklärung von solchen Dienstählen bzw. Betrugsfällen. Der Vernad engagiert sich auch in der Bekämpfung von Fälschungen auf der Handelsplattform eBay und geht gegen unzulässigen gewerblichen Handel unter dem Deckmantel privater Accounts vor. Verbandsprüfer unterstützen das Sicherheitsteam von eBay als sogenannte „Watchdogs“, um gefälschte Münzen oder betrügerische Angebote zu identifizieren und zu sperren. Im Zuge dieser Zusammenarbeit wurden bereits weit über 50.000 gefälschte oder unseriöse Objekte von der Plattform entfernt.


Dietmar Kreutzer

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