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Imperial Collection: Diskussion zum kulturhistorischen Wert der Hohenzollern-Sammlung

Die Versteigerung der Imperial Collection des Hauses Hohenzollern hat eine Diskussion über den kulturhistorischen Wert geschlossener Sammlungen ausgelöst - wie jener der deutschen Kaiser, die bis zum Zweiten Weltkrieg im Berliner Schloss Monbijou ausgestellt war.


Schloss Monbijou in Berlin im Jahr 1732 (zerstört 1943)

Bildquelle: Wikimedia, Gartenlaube


Im Vorfeld der Versteigerung der Imperial Collection der Hohenzollern bei Künker hat der Preußen-Historiker und Numismatiker Reinhold Zilch zwei Beiträge für die Berliner Zeitung geschrieben. Er erläuterte er die Haltung, dass es ein Verlust an deutschem Kulturgut sei, wenn solche Preziosen in private Sammlungen des In- und Auslandes verschwänden: "Zwar konnten sich in den beschriebenen Verhandlungen die Stiftungen eine ganze Reihe wichtigster Objekte als Dauerleihgaben sichern, aber der über Jahrzehnte gewachsene historische Zusammenhang geht durch die Veräußerungen unwiederbringlich verloren." Auch nach der Auktion blieb er bei dieser Einschätzung: "Es bleibt durch den Verkauf eben dieser durch ihre Geschichte „historisch aufgeladenen“ Medaillen und Münzen an anonyme neue Eigentümer, die wohl kaum zu den Stücken eine persönliche Beziehung haben, ein Verlust an nationalem Kulturgut. Hätte die Bundesrepublik Deutschland nicht diese Objekte in Gänze erwerben müssen?" Nur notdürftig kann sich Zilch in der Hoffnung trösten, dass die Objekte nicht nur als reine Kapitalanlage in unsicheren Zeiten von anonymen Vermögensverwaltern erworben wurden und in irgendwelchen Tresoren obskurer Steueroasen deponiert werden. Vielleicht gabe es unter den Erwerbern eine Reihe „gut betuchter“ Sammlern, die sich an den Stücken erfreuten.


Ausstellungsraum im ehemaligen Hohenzollern-Museum Schloss Monbijou

Bildquelle: Wikimedia, Bundesarchiv


Um einzuschätzen, ob die Kritik gerechtfertigt ist, lohnt ein Blick auf die Geschichte der Sammlung. Die Sammlung stammt aus dem Besitz des Hauses Hohenzollern. Bedeutende Persönlichkeiten wie König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen und Kaiser Wilhelm I. trugen maßgeblich zum Aufbau der Kollektion bei. Ursprünglich im Hohenzollern-Museum im Schloss Monbijou in Berlin beheimatet, wurde die Sammlung gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in das Berliner Stadtschloss ausgelagert. Nach Kriegsende gelangte sie als Beutekunst in die Sowjetunion und wurde 1958 nach Ostberlin zurückgegeben. Über Jahrzehnte blieb sie der Öffentlichkeit weitgehend verborgen und wurde im Bode-Museum aufbewahrt. Über das Schicksal der Sammlung gab es langjährige Verhandlungen mit der öffentlichen Hand, die im Jahr 2025 abgeschlossen wurden. Zahlreiche Bestände verbleiben demnach als Dauerleihgaben in deutschen Museen. Andere Teile sind in den Besitz des Hauses Hohenzollern übergegangen. Das Haus Hohenzollern entschied sich zu dem Verkauf ausgewählter Stücke, die in einer Auktion von Künker Ende Juni 2026 für knapp vier Millionen Euro versteigert wurden.

Raumabfolge im Schloss (Situation 1904, Medaillensammlung in Raum 7,

Neuerwerbungen durch Wilhelm II. und seine Frau in den Räumen 1-3)

Bildquelle: Wikimedia, ONAR


Bernhard Weisser, Direktor am Münzkabinett Berlin, hat die Übergabe der Münzbestände aus den Staatlichen Museen an die Hohenzollern begleitet. Er äußerte sich in einem NDR-Interview über den Verkauf: "Sie verkaufen sie nicht alle meistbietend, sondern sie verkaufen nur einen kleinen Teil. Wir haben ja über 2.000 Münzen und Medaillen an das Haus Hohenzollern zurückgegeben. Von denen gelangten jetzt 334 Stücke in die Versteigerung, von denen das Haus Hohenzollern sagt, dass sie praktisch wieder in die Öffentlichkeit gegeben werden sollen. Da sind zum Beispiel Donative darunter, die es in mehreren Exemplaren gibt." Diese einst im Schloss Monbijou aufbewahrte Münzen und Medaillen waren zwar für die Geschichte des Hauses Hohenzollern wichtig. Es handelte sich aber zumeist um Donative, die mehrfach vorhanden waren. Mit der unmittelbaren Familiengeschichte wenig zu tun hat wie zum Beispiel ein Familienrubel auf den russischen Zaren Nikolaus I. von 1835, der als Geschenk an König Friedrich Wilhelm IV. gegangen war und der nun bei Künker für bereindruckende 700.000 Euro versteigert wurde. Aber auch das ist kein Einzelstück. Von ihm wurden 36 Exemplare geprägt. Das Münzkabinett der Staatlichen Museen besitz zwei davon. Das typengleiche Stück konnte somit im Jahr 2025 bedenkenlos an das Haus Hohenzollern zurückgegeben werden.


Familienrubel (1836) aus den Beständen der Staatlichen Museen

Bildquelle: Staatliche Museen zu Berlin, museum-digital

Familienrubel aus der Imperial Collection (Zuschlag: 700.000 Euro)

Bildquelle: Künker, Auktion 442, Los 297


In dem Interview wurde Prof. Weisser, ob in solchen Fällen nicht das Kulturschutzgesetz zur Anwendung kommen müsste, mit dem verhindert werden soll, dass kulturhistorisch wertvolle Güter ausgeführt werden sollen. Seine Antwort: "In dem Fall nicht, weil Münzen und Medaillen ja serielle Objekte sind und die Objekte mehrfach in öffentlichen Sammlungen vorhanden sind, vor allem auch hier bei uns im Münzkabinett. Solange es für einen Interessierten möglich ist, ein entsprechendes Stück im öffentlichen Besitz zu sehen, ist das aus meiner Sicht kein Problem." In der ersten Auktion kamen vermutlich vor allem Investoren aus dem In- und Ausland zum Zuge, die die Stücke vordergründig als Anlageobjekte betrachten. In einer weiteren Auktion des Hauses Hohenzollern dürften jedoch Stücke angeboten werden, die für einen breiteren Kreis an Sammlern in Deutschland erschwinglich sind.


Dietmar Kreutzer

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