Geldbeutel, Groschen, Kupferstücke: Gold für das "Leben eines Taugenichts“
- Dietmar Kreutzer

- 19. Sept.
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Am 6. Oktober erscheint die neue Sammlermünze Aus dem Leben eines Taugenichts aus der Serie "Meisterwerke der deutschen Literatur". Nach Faust und Der zerbrochene Krug ist es die dritte Münze dieser Serie. Die im Jahre 1828 erstmals erschienene Novelle Aus dem Leben eines Taugenichts stammt von Joseph von Eichendorff (1788 - 1857). Der aus einer Adelsfamilie stammende Schriftsteller ist ein Vertreter der deutschen Romantik. Auch der Protagonist des Buches ist eines typischen Romantiker, der nur von seinen Gefühlen geleitet wird. Erzählt wird die Geschichte eines Müllerssohns, der von seinem Vater als Taugenichts beschimpft und aus dem Haus gewiesen wird. Er zieht daraufhin mit seiner Geige in die Welt hinaus, um sein Glück zu finden, verliebt sich in die Adelige Aurelie auf einem Schloss. Von der Vorstellung, sie sei eine Gräfin, wird er jedoch entmutigt. Daher verlässt er die ihm von der Herrschaft des Schlosses zugedachte Stube eines Zolleinnehmers. Er reist er stattdessen weiter nach Italien. Nach einem zweifelhaften Stelldichein mit der Geliebten des Grafen, die sich als Maler verkleidet hat, reist der "Taugenichts" zurück. Er findet heraus, dass mit seiner geliebten Aurelie eine standesgemäße Beziehung möglich ist. Sie ist keine Adlige, sondern die Nichte des Portiers! Sie heiraten und er findet mit ihr schließlich sein Glück. Als Hochzeitsgeschenk bekommt das Paar ein kleines weißes Schlösschen samt Garten und Weinbergen geschenkt. Dem Sohn des Müllers ist also die Flucht aus dem bürgerlichen Arbeitsleben geglückt. Er dringt in die Welt des Adels vor. Insoweit ist die Novelle ein typisches Beispiel einer lebensfremden Romantik. Ebenfalls typische Elemente der Romantik in diesem Werk sind der enge Bezug zur Natur und die zahlreichen lyrischen Einschübe.

Das Geld darf im Werk eines Romantikers wie Eichendorff natürlich keine vordringliche Rolle spielen. Derartige Bezüge kommen auch nur ganz am Rande vor. Im ersten Kapitel bricht der jugendliche Erzähler nach dem Affront durch den Vater von daheim auf: "Ich ging also in das Haus hinein und holte meine Geige, die ich recht artig spielte, von der Wand, mein Vater gab mir noch einige Groschen Geld mit auf den Weg, und so schlenderte ich durch das lange Dorf hinaus." (Josef von Eichendorff: Aus dem Leben eines Taugenichts; Köln 2006, S. 5) Kurz darauf waren sie natürlich schon weg: "Ich griff nach der Weste; meine paar Groschen, weiß Gott, sie müssen beim Herumtanzen auf dem Wagen aus der Tasche gesprungen sein." (Ebenda, S. 9) Die beiden Maler, die er unterwegs kennenlernt, sind plötzlich verschwunden. Sie hinterlassen ihm jedoch einen vollen Geldbeutel, der für ihn bestimmt ist. och auch dessen Inhalt ist bald verschwunden: "Ich hatte das Geld in dem gefundenen Beutel niemals gezählt, den Postmeistern und Gastwirten musste ich überall viel bezahlen, und ehe ich mich's versah, war der Beutel leer." (Ebenda, S. 58) Die Rückfahrt mit einigen Studenten auf der Donau war aber nicht kostenlos zu haben. Alle stülten ihre Taschen nach außen: "Der Schiffer lachte und schüttelte den Kopf, als ihm der Waldhornist damit unser Fährgeld in lauter Kupferstücken aufzählte, die wir mit großer Not aus allen unseren Taschen zusammengebracht hatten." (Ebenda, S. 109)

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass der Protagonist, der nicht vom Gelde lebt, sondern von Luft und Liebe, nun auf einer Goldmünze abgebildet wird. In der Ankündigung der Sammlermünze durch das Bundesfinanzministerium heißt es: "Auf der Bildseite sorgt die bewusst reduzierte Komposition des Entwurfs für eine intuitiv erfassbare Wiedergabe des Spannungsbogens der Novelle Aus dem Leben eines Taugenichts. Auf hohem Niveau werden die Extreme, zwischen denen sich die musizierende Figur bewegt – die Zollstube mit Feder, Papier und Abakus auf der linken Seite; Wald, Frauenfigur und Blumenschmuck auf der rechten –, durchaus kongenial inszeniert. Diese Abkehr vom philiströsen, ökonomisch diktierten Leben zugunsten einer wesentlich auf Emotionalität gegründeten Existenz wird unterstützt durch eine junge, dynamische Interpretation der Hauptfigur – eine Werteumkehr, die durch die invers gesetzte Aufschrift und die sichelförmige, in zwei Ebenen geteilte Bildseite unterstrichen wird." Dem Berliner Designer Bastian Prillwitz ist es tatsächlich gelungen, den Wechsel vom etablierten Leben, links auf der Bildseite der Münze, zu einem befreiten, lyrischen Wesen zu versinnbildlichen, rechts im Bild. Der "Taugenichts" ist ein gewissermaßen ein frühes Blumenkind, fast 150 Jahre vor Woodstock. Die Aussteiger mit ihren weltfremden Vorstellungen von freier Liebe, freiem Leben, also einem Leben ohne von Kapitalisten erwirtschaftetem Geld, traten ganz ähnlich auf!
Dietmar Kreutzer




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