Die Goldmünze zu 20 Złotych von 1925: Polens Tribut an Bolesław I. den Tapferen
- Andreas Raffeiner
- 27. Feb.
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Aktualisiert: 6. März
Die 20 Złotych-Münze aus dem Jahr 1925 ist ein beeindruckendes Zeugnis polnischer Münzgeschichte. Geprägt in 900er Gold, mit einem Gewicht von 6,45 Gramm und einem Durchmesser von 21 Millimetern, vereint sie die Eleganz einer Gedenkprägung mit der technischen Präzision der Zwischenkriegszeit. Sie entstand in einer Epoche nationaler Selbstbehauptung und ehrt den ersten König Polens, Bolesław I. Chrobry, genannt „der Tapfere“ (965/67–1025), anlässlich des 900. Jahrestages seiner abermaligen Krönung im Jahr 1025.
Historischer Hintergrund – Ein Reich, ein König, ein Symbol
Bolesław I., Herrscher des frühen polnischen Königreichs, war eine Schlüsselfigur bei der Festigung der nationalen Einheit. Seine Krönung markierte nicht nur den Höhepunkt der Piastenmacht, sondern auch den Eintritt Polens in die Reihe europäischer Königreiche. Die Prägung im Jahr 1925 fiel in eine Phase, in der die Zweite Polnische Republik nach mehr als einem Jahrhundert der Teilungen ihre staatliche Identität neu formte. Somit wurde die Münze zu einem goldenen Manifest nationaler Souveränität.
Geschichte der Entstehung
Artikel 11 der Verordnung des polnischen Finanzministeriums vom 23. April 1924 hatte die Ausgabe von Goldmünzen mit einem Nennwert von 100 Złotych, 50 Złotych, 20 Złotych und zehn Złotych angekündigt. In einem Wettbewerb zur Münzgestaltung im Jahr 1925 wurden 23 Entwürfe eingereicht. Der erste Preis ging an Zofia Trzcinska-Kaminska, die für ihren Entwurf ein Porträt von Boleslaw Chrobry verwendet hatte. Im Juni 1926 wurde die Prägung von Zehn- und 20-Złotych-Münzen angeordnet. Die Herstellung der übrigen Nominale wurde auf unbestimmte Zeit zurückgestellt.
Nach offizieller Statistik wurden 50.350 Münzen zu zehn Złotych und 27.240 Münzen zu 20 Złotych geprägt. Mindestens fünf Stempelpaare kamen zum Einsatz. Der Verschleiß dieser Stempel ist einigen Exemplaren der Münzen zu 20 Złotych deutlich anzusehen. Polnische Numismatiker schätzen daher, dass die tatsächlich geprägten Auflagen höher als angegeben liegen könnten.
Die Münzen waren zwar gesetzlich als offizielle Zahlungsmittel ausgewiesen, ihr Goldwert lag aber oberhalb des Nennwertes. Es ist somit davon auszugehen, dass es sich um reine Anlagemünzen mit Gedenkcharakter handelte. Bei Ablieferung einer ausreichenden Menge Feingold bei der Staatsbank konnte man sich damals derartige Münzen prägen lassen.

Technische Daten und Prägung
Nennwert: 20 Złotych
Material: 900er Gold (90 % Au, 10 % Cu)
Gewicht: 6,4516 g (0,1867 oz Feingold)
Durchmesser: 21 mm
Rand: geriffelt
Prägeort: Warszawa (Warschau)
Auflage: ca. 27.240 Stück
Bildquelle: Dom Aukcyjny Numimarket, Auktion 12, Los 243
Die Abmessungen und das Feingewicht entsprechen exakt den Standards der Lateinischen Münzunion, wie sie auch bei französischen 20-Franc-Stücken üblich waren. Durch diese Maßwahl wurde internationale Währungskompatibilität signalisiert, auch wenn Polen der Union nicht angehörte.
Gestaltung und Symbolik
Die Vorderseite zeigt ein detailreiches Profilporträt von Bolesław I. Chrobry mit Krone und ernstem Blick in die Ferne. Der kraftvolle Entwurf mit feinen Gravurlinien vermittelt sowohl königliche Würde als auch historische Distanz. Die Umschrift nennt den Namen des Herrschers und das Prägejahr.
Die Rückseite ziert der polnische Weißadler mit ausgebreiteten Schwingen – das Staatswappen und Nationalsymbol Polens. Umgeben von der Umschrift RZECZPOSPOLITA POLSKA und dem Nennwert „20 ZŁOTYCH“, steht der Adler für Mut, Freiheit und die Wiedergeburt der Nation.
Kulturelle Bedeutung
Die Münze transportierte eine klare Botschaft: Das erst wenige Jahre zuvor wiedererstandene Polen knüpfte selbstbewusst an seine mittelalterlichen Wurzeln an. Sie verband die Idee der staatlichen Kontinuität mit dem Anspruch, Teil der europäischen Kultur- und Währungstradition zu sein.
Fazit – Ein goldenes Denkmal in der Tasche
Die Goldmünze aus dem Jahr 1925 ist weit mehr als ein Stück Edelmetall: Sie ist ein tragbares Denkmal, das Geschichte, Kunst und nationale Identität vereint. Dank ihrer kunstvollen Gestaltung, des historischen Anlasses und der limitierten Auflage nimmt sie einen besonderen Platz in der polnischen Numismatik ein – und bleibt ein glänzendes Symbol dafür, wie eine Nation ihre Vergangenheit prägt.
Andreas Raffeiner




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