• Dietmar Kreutzer

Der Goldrausch in Alaska (1896-1899)


Historischer Zeitungsausschnitt. Bildquelle: Slideserve, Cummins.

Inspiriert durch eigene Erlebnisse, schrieb Jack London sein berühmtes Buch über das Goldfieber von Klondike. Nach endlosen Entbehrungen machte ein Goldwäscher namens Burning Daylight darin den Fund seines Lebens. Wie so oft hatte er an jenem Tag im Dezember neben seiner Pfanne gehockt und Schlamm ausgewaschen. Zum Schluss gab er der Pfanne einen plötzlichen Stoß, so dass das Wasser abfloss. Er traute seinen Augen nicht: „Der ganze Boden sah aus, als wäre er von Butter bedeckt. So schimmerte das gelbe Gold. Es war Gold – Goldstaub, grobes Gold, Goldkörner, Klumpen. Er war ganz allein. Er setzte die Pfanne einen Augenblick nieder und dachte an vielerlei. Dann wusch er zu Ende und wog die Ausbeute in seiner Waage. Nach der gewöhnlichen Berechnung von sechzehn Dollar die Unze enthielt die Pfanne für reichlich siebenhundert Dollar Gold. Das übertraf seine kühnsten Träume.“ (Jack London, Lockruf des Goldes, München 1980, S. 82).

Karte der Goldfelder aus dem Jahr 1897. Bildquelle: National Park Service.

Doch wie konnte es zu diesem Goldrausch kommen? Bereits 1878 waren nahe der Grenzregion zwischen Alaska und der kanadischen Provinz British Columbia kleine Mengen an Gold gefunden worden. Im Lauf der Jahre siedelten sich immer mehr Goldsucher in der Nähe der kanadischen Stadt Dawson an. Am 16. August 1896 fand George Carmack in der Nähe des Klondike River größere Mengen des Edelmetalls. Nun kam es unter den bereits vor Ort befindlichen „Diggern“ zu einem regelrechten Goldrausch. Viele von ihnen scheffelten innerhalb weniger Monate ein Vermögen.

War etwas Gold zusammengekommen, wurde es aber auch schnell wieder aufs Spiel gesetzt. Der Goldsucher Arthur Jerome Beecher berichtete später, was er im Frühjahr 1897 im Log Cabin erlebte, einem großen Saloon von Dawson City: „Eines Abends, als ich bei einem Spiel Faro zusah, fragte mich ein Mann, den ich flüchtig kannte, ein berufsmäßiger Spieler, warum ich nicht einmal mein Glück versuchen wollte. Ich sagte ihm, ich kenne das Spiel nicht. Er schlug vor: ‚Lassen Sie mich für Sie setzen. Ich gebe Ihnen die Hälfte von dem, was ich gewinne.‘ Ich hatte kurz zuvor etwas Goldstaub gegen Goldmünzen bei der Alaska Commercial Company eingewechselt. Also gab ich ihm ein Zehn-Dollar- und ein Zwei-Dollar-Goldstück.“ (Frederik Hetmann: Goldrausch in Alaska; Würzburg 1970, S. 164f.).

20 Dollar (USA, 1897, Gold). Bildquelle: BullionByPost.

Eine halbe Stunde später hatte der Spieler mehr als 1.000 Dollar gewonnen. Die Hälfte davon erhielt Arthur Beecher, der die eingesetzten Goldmünzen zur Verfügung gestellt hatte. Doch erst mit der Ankunft eines ersten Schiffes am 7. Juli 1897 in San Francisco mit 68 in Alaska reich gewordenen Goldsuchern sprach sich die Nachricht von den Goldfunden herum. Arthur Beecher bahnte sich an jenem Tag einen Weg zur Selby Smelting Company, wo er sein Rohgold zu Münzen verarbeiten lassen wollte: „Ich war der neunte, der an die Reihe kam, und als mein Gold gewogen worden war, sagte mir der Mann, ich könne mir die Münzen in 24 Stunden abholen. Ich fragte schüchtern, ob ich wohl gleich etwas Bargeld haben könne, und er antwortete: ‚Aber freilich, wären Ihnen 500 Dollar genug?‘ Mit dieser Summe in Zwanzig-Dollar-Stücken-ging ich die Treppen hinunter und versuchte ins Freie zu gelangen.“ (Ebenda, S. 169f.).

½ DWT-Dollar, Alaska Yukon Pacific Exposition, 1909, Gold. Bildquelle: Calgoldcoin.

Als Beecher sich einen Weg durch die Menge von Schaulustigen bahnte, sah er die ersten Zeitungsjungen, die riefen: „Große Goldfunde am Klondike!“ In der Folgezeit brachen etwa 100.000 Glücksritter in Richtung Alaska auf. Viele von ihnen verzweifelten an den Wetterverhältnissen in Eiswüste. Weniger als die Hälfte der Menschen erreichte entkräftet die Goldfelder. Die besten „Claims“ waren inzwischen vergeben. Große Geschäfte wurden jetzt vor allem von Händlern gemacht, die Gebrauchsgüter zu Höchstpreisen verkauften. So endete der Goldrausch bereits im Jahr 1899. Professionell wird jedoch bis heute geschürft.

½ Pinch-Dollar, Panama Pacific International Exposition, 1915, Gold. Bildquelle: Online Collectible Auctions.

Einige Jahre später sind erstmals münzähnliche Gedenkstücke auf den Goldrausch geprägt worden. Anlässlich der Alaska-Yukon-Pazifik-Ausstellung von 1909 stellte die Hart Company in San Francisco drei Privatprägungen zu Nennwerten von einem Dollar sowie 25 und 50 Cent her. Verkauft wurden sie während des Zeitraumes der Ausstellung. Auf der Vorderseite ist ein Bergmann mit einer Spitzhacke über der Schulter und einer Schaufel zu seinen Füßen abgebildet. Die Rückseite zeigt ein Wappen und die Wertangabe. Im Jahr 1915 vertrieb dieselbe Gesellschaft weitere derartige Erinnerungsstücke auf der Panama-Pacific International Exposition in San Francisco. Die achteckigen Exponate gehörten zu einer Serie von 36 medaillenartigen Prägungen mit sehr unterschiedlichen Motiven. Die Vorderseite zeigt einen kleinen Indianerkopf in Anlehnung an die damals in den USA umlaufenden Cent-Münzen. Auch der Sternenkranz greift auf Vorbilder aus der Münzprägung zurück. Die Rückseite trägt einen Kranz mit Schriftzug und fiktiver Wertangabe.

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