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„Das Wissen strebt zu den Sternen“ - Die Berliner Akademie der Wissenschaften und ihre Medaillen - Academia in nummis Teil 2

Wer sich mit Medaillen zur Geschichte von Universitäten, Akademien und anderen Lehr- und Forschungseinrichtungen beschäftigt, stößt auch auf Prägungen der am 11. Juli 1700 in Berlin unter Anraten des Polyhistors und Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) gegründeten Akademie der Wissenschaften (AdW). Die seltenen numismatischen Belegstücke der Gelehrtensozietät aus dem 18. und 19. Jahrhundert wurden von Carl Laverrenz in dem 1885 bis 1887 in Berlin veröffentlichten Werk „Die Medaillen und Gedächtniszeichen der deutschen Universitäten. Ein Beitrag zur Geschichte aller seit dem XIV. Jahrhundert in Deutschland errichteten Universitäten“ erfasst. Seither kamen weitere Medaillen und Plaketten heraus, die man der aufgrund des Einigungsvertrags von 1990 unter dem Namen „Akademie der Wissenschaften Berlin-Brandenburg (vormals Preußische Akademie der Wissenschaften) - BBAW“ firmierenden Institution zuordnen kann.


Die von Friedrich Marl geschaffene Medaille ohne Jahreszahl auf die Gründung der Berliner Sozietät der Wissenschaften ist mit dem von Gottfried Wilhelm Leibniz kreierten Akademieadler geschmückt. Bildquellen: Caspar.


Das Berliner Akademie-Archiv besitzt eine große Zahl dieser Prägungen und Gussstücke, dazu kommen etliche in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts angefertigte galvanoplastische Nachbildungen jener besonders raren Medaillen aus der Frühzeit der Akademie. Die Gründung der Berliner Akademie der Wissenschaften vor 300 Jahren muss im Zusammenhang mit Bestrebungen des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich III. gesehen werden, sich königliche Ehren zuzulegen und seinem als „Streusandbüchse“ verlachtem Herrschaftsgebiet zu kultureller Blüte zu verhelfen. Dem diente 1694 auch die Gründung einer zweiten Landesuniversität in Halle an der Saale, neben der bereits bestehenden in Frankfurt an der Oder. Dazu kam zwei Jahre später die Schaffung der Akademie der Künste in Berlin. Nicht zuletzt verfolgte der repräsentative Ausbau der Haupt- und Residenzstadt Berlin und insbesondere die Umgestaltung des königlichen Schlosses das Ziel, ausreichend viele Gelehrte und Künstler in den Staatsdienst zu stellen. In aufwändigen Druckwerken mit Kupferstichen sowie durch Medaillen hat Kurfürst Friedrich III., ab 1701 König Friedrich I. in Preußen, seine Stiftungen gefeiert. Die Medaillen waren als „Histoire métallique“ bestens geeignet, den darauf dargestellten Herrscher als Vater des Vaterlandes, Kriegshelden und Friedensfürsten sowie als Förder der Wissenschaften und Künste in haltbarem Material zu verherrlichen.

Herkules verschenkt auf der undatierten Medaille von Raimund Faltz mit dem Bildnis Königs Friedrichs I. die goldenen Äpfel der Hesperiden. Bildquelle: Caspar.


Die noch mit kurfürstlichem Titel versehene Gründungsmedaille mit der Angabe 11. Juli 1700, dem 44. Geburtstag des Kurfürsten, als Gründungstag der Akademie zeigt bereits alle Merkmale weiterer Prägungen dieser Art: das Bildnis des Herrschers als Protektor der Sozietät und den zu den Sternen aufstrebenden Adler, den die Hohenzollern zu ihrem Symbol erkoren hatten. Dieses auch bei Siegeln der Akademie und ihren Publikationen verwendete Motiv wird Gottfried Wilhelm Leibniz zugeschrieben. Allerdings ist im Gegensatz zum ähnlich gestalteten kurbrandenburgischen beziehungsweise königlich-preußischen Adler der zum Sternbild des Aquila aufsteigende „Akademie-Adler“ ein bürgerlicher Vogel, denn er trägt keine Krone, kein Zepter oder andere Insignien. Leibniz, der sich als Universalgelehrter auch in der Numismatik und Heraldik auskannte, legte großen Wert darauf, dass die auf der Medaille erkennbaren Sterne einigermaßen dem Sternbild des Adlers entsprechen. In einem lateinischen Gedicht beschrieb der Gelehrte die Gründungsmedaille und erläuterte auch die an den römischen Dichter Ovid angelehnte Devise „Cognata ad sidera tendit“, die sich etwa als „Das Wissen strebt zu den Sternen“ übersetzen lässt. Die immer zum Spott aufgelegten Berliner machten daraus „Cognac siedet im Tender“

König Friedrich II., der Große, hauchte als der Berliner Akademie neues Leben ein. Die Medaille von Nils Georgi ehrt ihn als Protektor der Gelehrtenvereinigung. Bildquelle: Caspar.


Das mit dem Motto und dem Adlerbild angedeutete Streben zu höheren Zielen hat im Großen und Ganzen bis heute die Arbeit der Akademie bestimmt, denn es ging und geht nicht um theoretische Gelehrsamkeit, sondern um die Anwendung des erworbenen Wissens.

„Solche Churfürstliche Sozietät müste nicht auf bloße Curiosität oder Wissens-Begierde und unfruchtbare Experimenta gerichtet seyn, oder bey der bloßen Erfindung nützlicher Dinge, ohne Application oder Anbringung beruhen [...]; sondern man müste gleich anfangs das Werck samt der Wissenschaft auf den Nutzen richten [...]. Wäre demnach der Zweck Theoriam cum praxi zu vereinen. Und nicht allein die Künste und die Wissenschaften, sondern auch Land und Leute, Feld-Bau, Manufacturen und Commercien, und mit einem Wort die Nahrungs-Mittel zu verbessern“,

forderte Leibniz.

Aus aus der Zeit um 1766 stammenden Präsenzjetons wurden von Abraham Abramson gestaltet. Diese Art der Vergütung bekamen in großen Städten auch Ratsherren und andere Leute in Amt und Würden. Abgebildet ist das seltene Stück in einem Nürnberger Münzbuch von 1761. Bildquelle: Caspar.


Eine von Friedrich Marl geschaffene Medaille ohne Jahreszahl zeigt ebenfalls das nunmehr königliche Brustbild und den Akademieadler. Eine undatierte Medaille von Raimund Faltz mit der Darstellung des Herkules muss zwischen 1701 und 1703 entstanden sein. Nach französischem Vorbild diente die mit der (übersetzten) Rückseiteninschrift „Er setzt Belohnung für Tüchtigkeit aus“ und „Fürstliche Freigiebigkeit“ versehene Medaille als Auszeichnung für bedeutende Gelehrte. Belegte Abschläge in Gold mit einem Gewicht von 100 Dukaten waren ein wahrhaft fürstliches Geschenk. Die Darstellung des mit einer Keule bewaffneten Helden soll sagen, wie auch Herkules, so ruht sich Preußens König nach kriegerischen Auseinandersetzungen aus und verteilt die dem Drachen entrissenen goldenen Äpfel der Hesperiden an Künstler und Gelehrte.

König Friedrich Wilhelm III. verlieh solche von Daniel Friedrich Loos gestalteten Preismedaillen an verdienstvolle Gelehrte und andere Persönlichkeiten. Bildquellen: Caspar.


Nachdem unter dem kultur- und wissenschaftsfeindlichen Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I., der von 1713 bis 1740 regierte, auch in der Akademie die Lichter ausgegangen waren, erlebte sie ihr Comeback unter Friedrich II., dem Großen. Er reformierte das Institut und verschaffte französischen Gelehrten zum Ärger ihrer deutschen Kollegen großen Einfluss. Nach Pariser Vorbild wurden Preismedaillen und Präsenzjetons mit dem Bildnis des Königs Protector Academiae geprägt. Mit Silberjetons im Gewicht von etwa einem halben Taler wurde die Anwesenheit von Akademiemitgliedern bei ihren Sitzungen belohnt. Da nur so viel Exemplare hergestellt wurden, wie es Akademiemitglieder gab, galten die Prägungen schon Mitte des 18. Jahrhunderts als „ungemein selten“, so wenigstens vermeldet es Johann Friedrich Joachim in seinem Buch „Das neu eröfnete Münzcabinet“ (Nürnberg 1761, Seite 109).


Dem Akademiegründer Gottfried Wilhelm von Leibniz wurde 1843 zu seinem 200. Geburtstag eine von Carl Fischer geschaffene Medaille gewidmet, die lange auch danach zu Auszeichnungszwecken vergeben wurde. Bildquelle: Caspar.


Dass Friedrich II. große und kleine Preismedaillen zur Auszeichnung herausragender Gelehrter und Gewinner von Preisaufgaben prägen ließ, lag im Trend, denn auch andere Herrscher ehrten auf diese Weise Gelehrte und Künstler oder förderten wie im Falle der Preismedaillen mit dem Bildnis der Kaiserin Maria Theresia Bergbau, Münzprägung und anderes. Zu nennen sind hier auch die bei Sammlern heiß begehrten Preismedaillen der Hohen Karlsschule mit dem Bildnis Herzog Karl Eugens von Württemberg und der Académie des Arts. Aus dem Einerlei des Schemas Brustbild beziehungsweise Kopf/Inschrift ragt eine undatierte Preismedaille mit dem Bildnis Friedrich Wilhelms III. von Daniel Friedrich Loos heraus, auf deren Rückseite sich der Akademie-Adler über der Straße Unter den Linden erhebt, an der auch das Akademiegebäude stand. Heute befindet sich hier die Staatsbibliothek der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Die Bronzeplakette von August Vogel zur Zweihundertjahrfeier der Akademiegründung am 11. Juli 1900 nennt prominente Mitglieder wie Friedrich II., Leibniz, die Brüder Wilhelm und Alexander von Humboldt und den Althistoriker Theodor Mommsen. Bildquelle: Caspar.

Die 1906 gestiftete und von Constantin Starck geschaffene Leibniz-Medaille wird auch heute an verdiente Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen verliehen. Diese Version stammt aus der Zeit nach 1971, als die Berliner Akademie der Wissenschaften auf Weisung der SED und ihres Chefs Erich Honecker in Akademie der Wissenschaften der DDR umbenannt wurde. Die DDR-Version in zwei Größen zu 45 und 30 mm („für Kollektive“) verzichtete auf die vertiefte Inschrift DIGNA DIGNIS beiderseits des Brustbildes, ungefähr zu übersetzen mit „Würdiges dem Würdigen“. Bildquelle: Caspar.


Helmut Caspar

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